Überlinger Grüne für Windkraft-Standorte in der Region

Überlinger Grüne halten Resolutionen gegen Windkraft für unverständlich – Partei lädt zur Besichtigungstour in den Schwarzwald

Bodenseekreis/Überlingen. Die grün-rote Landesregierung hat den Weg für mehr Windkraft-Standorte frei gemacht und das Landesplanungsgesetzes im Mai 2012 geändert. Kommunen können ab dem 1. Januar 2013 deswegen nur noch Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausweisen. Deswegen müssen Städte und Gemeinden nun ihre Flächennutzungpläne entsprechend ändern oder fortschreiben. Verzichtet eine Stadt darauf, kann ein Investor in Zukunft an einem beliebigen Standort in der Stadt eine Windkraftanlage planen. Der Überlinger Gemeinderat lehnte in einer Stellungnahme an den Regionalverband zuletzt den möglichen Bau von Windkraftanlagen am Standort Hochbühl bei Nesselwangen strikt ab. Die Gemeinderäte begründen dies mit der besonderen landschaftlichen Bedeutung, der Sensibilität und dem Landschaftsbild. Die Änderung der Flächennutzungsplan haben sie aber empfohlen. Die Grünen fragen nun: „Gemeinderäte als Don Quijotes?“

Windkraft als regionaler Beitrag zur Energiewende

In der Verwaltungsgemeinschaft Sipplingen, Owingen, Überlingen steht demnächst die konkrete Entscheidung zur Aufstellung der Teilfortschreibung Windenergie des Flächennutzungsplanes an, heißt es in einer Mitteilung des Ortsverbands  Überlingen von Bündnis90/Die Grünen. Dazu erhoffe sich der grüne Ortsverband ein deutliches „Ja“ aus dem Rat, heißt es weiter. Die Kommunen dürften keine Verhinderungsplanung zu Windkraftanlagen aufstellen, betont auch die grüne Fraktion des Regionalverbandes.

Werner Schrader besorgt

Werner Schrader, Vorsitzender des Ortsverbandes, macht sich Sorgen um die Energiewende, viel zu zögerlich seien die Politiker, „Erneuerbare Energie ja, aber nicht bei uns“ sei in letzter Zeit viel zu oft zu hören gewesen. Aus dem einhellig beschlossenen Atomausstieg und den unabsehbaren Klimafolgen der fossilen Energiequellen ergibt sich zwingend eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe für alternative Energieversorgung, so Schrader. Die Grünen vertreten die Thesen: die fossilen Energieträger gehen zur Neige und werden immer teurer, Sonne und Wind sind gratis und können nicht verbraucht werden. Nur Strom aus erneuerbaren Energien hat eine Zukunft und ist bezahlbar. Eine verbrauchernahe Stromerzeugung benötigt weniger Hochspannungsleitungen und hält die Wertschöpfung in der Region bei lokalen Stromerzeugern wie den Stadtwerken.

 Bürgerwind will Bürger beteiligen

Bürger könnten und wollten die Energiewende selbst in die Hand nehmen und sind sogar bereit, eigenes Kapital zu investieren, stellt Tim Günther fest, der mit anderen die Initiative Bürgerwind vor einigen Monaten am Fukushima-Jahrestag gründete. Schon rund 60 Adressen von Interessenten für Windenergiebeteiligung wurden gesammelt, heißt es in der Mitteilung der Grünen. Die Initiative werde zusammen mit der Windkraftgesellschaft Bodensee Oberschwaben ( WKBO) arbeiten, die speziell für den Bau der Windkraftanlagen in der Region von Stadtwerken und Gemeinden gegründet wurde.

Grüne lehnen Resolutionen gegen Windkraft ab

Unverständlich erscheinen den Grünen die derzeit in vielen Gemeinden verabschiedeten Resolutionen gegen den Bau von Windkraftanlagen wegen Landschaftsschutz. Allerdings hatten auch in Überlingen Mitglieder der Fraktion der LBU zuletzt für die entsprechende Resolution gestimmt und vehement mit dem Wert der Landschaft argumentiert. Der Regionalverband, in dem Mitglieder aller Fraktionen vertreten sind, habe die Vorrangflächen ausgewiesen und sorgfältig abgewogen. Die Kommunale Bauleitplanung liege im Rechtsstand niedriger als der Regionalplan und dürfe somit diesem nicht widersprechen, wie ein aktuelles Gerichtsurteil aus dem Landkreis Sigmaringen gezeigt habe.

Nicht wie Don Quijote kämpfen

Letztlich werden die Gemeinderäte nicht kämpfen wie Don Quijote gegen Windmühlenflügel, sondern verantwortungsvoll abstimmen, erwartet der grüne Ortsverband, der alles tun will, um noch mehr Information zu Windenergie zugänglich zu machen.

Termine & Infos

Der Überlinger Ortsverband der Grünen zu einer Besichtigungsfahrt der Firma Solarcomplex am Samstag, dem 17. November,  zu einer modernen Windkraftanlage in St. Georgen im Schwarzwald ein (Anmeldung unter 07551-915900).

Interessierte Bürger, die selbst in Windräder investieren wollen und sich für die Arbeit von Bürgerwind oder andere Beteiligungsmodelle interessieren,  treffen sich am Dienstag, 20. November,  um 19.30 im Umweltzentrum Grüne Turbine, Mühlenstarasse 4, in Überlingen um sich über Ziele und Vorgehensweise auszutauschen.

3 Kommentare to “Überlinger Grüne für Windkraft-Standorte in der Region”

  1. eikju
    4. November 2012 at 18:03 #

    Der Nutzungsgrad von Windkraft in hiesigen Bereichen scheint mir noch sehr spekulativ. Wenn permanent am Bodensee Wind herrschte, könnte praktisch Tag und Nacht gesegelt werden. Davon ist die Realität aber weit entfernt, das Kosten-/Nutzen-Ver
    hältnis scheint also so miserabel zu sein, daß man es vornehm verschweigt.
    Liebe Grüne, legt doch mal Eure Zahlen auf den Tisch, damit man sich mit Euch endlich konkret unterhalten kann.

  2. Harry
    5. November 2012 at 13:51 #

    Hallo „eikju“, vielleicht hast du es noch nicht mitbekommen, aber wir leben in einer freien Marktwirtschaft.
    D.h. sollten sich die Windkraftanlagen nicht lohnen, dann ist keine Firma bereit die Dinger zu finanzieren.
    Aber – wenn sich die WKA echt nicht lohnen, dann sind die über Nacht wieder abgebaut, dass ist der Unterschied zum Atomkraftwerk, dass nennt man Nachhaltigkeit.
    Übrigens die Energiewende wurde von der CDU/FDP Regierung beschlossen, vielleicht ging das ja an dir vorbei.
    Dein Kommentar bezeugt nur, dass du zu den Ewig-Gestrigen gehörst mit denen unsere Kinder sicher nicht mehr einverstanden sein werden.

  3. Fafnir
    5. November 2012 at 18:41 #

    Windräder „lohnen“ nur, weil sie planwirtschaftlich gefördert werden. Das ist Energiesozialismus. Freie Marktwirtschaft geht anders. Auch sind Windräder nicht in der Lage, den Energieverbrauch einer Industrienation stabil zu sichern. Aber abgesehen davon spricht Ihr Kommentar Bände: Sie beschimpfen jemanden, der Ihre seltsame Ideologie in Frage stellt, als „ewig gestrig“. Grün halt.

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