Überlingen und Friedrichshafen planen Stadtwerke Bodensee

Stadtwerke Bodensee noch in Gründung – Offen auch für andere Kommunen

Überlingen/Friedrichshafen/Konstanz. Die Städte Friedrichshafen und Überlingen planen die Neugründung der Stadtwerke Bodensee. Die Stadtwerke sollen eine hundertprozentige Tochter der beiden größten Städte im Bodenseekreis sein. Das haben Oberbürgermeister Andreas Brand und Oberbürgermeisterin Sabine Becker zwei Tage vor Heiligabend bei einem Mediengespräch in Überlingen erklärt. Die Technischen Werke Friedrichshafen (TWF) und die Stadtwerke Überlingen (SWÜ) begegnen sich, wie die beiden Oberbürgermeister sagten, auf Augenhöhe. Zusammen gehen wollten die beiden erfolgreichen Stadtwerke aus einer „Situation der Stärke“ heraus. Beide sagten, sie seien offen für weitere Partner. Die Stadtwerke Konstanz seien über die Gespräche informiert gewesen. Der Friedrichshafener OB Brand sagte: „Konstanz kennt unsere Geschäftsadresse“. Weiter sagte er in Richtung Konstanz, eine Partnerschaft müsse gewollt sein. „Nicht wie beim Klinikum“, so der Friedrichshafener Oberbürgermeister. 

Stadtwerke Bodensee an zwei Standorten

Sitz der neuen Gesellschaft werde Überlingen und der Verwaltungssitz in Friedrichshafen sein. Ein Geschäftsführer arbeitet in Zukunft in Friedrichshafen und einer in Überlingen. Wie die Kompetenzen auf die Standorte verteilt werden, steht dagegen noch nicht fest. Einig sind sich die Oberbürgermeister aber bereits in einer Personalfrage: Alfred Müllner, Vorsitzender der Geschäftsleitung der TWF, und Klaus Eder, Geschäftsführer der SWÜ, sollen zusammen die neue Gesellschaft führen. Die neue Gesellschaft wolle in beiden Städten Präsenz zeigen. Sabine Becker sprach von „Standortgerechtigkeit“.

Gewerbesteuer richtet sich nach Beteiligungsquote

Die Gewerbesteuer der neuen hundertprozentigen Tochter der Städte Friedrichshafen und Überlingen soll entsprechend der Beteiligungsquote aufgeteilt werden. Der Überlinger Anteil beträgt voraussichtlich 25,1 Prozent und Friedrichshafener Anteil 74, 9 Prozent. Die Verteilung hängt noch von der Unternehmensbewertung ab. Der Überlinger Anteil könnte noch etwas größer werden – keinesfalls wird er aber kleiner als die Sperrminorität von 25,1 Prozent sein. Das sagte Oberbürgermeisterin Sabine Becker.

Aufsichtsratsvorsitz wechselt

Den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen abwechselnd und für jeweils zwei Jahre der Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand und Überlingens Oberbürgermeisterin Sabine Becker. Erste Aufsichtsratsvorsitzende wird die Überlinger Oberbürgermeisterin. Bis 2014 soll der Aufsichtsrat noch aus den bisherigen 11 Aufsichtsräten aus Überlingen und den 14 aus Friedrichshafen, also aus insgesamt 25 Aufsichtsräten, bestehen. Die Zielgröße nach der Kommunalwahl ab 2014 seien dann 18 Aufsichtsräte. Das sagte Oberbürgermeister Andreas Brand.

Die Marke am Bodensee

Die beiden bisherigen Stadtwerke, die TWF und die SWÜ, erwirtschaften zusammen aktuell einen Umsatz von 200 Millionen Euro. Die neuen Stadtwerke Bodensee möchten ein attraktiver Arbeitgeber auch für Fachkräfte sein. Mit einem sympathischen Image wollen die neuen Stadtwerke in der Erfolgsspur bleiben. Sie Stadtwerke Bodensee möchten „die Marke“ im Bereich Bodensee, Oberschwaben und darüber hinaus werden, sagte Oberbürgermeister Andreas Brand. Die neuen Stadtwerke wollten sich nicht auf das nördliche Bodenseeufer beschränken. „Wir wollen wachsen“, sagte Andreas Brand.

