Taximord-Prozess beginnt am Dienstag am Konstanzer Landgericht

Pflichtverteidiger diese Woche noch im Urlaub – 35 Medienvertreter haben sich angemeldet

Konstanz. Wenn am Konstanzer Landgericht am kommenden Dienstag, 11. Januar, der Taximord-Prozess beginnt, dürfte das öffentliche Interesse gewaltig sein. Angemeldet haben sich bisher allein schon 35 Medienvertreter. Der Taximord hatte im vergangenen Sommer eine ganze Region in den Ausnahmezustand versetzt. Dem aus Russland stammenden Angeklagten, der deutscher Staatsbürger ist, wirft die Staatsanwaltschaft vor, im Juni 2010 zwei Taxifahrerinnen aus Singen und Friedrichshafen an zwei aufeinander folgenden Tagen überfallen zu haben. Während die 44-Jährige schwerverletzt überlebte,gab es für die 32-Jährige keine Rettung mehr. Das Verbrechen hatte sich am Rande der Hagnauer Strandbad- und Campingplatzidylle ereignet. Die gesamte Bodensee-Region stand nach den Bluttaten unter Schock. Die Polizei hatte damals nicht ausgeschlossen, dass sich ein weiterer Mord ereignen könnte.

Sicherungsverwahrung nicht ausgeschlossen

Klaus Frank, Pflichtverteidiger des mutmaßlichen Taximörders vom Bodensee, sagte bereits vor der Verhandlung, er rechne mit Sicherungsverwahrung für seinen Mandanten, sollte der Angeklagte verurteilt werden. Mehrmals erklärte der in Konstanz lebende Anwalt auch: „Ich bin nicht sein Freund.“ Er sei vom Gericht bestellt worden. Seine Aufgabe sei es dafür zu sorgen, dass sein Mandant fair behandelt werde. Genau das werde er tun.

Zwei brutale Verbrechen

Der wegen Mordes Angeklagte hatte im Juni vergangenen Jahres in Singen eine Taxifahrerin entführt und sie schwerst verletzt, bevor er einen Tag später eine zweite Taxifahrerin in Hagnau – sie war eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder – mit einem Messer erstach. Das 44-jährige Singener Opfer überlebte schwer verletzt. Die Frau, die bei der Tat brutal vergewaltigt und lebensgefährlich verletzt worden war, wurde hilflos in ihrem Taxi gefunden. Am Tag nach dem brutalen Überfall wurde eine 32 Jahre alte Taxifahrerin aus Friedrichshafen getötet. Zuvor hatte sich der Angeklagte von seinem späteren Opfer noch zur Mainau und über die Autofähre Konstanz-Meersburg zurück in den Bodenseekreis fahren lassen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der zum Tatzeitpunkt 28-jährige Angeklagte beiden Frauen mit der Absicht, sie zu töten und sie zu berauben, mit einem Messer in den Hals gestochen hat. Außerdem soll der mutmaßliche Mörder sexuelle Motive gehabt haben.

Prozess beginnt am Dienstag

Der Prozess vor dem Konstanzer Schwurgericht gegen den mutmaßlichen Taximörder vom Bodensee beginnt am kommenden Dienstag um 9 Uhr. Geplant sind acht Verhandlungstage. Vorsitzender ist Jürgen Bischoff. Das Interesse der Medien an der Verhandlung dürfte beachtlich sein. Bereits bis Ende des vergangenen Jahres hatte sich etwa ein Dutzend Zeitungs-, Rundfunk- und Fernsehjournalisten gemeldet und sich 25 Medienvertreter, die über den Prozess berichten wollen, auf eine Presseliste setzen lassen. Klar ist auch schon jetzt, dass es vor dem Einlass Schlangen und Sicherheits- und Personenkontrollen geben wird.

Angeklagter sitzt noch in Hohenasperg ein

Derzeit sitzt der Angeklagte noch in Hohenasperg ein. Vermutlich wird er jeweils an den Verhandlungstagen nach Konstanz gebracht. Dass der Mann noch einmal in der Justizvollzugsanstalt Konstanz einsitzt, wo er nach seiner Verhaftung bereits kurzzeitig untergebracht war, dürfte unwahrscheinlich sein.Bestätigen konnte das der Sprecher des Konstanzer Landgerichts, David Eisele, aber nicht. Rechtsanwalt Klaus Frank hatte damals öffentlich erklärt: In der U-Haft in Konstanz sei sein Mandant Repressalien von Mithäftlingen ausgesetzt gewesen. Seither sind einige Monate vergangen. „Ich glaube nicht, dass er seine Taten schon reflektiert hat“, hatte der Verteidiger noch kurz vor Weihnachten gesagt. Ob der in Hohenasperg Einsitzende Scham empfinde oder vollkommen gefühlskalt sei, vermochte der Anwalt nicht zu beurteilen.

Pflichtverteidiger ging ans Anwaltsnottelefon

In dieser Woche befindet sich der Verteidiger noch in Urlaub. Auf der Homepage von Klaus Frank findet sich folgender Hinweis: Die Anwaltskanzlei habe sich als eine der „führenden Strafrechtskanzleien im Landgerichtsbezirk Konstanz, wenn nicht im gesamten westlichen Bodenseeraum, entwickelt“. In Strafsachen steht Frank, der Pflichtverteidiger des mutmaßlichen Mörders ist, ansonsten nicht nur Straftätern als Anwalt zur Seite, sondern er vertritt auch Opfer von Straftaten. Zum Anwalt des Mordverdächtigen wurde der Konstanzer Rechtsanwalt eher zufällig: Er sei einer von sechs Anwälten, die durch das Anwaltsnottelefon zu erreichen sind. Als es klingelte, als der Angeklagte das Recht auf einen Anwalt hatte, sei er zufällig da gewesen. So hatte es Klaus Frank in einem Gespräch mit See-Online gesagt.

Zum Thema Taximord bei See-Online bereits erschienener Artikel.

Ein Kommentar to “Taximord-Prozess beginnt am Dienstag am Konstanzer Landgericht”

  1. dk
    5. Januar 2011 at 21:25 #

    … dürfte das öffentliche Interesse gewaltig sein. Angemeldet haben sich bisher allein schon 35 Medienvertreter. …

    Wieviele lokale/regionale Online-Zeitungen gibt es im Bodensee-Raum?
    Würde sich ein gemeinsames Projekt „zentrales Dashboard“ als Übersicht über die jeweiligen Artikel nicht anbieten (inkl. Verlinkung)?

    Im Webdesign gibt es ein „smashing network“: http://www.smashingmagazine.com/

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.