Takeda vor der Entscheidung über Nycomed Standort Konstanz

Pharmaunternehmen beschäftigt 900 Mitarbeiter in der Unistadt – Entscheidung in den kommenden Wochen

Konstanz. Seit dem 30. September 2011 ist Nycomed ein Unternehmen der Takeda-Gruppe und seit dem ist die Zukunft des Standorts ungewiss. Takeda ist ein forschungsbasiertes globales Unternehmen mit dem Schwerpunkt auf Arzneimittel. Die 900 Arbeitsplätze in Konstanz sind seit der Übernahme unsicher. Belastbare Aussagen darüber, ob sich das Unternehmen komplett aus Konstanz zurückzieht oder eine Rumpfmannschaft am Standort bleiben könnte, gibt es noch nicht. Auch der Betriebsrat ist bisher nicht darüber die informiert, wie es in Konstanz weiter geht. Jürgen Schneider, Director Communications Germany, sagte, die Entscheidung falle in den kommenden Wochen.

Bye Bye 900 Arbeitsplätze?

Was passiert in Konstanz? Was geschieht mit gut ausgestatteten Laboren und Arbeitsplätzen? Byk Gulden, Altana, Nycomed, Takeda und dann nur noch ein schwarzes Loch? In Konstanz sitzen Forschungs-, Vertriebs- und Marketingmitarbeiter sowie ein Teil der Verwaltung. Je nachdem, ob die Außendienstmitarbeiter, die Konstanz zugeordnet sind, mitzählen oder nicht, gibt es bei Nycomed am Standort Konstanz aktuell 900 oder 1.200 Arbeitsplätze. Das sagte Unternehmenssprecher Jürgen Schneider.

Zwei Unternehmen passen zusammen

Nycomed ist stark in Russland und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion sowie Brasilien präsent. Im Fokus hat Nycomed auch Schwellenländer. Die Mitarbeiter sind weltweit verstreut, der Firmensitz ist in Zürich. Nycomeds Verkaufsschlager ist noch immer das Magenmittel Pantoprazol. Der Patentschutz für Pantoprazol lief bereits 2009 in mehreren europäischen Ländern aus. Das wirkte sich auf die Verkäufe aus. Takeda dagegen ist stark in Japan und den USA sowie in anderen asiatischen Ländern.

Forschung und Vertrieb auf der Kippe

Kein Geheimnis ist es, dass Pharmaunternehmen Deutschland insgesamt nicht als besonders geeigneten Forschungsstandort ansehen. Die Verkaufszahlen von Pantoprazol sind aufgrund der Gesundheitspolitik, die den Verkauf von Generika, also den günstigeren Nachfolgeprodukten, bevorzugt, niedrig. Auch deswegen dürfte der Forschungsstandort Konstanz keine sehr gute Perspektive mehr haben. Anders als die Produktion könnte die Forschung zudem leicht in ein anderes Land – vielleicht sogar nach Japan verlagert werden. Auch die Chancen für den Vertrieb stehen nicht gut. Seit der Übernahme gibt es eine Doppelstruktur. Auch am Standort Aachen arbeitet einen Vertrieb mit rund 430 Beschäftigten. So viele sind es etwa auch in Konstanz.

Entscheidung spätestens Ende März

Der Director Communications Germany, Jürgen Schneider, sagte, eine Entscheidung falle in jedem Fall noch im ersten Quartal 2012. Offenbar rechnen Insider mit einer Entscheidung in den kommenden beiden Wochen. Sollte Takeda tatsächlich den Standort Konstanz ganz fallen lassen, könnte der Betriebsrat tatsächlich nur noch über einen Sozialplan verhandeln. Die zweite Frage wäre dann aber auch, ob sich Naturwissenschaftler neue Existenzen in Konstanz aufbauen könnten – und ihnen möglicherweise das Netzwerk BioLago behilflich sein könnte.

OB engagiert sich für Standort

Die Stadt selbst hält sich momentan noch bedeckt. Der städtische Pressesprecher sagte nur, dass Oberbürgermeister Horst Frank „hoch aktiv“ sei. Öffentlich könne die Stadt dazu aber nichts sagen, solange keine Entscheidung gefallen sei. Rügert wollte auch nicht bestätigen, dass sich Frank direkt nach Japan gewandt haben soll – aber wieder an den Deutschland-Chef zurückverwiesen worden sei. Angeblich wäre Frank gern nach Japan gereist, um für Konstanz zu werben. Der OB und auch noch einige andere werben derzeit engagiert für Konstanz. Ein Standortvorteil ist übrigens ausgerechnet die Verkehrsanbindung – die Nähe des Züricher Flughafens.

Konsequenzen für Konstanz

Dazu, was ein Aus für den Standort und die Stadt Konstanz bedeuten würde, sagt die Stadt offiziell nichts. Mutmaßlich 6,5 Millionen Euro Gewerbesteuer sowie ein satter Einkommenssteueranteil könnten der Stadt verloren gehen. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille: Denn die Stadt setzte auf Life Science. Darüber welche Rolle Nycomed oder Takeda fürs Netzwerk BioLago spielt, gibt es keine ganz eindeutige Aussage. Mittlerweile hat BioLago  mehr als 80 Mitglieder. Das Aus für Nycomed würde heute nicht mehr – so wie es zu Beginn gewesen wäre – zwangsläufig das Ende von Life Science und dem Netzwerk bedeuten. Die Rolle, die Nycomed bei BioLago spielt, ist aber nicht zu unterschätzen. Nycomed ist Sponsor und hat Räume. Bio Lago kann mit dem guten Namen des Unternehmens werben. Michael Berthold ist Inhaber der Nycomed-Professur für Bioinformatik und Information Mining an der Universität Konstanz und es gibt einen Nycomed Young Talents Award.

Foto: Logo Nycomed

 

Ein Kommentar to “Takeda vor der Entscheidung über Nycomed Standort Konstanz”

  1. Satansbraten
    10. Januar 2012 at 16:56 #

    Die Solarbude geht an die Chinesen.
    Das Chemieunternehmen geht an die Japaner.

    Ich denke die werden von den Stiefmüttern platt
    gemacht.

    Wohin gehst Du Konstanz ???

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