U-AStA der Universität Konstanz fordert Mitsprache bei Uni-Erweiterung

Campus-Uni will Fläche um 120.000 Quadratmetern vergrößern – Zahl der Studierenden soll weniger stark steigen

Konstanz. In einem offener Brief an die Gemeinderatsfraktionen und Gruppierungen des Konstanzer Gemeinderats beschwert sich der U-AStA der Universität Konstanz darüber, dass die Studierenden nicht zum Thema Erweiterung der Universität gehört worden sind.

Meinungsbildung der Studenten erst in „VV“

Wie die Studierenden zur Vergrößerung der Campus-Universität im Zuge der Exzellenzinitiative stehen, müsste eine studentische Vollversammlung erst noch beschließen. Da erst vor zwei Tagen das Semester wieder begonnen habe, sei dazu noch keine Gelegenheit gewesen. Das sagte Studentenvertreter Maximilian Suffel See-Online. Am Donnerstag steht der Bebauungsplan auf der Tagesordnung des Gemeinderats.

20.000 Quadratmeter bis 2018

Ursprünglich war die Konstanzer Universität für 3000 Studenten konzipiert. Heute gibt es mehr als 10.000 Studierende an der Campusuniversität. Langfristig,bis 2060 benötigt die Universität etwa 120.000 Quadratmetern Fläche zusätzlich. In einem ersten Bauabschnitt sollen bis etwa 2018 20.000 Quadratmetern entstehen.

Hürden bei Uni-Erweiterung

Die Erweiterung ist wegen der Campuslage der Universität, die von Natur umgeben ist, nicht unproblematisch. Rücksicht nehmen muss sie Uni auf Schonwald, Brutvogelpaare, Fledermäuse, Falter und Frösche. Flora und Fauna haben eine hohe Wertigkeit. Ein weiteres Problem ist der studentische Wohnraum.

Wohnungsproblem verschärft sich

Studierende und Kommunlapolitiker fürchten eine weitere Verschlechterung der Wohnsituation. Wenn der doppelte Abiturjahrgang im Wintersemester 2012 an die Hochschulen kommt, wird sich der Wohnraummangel in den Universitäts- und Hochschulstädten noch einmal vergrößern. Auch in Konstanz, wo bis 2012 insgesamt 724 neue Studienplätze entstehen, suchen demnächst noch mehr Studenten bezahlbaren Wohnraum. Wegen des doppelten Abiturjahrgangs soll die Zahl der Studenten kurzfristig um 2000 ansteigen. Ab 2015 dürfte die Zahl der Studierenden dann wieder zurück gehen.

Kommunalpolitik für Erweiterung der Uni

Die Mehrheit des Konstanzer Gemeinderats unterstützt die Erweiterung der Universität. In der vergangenen Woche war Unikanzler Jens Apitz im Technischen und Umweltausschuss zu Gast. Er sagte, die Studentenzahlen würden nicht in dem Maße steigen wie neue Fläche entstehe. Der Grund: Die Fläche kommt der Exzellenzinitiative zugute, bei der es ausschließlich um Forschung und nicht um Lehre geht.

Studenten=Bürger wollen Beteiligung

In den offenen Brief des U-AStA heißt es: „Wir, der U-AStA der Universität Konstanz, bedauern, dass wir in unserer Funktion als Vertretung der Studierenden nicht in Fragen, die uns betreffen, von Ihren Fraktionen und der Stadtverwaltung mit einbezogen werden. Die am Donnerstag dieser Woche stattfindende Gemeinderatsabstimmung über den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan der Universität Konstanz scheint leider in unserer Wahrnehmung Ausdruck eines Desinteresses an studentischer Perspektive zu sein.“

Sorge um „ Akzeptanz“ von Beschlüssen

Wörtlich heißt es: „Bedenken Sie, wir sind letztendlich – viel mehr als das Rektorat und die Universitätsverwaltung – die Leidtragenden Ihrer Entscheidungen.“ Ein verfahrensmäßig korrekt getroffener Beschluss bringe nicht zwangsweise eine demokratische Akzeptanz mit sich, wie sich in vielen aktuellen politischen Prozessen gezeigt habe. „Besonders Sie, als gewählte Vertreter der Konstanzer Bürgerschaft, tragen große Verantwortung in Ihren Entscheidungen.“ In der Konstanzer Bürgerschaft stellten die Studierenden einen „nicht unerheblichen Anteil“ dar.

Nicht nur mit dem Rektor sprechen

Insbesondere bei Entscheidungen, die die Universität betreffen, reiche daher eine Abstimmung nur mit dem Rektorat nicht aus. In den Meinungsbildungsprozessen sollte ebenso die Perspektive der Studierenden einfließen. „Daher stehen wir Ihnen als Vertretung der Studierenden der Universität Konstanz gerne bei weiteren Fragen zur Verfügung. Wir würden uns freuen, wenn Sie in Zukunft einen intensiveren Dialog mit uns suchen. Wir freuen uns über jede Nachfrage bei hochschulpolitischen Themen im Gemeinderat“, schreibt der U-AStA.

