taz über den Typ Uli Burchardt und die OB-Wahl in Konstanz 2012

Wie das ökologisch-bürgerliche Milieu wählt – Uli Burchardt war in Konstanz alternativlos

Konstanz. Im Juli wählten die Konstanzer nicht zu fällig Uli Burchardt zu ihrem neuen Oberbürgermeister. Heute widmet die Berliner taz der Wahl noch einmal eine längere Geschichte und erklärt, weshalb die Konstanzer Wahl im Juli nur Uli Burchardt gewinnen konnten. Uli Burchardt war, so analysiert es die taz,  in Konstanz praktisch alternativlos.

Authentisch, ökologisch, bürgerlich

Fritz Kuhn und Uli Burchardt verkörpern mutmaßlich einen ähnlichen Politiker-Typ, der eine große Gruppe in der Bevölkerung anspricht. Den bürgerlich-konservativen und ökologisch inspirierten Wählern ist es in Stuttgart und Konstanz gleichgültig gewesen, welcher Partei der Kandidat angehört. Sie wählten einen Typ und nicht eine Partei. Uli Burchardt war in Konstanz der einzige Kandidat, mit dem sich das ökologisch-bürgerliche, smarte Milieu identifizieren konnte und der die Politikziele, die dieser Gruppe wichtig sind, glaubhaft verkörperte, auch wenn er mit vielen seiner Aussagen im Wahlkampf eher im Vagen blieb. Wer fair gehandelten Kaffee aus der hochwertigen DeLonghi Maschine genießt, den SUV stehen lässt und in Konstanz innerstädtische Strecken lieber ökologisch korrekt mit dem Fahrrad zurücklegt und gern auch in Jeans und Sneakers bei einer Vernissage auftaucht, wählte anscheinend den lässigen Burchardt.

taz analysiert Wahlsieg

So oder so ähnlich analysiert auch die taz den Wahlausgang. Ulrich Burchardt hätten, so die taz, zwar nicht so viele CDU-Wähler wie die „trutschige Kandidatin“ gewählt, aber dafür laut einer Untersuchung der Uni Konstanz auch viele Grünen-Wähler und vor allem Frauen. Im zweiten Durchgang hatte er sich mit einer relativen Mehrheit von 39,1 Prozent durchgesetzt.

Versagen der anderen

Die taz erklärt auch gleich noch, weshalb Sabine Seeliger (Grüne) und Sabine Reiser (CDU) bei der Wahl nicht erfolgreich waren: Mit der Ankündigung, die Citymaut einführen und den Ausbau der Bundesstraße 33 verhindern zu wollen, war Seeliger laut taz nicht mehrheitsfähig. „Damit war sie im Meinungsbildungsprozess jenseits vieler Wähler“, heißt es. Weiter schreibt die taz: „Eine weitere Kandidatin mit CDU-Parteibuch führte zwar nach dem ersten Durchgang, kam aber etwas zu trutschig rüber.“ Das heißt übersetzt altbacken oder omahaft und meint wohl das Gegenteil einer modernen Frau und eines modernen Frauenbilds.

Hier geht es weiter zur taz.

Ein Kommentar to “taz über den Typ Uli Burchardt und die OB-Wahl in Konstanz 2012”

  1. Hans Paul Lichtwald
    17. November 2012 at 18:36 #

    Wer vom Wahlergebnis auf die Bevölkerungsstrukturen und ihre Werte schließen will, kommt an der Wahlbeteiligung nicht vorbei. Die ist nicht nur in Konstanz katatrophal gewesen.Betrachtet man in Konstanz die traditionellen politischen Lager, dann sind Burchhardts Ungterstützer auch jene Bürger, die mit der Konzerthalle am Bürgerentscheid scheiterten. Auffallend ist zudem, dass es keinen Bloggerwahlkampf gab, was kenner der Szene vorab vermutet hatten.Dafür hat die Tageszeitung am Freitag vor der Wahl klar gemacht, für wen sie steht. Was wiederum schon vorher von Kennern der Szene erwartet worden war. Vielleicht siehte einfach der Kandidat, der auch nach einem Blick in die Vergangenheit für die beste Zukunft stand.Zudem ist Grün eben nicht gleich Grün!

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