Über Bodensee rasende Motorboote verletzten angeblich Jungfische

Grüner Konstanzer Abgeordneter will Fahrgastschiffe auf Bodensee ausbremsen – Siegfried Lehmann beruft sich auf Fischer

Siegfried Lehmann stellt Bootsfahrer an PrangerKonstanz. Der Grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann ist empört, weil Fahrgastschiffe auf dem Bodensee in der vergangenen Saison zu schnell unterwegs waren. Lehmann behauptet weiter, Schiffsschrauben von Motorbooten würden regelrechte ein Massaker unter Jungfischen anrichten. Der Politiker beruft sich auf Aussagen von Fischern. Er will mehr Tempokontrollen und höhere Verwarnungsgelder auf dem See.

Fahrgastschiffe nur Teil des Problems

Regelmäßige Geschwindigkeitsüberschreitungen der Fahrgastschiffe auf dem Untersee führen nach Untersuchungen der Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) e.V. zu erheblichen Schäden am Bodenseeufer. Auf Anfrage des Grünen Landtagsabgeordneten Siegfried Lehmann räumt die Landesregierung die Erosionsschäden ein – beabsichtiged jedoch nicht, das Verwarnungsverfahren bei Geschwindigkeitsüberschreitungen zu ändern. „Eine Überprüfung hat ergeben, dass die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein den Fahrplan gar nicht einhalten kann, wenn die Geschwindigkeit auf der Strecke zwischen Ermatingen und Konstanz eingehalten wird“, zeigt sich der Grüne Abgeordnete empört.

Raserei für Skipper fast ohne Folgen

Regelmäßige Geschwindigkeitsüberschreitungen auf dem Bodensee stromaufwärts verursachen laut Untersuchungen der Arbeitsgruppe Bodenseeufer e.V. erhebliche Erosionsschäden im Uferbereich. Insbesondere im westlichen Abschnitt des Seerheins mit dem Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried seien bereits heute Erosionskanten am Ufer von bis zu einem Meter zu beobachten. Der Konstanzer Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann hat daher einen Antrag eingereicht, in dem er die Landesregierung auffordert, häufiger Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen und Überschreitungen strenger zu ahnden sowie die entsprechenden Bußgelder zu erhöhen. Die heutige Regelung sehe vor, dass erst ab einer Überschreitung von 50 Prozent der zugelassenen Geschwindigkeit die Tempoüberschreitung überhaupt geahndet werde. Bei zugelassenen 10 km/h stromaufwärts bedeute dies, dass erst ab 15 km/h überhaupt ein Verwarnungsgeld in Höhe von 10 Euro zu zahlen sei. Eine Ordnungswidrigkeitsanzeige gebe es sogar erst ab 25km/, so der Grüne Abgeordnete. „Man muss sich mal vorstellen, was die Umsetzung dieser Regelung im Straßenverkehr bedeuten würde: Wer innerorts mit 120 km/h erwischt würde, müsste lediglich 10 Euro bezahlen!“

Lehmann fordert Check des Linienschifffsfahrplans

Empört ist Lehmann auch über die Tatsache, dass die Schifffahrtsgesellschaft Untersee Rhein ihren Fahrplan bisher von vornherein mit Geschwindigkeitsüberschreitungen kalkuliere. „Eine Überprüfung des Fahrplans durch das Schweizerische Bundesamt für Verkehr hat ergeben, dass der bestehende Fahrplan bei einer Einhaltung der vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen gar nicht eingehalten werden kann.“ Lehmann fordert, dass der Fahrplan der kommenden Saison frühzeitig auf eine Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung überprüft und überarbeitet wird.

Angeblich ein Fünftel aller Hechte durch Boote verletzt

Offenbar bedroht Raserei auf dem See auch die Fische. Fischer beklagten ein Sterben und massive Verletzungen von Fischen im Bodensee durch überhöhte Geschwindigkeiten von Motorbooten und Wasserskifahrern. „Gerade Jungfischschwärme können den rasenden Booten nicht rechtzeitig ausweichen und werden daher zermalmt. Fischer geben an, dass etwa ein Fünftel der gefangenen Hechte durch Schiffschrauben am Rückenverletzt werden.“, sagte Lehmann.

Verwarnungspraxis ein internationales Problem

Er fordert daher eine häufige und strenge Kontrolle der Geschwindigkeiten auf dem Bodensee. „Das Vollzugsdefizit muss zwingend abgebaut und häufiger kontrolliert werden. Es muss aber auch strikter gegen Geschwindigkeitsverstöße vorgegangen werden. Entgegen der Haltung der Landesregierung, welche bei der Verwarnungspraxis grundsätzlich keinen Anlass zur Änderung sehe, beauftragte der Umweltausschuss Umweltministerin Gönner, die Problematik bei der Internationalen Gewässerschutzkommission zur Sprache bringen. „Ich hoffe, dass dort die Einsicht vorhanden ist, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht“, so der Konstanzer Abgeordnete Lehmann.

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