Standpunkt der Studenten noch unklar

Maximilian Suffel vom U-AStA sagte, die AStA-Mitglieder könnten sich inhaltlich nur als Einzelpersonen äußern. Die Hauptsorge der Studierenden ist anscheinend die Frage des bezahlbaren Wohnraums. Nicht klar ist, wie die Mehrheit der Studierenden zur Erweiterung der Uni für die Exzellenzinitiative steht. Die Exzellenzinitiative macht die Konstanzer Universität zwar zur Eliteuniversität. Maximilian Suffel sagte zum Beispiel aber, dass die Gebäude, die mit Geld für die Exzellenzinitiative gebaut werden, aus dem Unietat unterhalten werden müssten.

Neue Studentenwohnungen in Konstanz

Entspannung auf dem studentischen Wohnungsmarkt erhoffen sich die Kommunalpolitikern von neuen Studentenwohnungen. Am Bahnhof Petershausen entstehen in Gebäuden von Wobak und Spar- und Bauverein 110 plus 50 Bettplätze, die zehn Jahre lang dem Studentenwerk Seezeit überlassen werden. Im Chérisy-Areal möchte ein Investor 300 Bettplätze entwickelt. Im Sonnenbühl soll es 329 und bis 2013 weitere 119 geben. Beim Studentenwerk Seezeit gebe es aber noch Finanzierungsprobleme, so die Aussage der Stadt. Ein „Go“ gebe es noch nicht. In der Bücklestraße sollen 80 Bettplätze hinzu kommen. Von 2015 an gingen die Studentenzahlen wieder zurück. Alexander Fecker (CDU) sagte im Technischen und Unmweltausschuss in der vergangenen Woche: „Gut, dass Privatunternehmen einsteigen.“ Jürgen Ruff (SPD) lobte, dass es zu keiner Gettobildung komme.

Forschungs- und Lehrgebäude benötigt

Der TUA befasst sich in der Sitzung in der vergangenen Woche außer mit dem studentischen Wohnen auch mit der Änderung des Bebauungsplans „Universität Konstanz. Der bisherige rechtsverbindliche Bebauungsplan stammt von 1969 und soll nun fortgeschrieben werden, weil die Universität Konstanz zur Standort- und Qualitätssicherung im Zuge der Exzellenzinitiative eine zusätzliche Erweiterung der Forschungs- und Lehrgebäude benötige.

Entwicklungsmöglichkeiten der Uni sichern

Langfristig sei bis 2060 von einem zusätzlichen Bedarf von zirka 120.000 Quadratmetern Fläche auszugehen. Die Realisierung solle in drei Bauabschnitte gegliedert werden: der erste Bauabschnitt mit etwa 20.000 Quadratmetern soll bis etwa 2018 realisiert werden, der zweite Bauabschnitt mit zirka 40.000 Quadratmetern bis etwa 2030 und der dritte Bauabschnitt mit ca. 60.000 Quadratmetern bis etwa 2060. Der erste Bauabschnitt sieht die Realisierung eines Naturwissenschaftlichen Zukunftskollegs (3.000 Quadratmeter), einen Neubau für die Ornithologie (12.000 Quadratmeter), die Erweiterung des Fachbereichs Sozialwissenschaften (2.000 Quadratmeter) sowie Räume für die Verwaltung vor. Diese Fortschreibung des Bebauungsplans soll – ähnlich wie im bestehenden Bebauungsplan – die kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten der Universität sichern und gewährleisten.

Foto: Ralf Metzger Uni Konstanz

2 Kommentare to “U-AStA der Universität Konstanz fordert Mitsprache bei Uni-Erweiterung”

  1. Bolle Knallquist
    13. April 2011 at 14:32 #

    Der Asta. „in unserer Funktion als Vertretung der Studierenden“ Wie süß. Wie hoch ist die Wahlbeteiligung unter den Studenten für ihr „Parlament“? 4 Prozent? Oder doch vielleicht ganze 5 Prozent? Wenn jemand als allerletzter gefragt wird, wie eine Unierweiterung aussehen soll, dann doch sicherlich die Studenten, die in ein paar Jahren eh wieder weg sind. Außerdem bezweifele ich stark, daß jemand im zweiten Semester Politikwissenschaft irgendetwas ähnliches wie Kompetenz besitzt, um hier mitzureden. Da fragt man erst einmal die Bürger dieser Stadt. Aber nicht irgendwelche dahergelaufenen Astafuzziers. Und wann hört man endlich auf, sich um Falter und Frösche zu kümmern? Die können ja ein paar Meter weghüpfen, wenn der Bagger kommt. Wenn die nur ein bisschen pfiffiger sind, als der gesamte Asta zusammen, tun die das auch. Erst der Falter, dann der Mensch? Ökoterror ist das.

  2. dk
    13. April 2011 at 15:42 #

    … Die Erweiterung ist wegen der Campuslage der Universität, die von Natur umgeben ist, nicht unproblematisch. …

    Als „Hürden“ werden „Flora und Fauna“ und eine Reihe von Tierarten genannt. Vergessen wird der Mensch: Spaziergänger mit/ohne Hund, viele Rentner, Freizeitsportler zu Fuss und per Fahrrad inkl. die Reitschulen und Sommer-Touristen, die den Schatten des Schwaketen- und Uniwaldes zu schätzen wissen.
    Falls der Raum zwischen Uni/Egg, Müllhalde und Litzelstetten bebaut wird, dürfte man sich fragen, was der Unterschied zwischen einem Wald und einer Ansammlung von Bäumen ist.

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