Taximordprozess: Subjektives Resümee nach erstem Tag

44-jährige Taxifahrerin durchlitt unvorstellbares Martyrium – Angeklagter schweigt

Angeklagter beim Taximordprozess neben JustizpflegerKonstanz. Ob der Angeklagte Andrej W. der Taximörder vom Bodensee ist, steht am Ende des ersten Verhandlungstags noch nicht fest. Das Urteil fällen die Richter voraussichtlich erst nach acht Prozesstagen. DNA-Spuren hätten ihn nach Aussage von Ermittlern allerdings eindeutig als Täter identifiziert. Andrej W. schweigt zu den Vorwürfen. Er sprach am ersten Tag kein einziges lautes Wort. Die Zeugen dagegen schilderten ausführlich, was sie gesehen haben. Ein Puzzle setzt sich in den Köpfen der Beobachter zusammen. Klar ist schon nach einem Tag, dass die Opfer ein schier unbeschreibliches Martyrium durchlitten haben.

Mutmaßlicher Mörder gebärdete sich wie Bestie

An Grausamkeit sind die Verbrechen, die am 8. und 9. Juni vom mutmaßlichen Taximörder am Bodensee verübt worden sind, kaum zu überbieten. Die sachlichen, nüchternen Schilderungen der Ärzte, die das überlebende Opfer behandelt haben, lassen nur einen einzigen Schluss zu: Der mutmaßliche Mörder ist eine Bestie. Serienmörder, die in fiktionalen Kriminalromanen morden, gehen selten so brutal, unmenschlich, barbarisch, grausam oder eben bestialisch vor wie der mutmaßliche Mörder vom Bodensee.

Angeklagter zeigt keine Emotionen

Der Angeklagte Andrej W. sitzt scheinbar teilnahmslos und ohne eine Gefühlsregung zu zeigen, an seinem Platz. Als er im Blitzlichtgewitter zum ersten Mal in Fußfesseln den Gerichtssaal betrat, trug er eine schwarze Motorradhaube. Zu sehen waren weder Mund noch Nase, sondern nur die Augen. Andrej W. ist ein schmächtiger, unauffälliger, blasser Mann, an den sich noch nicht einmal die Verkäuferin einer Singener Bäckerei erinnerte, bei der er nach seiner ersten Tat ein Getränk gekauft hatte, was ein Video beweist.

Mutmaßlich nekrophile Neigung

Immer klarer scheint es, dass der mutmaßliche Mörder beide Frauen ermorden wollte. Lust oder sexuelle Befriedigung empfindet der mutmaßliche Mörder offenbar beim Geschlechtsverkehr mit Toten. Der Staatsanwalt sprach von einer „nekrophilen Neigung“. Nekrophilie steht für eine gestörte Sexualpräferenz, die auf Leichen gerichtet ist. Vieles spricht dafür, dass es so sein könnte.

Opfer überlebt wegen starken Willens

Der Arzt, der das Singener Opfer operiert hat, sagte: „Das Opfer kam halbtot an.“ Er sprach davon, dass es ein Wunder sei, dass die 44-Jährige überlebt habe. Die Verletzungen glichen denen nach tödlichen Motorradunfällen. Der Arzt weiter: „Ihr starker Wille hat sie am Leben gehalten.“ Mit einem Messer hatte sie der mutmaßliche Mörder in den Hals und den Rachenraum gestochen und sie erlitt schwere Rückenmarksverletzungen. Der mutmaßliche Mörder hat den Kopf der Taxifahrerin mit großer Gewalt um 70 Grad gedreht. Dazu musste er entweder den Körper festhalten und den Kopf drehen oder aber den Kopf festhalten und mit großer Gewalt den Körper drehen, so eine sachverständige Zeugin. Die Hebelwirkung sei im zweiten Fall größer. Der mutmaßliche Mörder hat die Frau, die sich tot stellte und vorübergehend weder sprechen noch sich bewegen konnte, zwei Mal vergewaltigt. Die eine Körperhälfte der Frau ist seit der Tat ohne Gefühl und die andere ohne Kraft. An Weihnachten saß sie in einem Rollstuhl. Sie werde nie wieder alleine laufen können, sagte der Mediziner, der die Frau operierte. Ein zweiter Arzt, der das Opfer auf der Intensivstation betreute, sagte, ihm habe die Frau gesagt, sie habe das Gefühl gehabt, dass der Täter sie töten wollte. Zwei Zeugen, einem Arzt und einem Polizisten, hatte die Taxifahrerin erzählt, dass sie der ihr vollkommen unbekannte Täter gefragt habe: „Kennst Du mich noch?“

Fortsetzung am Mittwoch

Wer den Prozess vor dem Konstanzer Landgericht verfolgt, wird angesichts der geschilderten Brutalität von einem höchst unangenehmen Gefühl beschlichen. Schon das Zuhören ist belastend und das Wort Sicherungsverwahrung bekommt noch einmal eine völlig neue Bedeutung. Der Prozess wird am Mittwoch um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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