Uferweg am Konstanzer Seerhein erst im 21. Jahrhundert

Bürgerinitiativen kämpfen für freie Seezugänge am Griebnitzsee und Groß-Glienicker See

Konstanz (wak) Die Brandenburger SPD ist in Konstanz auf der Suche nach dem Buch des Gewerkschafters und ehemaligen Stadtrats Erwin Reisacher. Die Brandenburger interessieren sich für das Kapitel „Steinige Wege am See“, in dem der verstorbene Autor eine Wanderung am Ufer des Bodensees entlang über Konstanzer Privatgrundstücke am 1. Mai 1975 beschrieben hat. „In Potsdam gibt’s jetzt ja eine vergleichbare Situation“, mailte Birgit Gorholt vom SPD Landesverband aus Potsdam. Während der freie Seezugang in Konstanz für die Konstanzer längst eine Selbstverständlichkeit ist, kämpfen am Griebnitzsee und Groß-Glienicker See Bürgerinitiativen erst noch um einen durchgängigen Seeuferweg. Sie wollten nicht zum „Stürmen“ aufrufen, schreibt die SPD-Frau Gorholt. Wie es die Konstanzer damals machten, würde sie aber doch interessieren. Doch auch in Konstanz ist der freie Zugang zum Ufer am 1. Mai 2010 noch nicht überall Realität: Der freie Zugang zum Seerhein ist im rechtsrheinischen Konstanz ein Thema des 21. Jahrhunderts.

Die legendäre Konstanzer Maiwanderung

Offenbar ist das Buch Reisachers vergriffen. Auch die Konstnazer SPD besitzt kein Exemplar des Buches und konnte deswegen den Potsdamern auch nur berichten wie die Konstanzer in den 70-er Jahren nach einer Mai-Kundgebung zu einem „spontanen“ Spaziergang aufbrachen, der am Bodenseeufer auch durch private Seegrundstücke führte. Dabei kam es zu heftigen verbalen Auseinandersetzungen, zum Beispiel mit dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Industrie Hans-Constantin Paulssen. Die Demonstration hatte damals auch ein gerichtliches Nachspiel.

Glücksfall öffentliche Kanalisation

Voran ging es mit dem Seeuferweg aufgrund des Anschluss- und Benutzungszwangs für die öffentliche Kanalisation. Das passierte, in der Zeit, in der Ralf-Joachim Fischer (SPD) von 1982 bis 1997 Baubürgermeister war. Die Seegrundstücke waren damals noch nicht an das Abwassernetz angeschlossen. Um dies zu erreichen, baute die Stadt am Seeufer sogeannte Ufersammler. Vor den betroffenen Grundstücken wurde am Seeuferweg neues Gelände aufgeschüttet. Verwaltungsgerichtichen Verfahren hat die Stadt Konstanz gewonnen. So konnte am Bodenseeufer auf eine Enteignung von Privatgärten verzichtet werden. Entlang des Seerheins ging es aber auch in Konstanz mit dem freien Seezugang erst vorwärts, als die Industriebrachen zu Arealen Wohnungsbau und Gewerbeflächen wurden. Bis die Konstanzer auch vom Herosé-Park bis zum Stromeyersdorf am Seerhein entlang spazieren und Radfahren können, wird es aber noch dauern.

Gericht sagt Zäune müssen weg

Dass die Potsdamer am Maifeiertag über Zäune klettern stand nicht zu befürchten. In Brandenburg ging es zuletzt wieder ein Stück voran, als das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Klagen von vier Anrainern des Südufers gegen die Stadt Potsdam zurückgewiesen hat. Vor etwa einem Jahr hatten die Anwoner dort mit Zäunen bis zum Seeufer den Weg auf ihren Privatgrundstücken gesperrt. Vor wenigen Wochen stellte das Gericht nun fest, dass Zäune dem Bebauungsplan für das Ufergelände und der Landschaftsschutzverordnung widersprechen. Deshalb müssen die Zäune weg. Das Urteil betrifft aber nicht Hecken. Es gibt eine „Bürgerinitiative für einen freien Seezugang“. Selbst Befürworter tun sich in der ehemaligen DDR aber mit einer Enteignung der Grundstücke schwer. Es geht in Brandenburg wie damals in Konstanz um mehrere Kilometer Uferweg.

Zu finden sei dürfte Reisachers Buch möglicherweise noch im Antiquariat zum Beispiel hier:

http://www.booklooker.de/app/detail.php?id=580356264&setMediaType=0.

Mehr über den Marsch durch Konstanzer Privatgärten:

http://www.aktuelles-bodensee.de/2010/04/30/marsch-durch-die-konstanzer-villengarten/

Ein Kommentar to “Uferweg am Konstanzer Seerhein erst im 21. Jahrhundert”

  1. dk
    2. Mai 2010 at 19:20 #

    Nach dem Vorbild der Pfahlbauten in Unteruhldingen (nähe Überlingen) könnte man die betreffenden Grundstücke „über dem Wasser umgehen“, d.h. den Weg über dem Wasser auf Pfählen bauen.
    Das Problem dürften eher Anlegestege der Grundstücke sein, damit diese weiterhin den See mit dem Boot nutzen können.

    Die Brücke zwischen Dänemark und Schweden ist sehr lang; im fernen Osten werden auch hier völlig neue Masstäbe gesetzt.
    Falls die Landeshauptstadt Potsdam kein Leuchtturm-Projekt aber einen „architektonischen Hingucker“ braucht, …

    ———————————-
    @ …Selbst Befürworter tun sich in der ehemaligen DDR aber mit einer Enteignung der Grundstücke schwer. …

    Man erfreue sich der kleinen Unterschiede:

    man hatte als West-Student in einem Ostharzer Bücherlande eine sehr sympathische Kollegin aus Braunschweig an der Kasse hinter einem stehend etwas schockiert, als man kurz die Kassiererin ganz selbstverständlich fragte, ob sie nicht ein altes DDR-Buch über die Planwirtschaft für einen West-Studenten hätten, weil man Kostenrechnung und Controlling studiert und man noch vieles lernen könnte.

    Sehr freundlich und noch sachlicher antwortete diese, dass man nur Bücher aus den derzeitig gültigen Katalogen hätte. Beim Gesichtsausdruck der Mit-Studentin ging die Wiedersehensfreude kurzfristig etwas verloren.

    Da ich jedes Semester einige Bücher als Erinnerungsstücke gekauft habe (auch auf Bestellung), erinnerte sich die (ältere) Verkauferin mit der Zeit an meinen Namen. Nur einmal hatte ich im Winter eine Mütze auf und der Wiedererkennungswert war zu gering.

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