Unesco-Welterbe „Pfahlbauten“ ist fragil

pfahlbautenhornstaadhausBodenseekreis/Konstanz. Das Unesco-Welterbe „Pfahlbauten“ ist fragil. Am Bodensee und Zürichsee beschädigen Wellen die Reste der Pfahlbauten. Werden die archäologischen Fundstätten abgeschwemmt, sind alle darin bewahrten, jahrtausende alten Lebenszeugnisse und Informationen unwiederbringlich verloren, warnt das Regierungspräsidium Tübingen.

Unauffälliges Welterbe

Obwohl die stein- und bronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen des Alpenvorlandes von Natur aus höchst unauffällig sind – im günstigen Fall liegen sie geschützt und unsichtbar von Seesedimenten bedeckt oder im Moor verborgen – zählen sie seit 2011 zu den UNESCO-Welterbestätten.

Für Nachwelt erhalten

Der Grund hierfür sind ihre weltweit einzigartigen Erhaltungsbedingungen. Jahrtausende alte Holzwerkzeuge, Schuhe, Textilien, Nahrungsvorräte, ja ganze Dorfanlagen blieben hier unter Luftabschluss konserviert.

900 Pfahlbaufundstellen

Insgesamt sind 900 Pfahlbaufundstellen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Slowenien registriert, 111 davon wurden als Welterbestätten ausgewählt. Mit Hilfe sorgfältiger archäologischer Methoden und zahlreicher naturwissenschaftlicher Spezialdisziplinen lassen sich vielfältige Informationen über die Lebens- und Umweltbedingungen des 5. bis 1. Jahrtausends v. Chr. gewinnen.

Problem Erosion

Doch das Welterbe ist äußerst fragil. Am Bodensee und Zürichsee setzen ihm die zunehmende Nutzung und Bebauung der Seeufer, Umweltveränderungen, Schiffsverkehr und vor allem die damit einhergehende Erosion stark zu.

Zerstörung von Lebenszeugnissen

Werden die archäologischen Fundstätten abgeschwemmt, sind alle darin bewahrten, jahrtausende alten Lebenszeugnisse und Informationen unwiederbringlich verloren. Die Verantwortlichen seien daher schon seit langem mit der Frage konfrontiert, wie die Pfahlbausiedlungen geschützt werden können und wie solcher Schutz unter Wasser überhaupt zu gestalten sind, um langfristig wirksam, ökologisch verträglich und effizient zu sein.

Wissenschaftliche Arbeit

Um die Zerstörungsmechanismen näher zu ergründen und Zukunftsperspektiven für die Unterwasserdenkmäler zu entwickeln, wurde am Bodensee und Zürichsee ein fach- und länderübergreifendes Projekt auf den Weg gebracht. Mit Hilfe von Fördermitteln der Europäischen Union und Schweizer Kantonen konnte es im Rahmen des Interreg IV-Programms „Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein“ von 2008 bis 2011 verwirklicht werden.

Präsentation an Uni Konstanz

Die Ergebnisse des interdisziplinären Pilotprojektes sind jetzt in einer Fachpublikation zusammengefasst. Das Buch wurde nun in der Universität Konstanz vorgestellt. Zur Buchvorstellung sind Experten aus Wissenschaft, archäologischer Denkmalpflege und Verantwortliche aus der Politik an der Universität Konstanz zusammengekommen.

Forderungskatalog

Wie Claus Wolf, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württembergs sagte, sind mit dem UNESCO-Welterbetitel konkrete Anforderungen zum Schutz der Fundstätten verbunden. Die beteiligten Vertragsstaaten rund um die Alpen haben sich mit der Ratifizierung der Welterbekonvention verpflichtet, für den Erhalt der Welterbestätten für nachfolgende Generationen zu sorgen.

Interreg IV-Projekt

Mit dem Interreg IV-Projekt konnten eine Reihe von Problemen angegangen werden. Helmut Schlichtherle, führender Fachmann für Feuchtbodenarchäologie in Baden-Württemberg und Hansjörg Brem, Kantonsarchäologe im Thurgau zeigten, welche Methoden des Erosionsschutzes und des Monitorings der Fundstätten erprobt und weiter entwickelt wurden. Gerd Schröder vom Institut für Seenforschung in Langenargen und Karl-Otto Rothhaupt von Limnologischen Institut der Universität Konstanz gaben einen Überblick über limnologische und seenphysikalische Forschungen zu den Ursachen der Erosion.

Tempolimits gefordert

Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Schiffswellen erheblich zur Zerstörung der Pfahlbausiedlungen beitragen. Ihr Einfluss könnte aber minimiert werden, etwa durch Geschwindigkeitsbeschränkungen an sensiblen Bereichen oder durch Uferrenaturierungen, um die Angriffsfläche zu reduzieren.

Über den Managementplan

Mit Gerhard Grabher vom vorarlberg museum hat ein Experte für lebendige Kulturvermittlung die Drucklegung der Ergebnisse übernommen. Er übergab das frisch gedruckte Kompendium der Öffentlichkeit. Für die Erfüllung des Managementplanes zum neuen UNESCO-Welterbe „Pfahlbauten“ beinhaltet es wichtige Grundlagen. Die Regierungsrätin des Thurgaus Monika Knill und Joel Keller von der Netzwerkstelle Ostschweiz zeigten sich mit dem Engagement und den Ergebnissen des bis heute größten wissenschaftlichen Kooperationsprojekts am Bodensee und Zürichsee zufrieden.

Foto: Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Ein Kommentar to “Unesco-Welterbe „Pfahlbauten“ ist fragil”

  1. Fafnir
    12. Juli 2013 at 08:01 #

    Alarm! Die alten Pfahlbauten und künftige Generationen sind natürlich wichtiger, als der rezente Homo Sapiens. Schuld am Verschwinden der alten Uferhütten sind wie immer die Menschen, die größte Plage des Planeten. Mit seiner Bebauung, den Umweltveränderungen, an denen er selbstverständlich alleine Schuld ist, und seinem Schiffsverkehr. Es ist wie immer fünf vor 12, bald ist alles weg. Da helfen nur noch möglichst viele Steuergelder für die beteiligten Institute. Und natürlich sofort Verbote: Schiffsverkehr verbieten. Bebauung verbieten. Ufer sperren.

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