Trotz Asbest-Sperrung: Konstanzer Uni-Bibliothek punktet bei Ranking

Universität Konstanz führt zum vierten Mal in Folge den Bibliotheksindex BIX an – Auch HTWG meldet vorderen Platz

Konstanz. Die Nachricht hat überrascht. Die Bibliothek der Universität Konstanz wird, wie in den vergangenen drei Jahren, auch 2011 beim wichtigsten Ranking der deutschsprachigen Bibliotheken mit dem ersten Platz im Bereich der einschichtigen Bibliotheken ausgezeichnet. Zum dritten Mal in Folge den ersten Platz belegt hat im bundesweiten Bibliotheks-Index-Ranking (BIX) in der Kategorie Hochschulbibliotheken auch die Bibliothek der HTWG Konstanz. Das teilten die Universität und die HTWG mit. Offenbar punktete die Uni-Bibliothek, obwohl die Asbest-Sperrungen seit November vergangenen Jahres den Betrieb stark eingeschränkt haben. Die Studierenden hatten deswegen sogar die Rückerstattung von Studiengebühren gefordert. Daten für die Bewertung sind 2010 erhoben worden.

Wiederholt weit vorn

Unter einschichtigen Bibliotheken versteht man eine Bibliothek mit einer die einheitlichen Organisations- und Verwaltungszentrale- und  keine über den gesamten Campus verteilten unabhängigen Institutsbibliotheken. Mit der wiederholten Platzierung werde die „Nachhaltigkeit des Konstanzer Ansatzes“ zwischen 24-Stunden-Nutzung des Lernorts mit systematischer Freihandaufstellung und gleichzeitiger konstanter Ausweitung des digitalen Angebots gewürdigt. Gegenüber dem Vorjahr konnte die Konstanzer Bibliothek laut Mitteilung der Universität nicht nur ihre Leistungen halten, sondern ihre Daten in vier Feldern sogar weiter verbessern: Neben dem deutlichen Ausbau des digitalen Angebots seien rund zehn Prozent mehr Schulungen angeboten worden, der Drittmittelanteil an Bibliotheksmitteln sei fast verdoppelt worden (von 4,3 auf 7,8 Prozent) und der Anteil des Personals für elektronische Dienste von 10,9 auf 14,10 Prozent gesteigert worden.

Einschränkungen erst seit November

Wörtlich heißt es in der Mitteilung: „Dabei ist die vom Deutschen Bibliotheksverband vergebene Platzierung in diesem Jahr eine besondere Auszeichnung: Am 5. November 2010 mussten aufgrund von Asbestfunden drei Viertel der Freihandbereiche der Bibliothek geschlossen werden.“Der Zugang zu den betroffenen Beständen sei seit dieser unerwarteten Teilschließung über eine Magazinbestellung möglich. Jeder bestellte Band werde einer Spezialreinigung unterzogen. „Natürlich ist die Platzierung im BIX vor dem aktuellen Hintergrund für unsere Bibliothek eine noch wichtigere Auszeichnung als in den Vorjahren“, so Petra Hätscher, die Direktorin der Bibliothek der Universität Konstanz. Sie sagte weiter: „Sie bestätigt einerseits, dass unsere Arbeit deutschlandweit auf einem Spitzenniveau ist und ist gleichzeitig auch ein Ansporn, gerade jetzt alles zu tun, um trotz der erforderlichen Reorganisationsmaßnahmen den hohen Standard der Bibliothek zu halten.“ Die erstklassige Platzierung im BIX beruht auf den Zahlen des Jahres 2010 – seit 5. November sind Teile der Bibliothek geschlossen.

So organisierte sich die Bibliothek neu

Die Bibliothek hat seit der Teilschließung im November letzten Jahres unter größtem Zeitdruck eine Vielzahl von Prozessen umorganisiert, um den Konstanzer Studierenden und Forschern weiterhin den bestmöglichen Benutzungsservice bieten zu können. Neben der Sanierung der belasteten Buchbereiche habe in den kommenden Jahren die Reinigung und Auslagerung der Medien für die Bibliotheksleitung höchste Priorität, um die schnellstmögliche Lieferung von Magazinbestellungen sicher zu stellen und eine Gesamtsanierung zu ermöglichen.

Zugang zu elektronischen Inhalten

Auch der Ausbau der digitalen Bibliothek und die campusinterne elektronische Dokumentlieferung sollen weiter voran getrieben werden, teilte die Uni mit. Mit der Einführung der Literatursuchmaschine KonSearch, in der etwa 100 Millionen Datensätze und Volltexte enthalten sind, konnte nach Information der Universität die Zugänglichkeit von elektronischen Inhalten bereits deutlich verbessert werden. 2010 seien weitere elektronische Selbstbedienungsdienste, wie beispielsweise die an das Bibliothekssystem angeschlossene Online-Bezahlmöglichkeit, eingeführt worden. Ebenfalls im Jahr 2010 wurde die Bibliothek vom Deutschen Bibliotheksverband und von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius zur „Bibliothek des Jahres“ gekürt.

Alle HTWG-Arbeitsplätze mit Internet-Anschluss

Die HTWG-Bibliothek hat derzeit einen Medienbestand von 86.167 Medieneinheiten, die 2011 von den 4.783 eingetragenen Lesern knapp 101.000 Mal ausgeliehen wurden. In den Bibliotheksräumen stehen 130 Arbeitsplätze zur Verfügung, alle haben einen Internetanschluss. Insgesamt konnte die Bibliothek diesmal in drei von vier BIX-Kategorien einen Platz in der Spitzengruppe belegen. Der Anteil der eBooks mit Online-Zugriff aus dem Campusnetz mache derzeit ein Viertel des klassischen Buchbestandes aus – mit stetig wachsendem Anteil. Flankiert werde das Online-Angebot durch ein differenziertes Schulungsprogramm zur Informationskompetenz, „das sehr gut nachgefragt wird“, so Bibliotheksleiter Bernd Hannemann..

Ranking seit acht Jahren

Bereits seit acht Jahren führen der Deutsche Bibliotheksverband und die Bertelsmann Stiftung den Leistungsvergleich BIX durch, der bundesweit Bibliotheken bewertet und aus 17 Leistungsindikatoren eine Rangliste erstellt. Unterstützt wird BIX von der Bertelsmann Stiftung, der Hochschule der Medien Stuttgart, infas Institut für Sozialforschung und der Zeitschrift B.I.T.-Online.

Foto: Universität Konstanz Michael Latz

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