Gesellschaftsvertrag noch nicht unterschrieben

Noch befinden sich die neuen Stadtwerke im Projektstatus. Oberbürgermeisterin Sabine Becker sagte, Ziel sei es, im Juni oder Juli 2012 einen zeichnungsreifen Gesellschaftsvertrag vorliegen zu haben, so dass die Stadtwerke Bodensee rückwirkend zum 1. Januar 2012 gegründet werden könnten. Alle Arbeitnehmer, die bisher bei den TWF oder den SWÜ beschäftigt sind, sollen in die neue Gesellschaft übernommen werden.

Innovative Stadtwerke im Land

Zusammenschließen wollten sich die Stadtwerke nicht, um die größten zu werden, sondern um gemeinsam die besten zu sein. Ziel sei es, das wettbewerbsfähigste Angebot zu machen. Die beiden bisherigen Stadtwerke ergänzen sich nach Angaben der Geschäftsführer sehr gut. Beide beschäftigen sich mit regenerative Energien, dezentraler Energieversorgung und haben Kompetenzen im Bereich Datenverkehr. Müllner sagte, beide Stadtwerke gehörten zu den Marktführer in Baden-Württemberg. Wenn es um den Innovationsgrad gehe, liegen im Land nach Aussage Müllners beide Stadtwerke vorn.

Stadtwerke Bodensee offen für Partner

Sabine Becker sagte, es habe in der Vergangenheit auch Gespräche mit der EnBW über einen Kauf oder eine Kooperation gegeben. Das passte aber damals nicht. Die Neugründung der Stadtwerke Bodensee sei auch nicht mit dem noch in der Amtszeit ihres Vorvorgängers angedachten Verkauf der SWÜ an die Thüga vergleichbar. Sowohl Oberbürgermeister Brand wie auch Oberbürgermeisterin Becker sprachen von einer Offenheit für weitere Partner. Wer sich anschließen möchte, sei willkommen. Beim Mediengespräch mit am Tisch saß nicht ganz zufällig der Hagnauer Bürgermeister Simon Blümcke. In Hagnau gibt es ein Gemeindewerk. Sie seien bereit, andere Städte und Gemeinden perspektivisch direkt oder indirekt zu beteiligen, sagten Brand und Becker.

Anstoß kam aus Überlingen

Oberbürgermeister Andreas Brand sagte, mit Oberbürgermeisterin Sabine Becker habe er über Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesprochen. Die Initiative sei zunächst von der Überlinger Oberbürgermeisterin ausgegangen. Sehr zügig hätten sich beide Partner auf eine konkrete Vorgehensweise geeinigt. Die Gemeinde- und Aufsichtsräte sowie die leitenden Mitarbeiter, die sich in Arbeitsgruppen trafen, waren eingebunden. Zwei starke Stadtwerke planen nun, gemeinsam ein neues zu gründen.

Hart in der Sache, fair im Ton

Untersucht worden seien vier Felder: Chancen und Risiken einer gemeinsamen Netzgesellschaft, einer Vertriebsgesellschaft und Zusammenarbeit beim Messen und Abrechnen. Analysiert haben die künftigen Partner bei ihren Gesprächen auch, was passieren würde, wenn die Stadtwerke ganz zusammengingen. So sagte es Andreas Brand. Diese Möglichleit habe sich als die beste erwiesen. Die Partner hätten hart in der Sache aber fair im Ton miteinander verhandelt, so Brand. Am Dienstag vor Weihnachten hätten dann beide Aufsichtsräte einstimmig für die Gründung der Stadtwerke Bodensee gestimmt.

Foto: wak

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.