Trottoirs nicht um 2 Uhr hochklappen

Überlinger Wirte machen neues Ausgehverhalten geltend

Überlingen (wak) Überlinger Gastronomen verlangen eine Verkürzung der Sperrzeit. Das Ausgehverhalten habe sich geändert. Eine Tourismus-Stadt wie Überlingen dürfe ihre Trottoirs nicht um 1 Uhr oder um 2 Uhr hochklappen. Das fordern übereinstimmend viele Überlinger Gastronomen und noch mehr Kneipengänger. „Ausgehverhalten und Sperrzeiten passen nicht mehr zusammen“, sagt Michael Jeckel, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands im Bodenseekreis. Am Mittwochabend wird der Überlinger Gemeinderat über die Sperrzeit neu entscheiden.

Kneipenbesucher kommen später

Michael Jeckel, Wirt der Überlinger Kultkneipe „Zum Galgen“, der für die CDU auch im Überlinger Gemeinderat sitzt und am Mittwoch mit abstimmen darf, fürchtet eine „emotional geführte Diskussion“. Dass die Gäste sich eine Liberalisierung der Sperrzeitenregelung wünschen, steht für ihn außer Frage. Er sagt: „Die Leute kommen eine Stunde später.“ Wenn es im Sommer aufgrund der Sommerzeit eine Stunde länger hell ist, verschiebe sich der Kneipenbesuch eine Stunde nach hinten. Statt um 20 Uhr treffen sich Kneipengänger heute eher erst m 22 Uhr am Tresen.

Wirte reagierten mit längeren Küchenöffnungszeiten

Verschoben habe sich auch die Essenszeit. „Heute wollen Gäste um 21 Uhr oder um 22 Uhr noch ein warmes Essen bestellen“, so Michael Jeckel. Viele Gastronomen hätte aufgrund der veränderten Nachfrage ihre Küchenöffnungszeiten verlängert. Für Michael Jeckel und seine Kollegen aus der Gastronomiebranche steht denn auch fest: Ausgerechnet eine Tourismus-Region wie der Bodensee dürfe Gäste nicht vor den Kopf stoßen. Jeckel zieht auch gleich noch einen Vergleich: Der Handel öffne heute ja schließlich auch frühestens um 9 Uhr, seit die Kunden nicht mehr schon um 8 Uhr am Morgen einkaufen möchten.

Längere Kneipenöffnungszeiten nicht gleich Ruhestörungen

Der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands im Bodenseekreis, Michael Jeckel, fordert eine etwas differenziertere Betrachtungsweise. „Längere Öffnungszeiten haben nicht mehr nächtliche Ruhestörungen zur Folge.“ Im Gegenteil: Wenn der „Galgen“ am Wochenende pünktlich um 2 Uhr schließt, verlassen innerhalb von vielleicht zehn Minuten 50 Personen das Lokal. Michael Jeckel ist sich ziemlich sicher, dass die meisten dann noch nicht nach Hause wollen und sich erst einmal auf der Straße weiter unterhalten oder anschließend noch ins „Café Walker“ weiter ziehen.

Keine Sause bis morgens um 5 Uhr

Die wenigstens Wirte wollten tatsächlich bis 5 Uhr am Morgen öffnen, so Jeckel. Die neue Gaststättenverordnung in Baden-Württemberg würde aber genau das erlauben, sofern die Stadt auf eine Sperrzeitenregelung ganz verzichten würde. „Wir möchten es einfach nur locker auslaufen lassen“, sagt Jeckel. Er geht davon aus, dass zum Beispiel im „Galgen“ spätestens um 3 Uhr Schluss wäre. Zornig macht die Wirte, dass sie, wenn sie eine einmalige Verkürzung der Sperrzeit wollen, jedes Mal 25 Euro an die Stadt bezahlen müssen. Eine dauerhafte Sperrzeitverkürzung kostet 200 Euro im Monat.

Sperrzeiten kein Instrument gegen Jugendalkoholismus

Weiter verwahren sich die Gastronomen gegen Vorwürfe, es gebe einen Zusammenhang zwischen Sperrzeiten und Jugendalkoholismus. Das sei Quatsch, stellt Michael Jeckel klar. Die Jugendlichen, die am Landungsplatz trinken oder „vorglühen“, wie es in der Jugendsprache heißt, haben ihre alkoholischen Getränke nicht in Gaststätten gekauft. Sie bringen ihre vollen Flaschen mit zu ihren Treffpunkten. Recht scheinen Michael Jeckel und seinen Wirtekollegen auch die jüngsten Vorfälle zu geben: das 14-jährige Mädchen, das sich in Überlingen bewusstlos getrunken hatte, hatte keine Gaststätte besucht, sondern zusammen mit anderen Jugendlichen ein Gemisch aus Apfelschorle und Rum konsumiert.

Das letzte gallische Dorf darf nicht Überlingen sein

Vor diesem Hintergrund fordert Michael Jeckel dringend eine Versachlichung der Diskussion. Er sagt, Überlingen dürfe nicht das „letzte gallische Dorf“ mit einer langen Sperrzeit werden. Dass die größere Stadt Konstanz zuletzt ebenfalls sehr restriktive Sperrzeitenregelungen beschlossen hat, ist für Michael Jeckel kein Argument. Er geht davon aus, dass einige Konstanzer Wirte den Klageweg beschreiten werden. Dass in der Konstanzer Altstadt tatsächlich unter der Woche um 1 Uhr, in der Nacht zum Samstag um 2 Uhr und nur in der Nacht zum Sonntag erst um 3 Uhr Schluss ist, kann er kaum glauben.

Foto: wak

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