Universität Konstanz entzieht Veronica Saß den Doktorgrad

Prüfung der Plagiatsvorwürfe einer Dissertation am Fachbereich Rechtswissenschaft abgeschlossen – Betroffene will sich gerichtlich wehren

Konstanz. Die Uni Konstanz hat die Prüfung der Doktorarbeit eine prominenten, ehemaligen Doktorandin abgeschlossen und entschieden, der Juristin den Doktorgrad zu entziehen. Die Abschreiberin ist, wie die Universität jetzt mitteilte, die Tochter von Edmund Stoiber. Bisher hatte die Universität noch keinen Namen genannt. Wie Medien berichten, möchte die Juristin gegen die Entscheidung der Universität Konstanz vor Gericht ziehen – weil ihr kein Aufschub für eine Stellungnahme gegeben worden sei. Dieser Behauptung widersprach Uni-Sprecherin Julia Wandt.

Entscheidung am Dienstag

Der Promotionsausschuss des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Universität Konstanz hat in seiner Sitzung am Nachmittag am Dienstagmittag beschlossen, einen an der Universität Konstanz verliehenen Doktorgrad zu entziehen. Das teilte die Universität am Mittwochvormittag mit. Nach umfassender Prüfung der Dissertation kam der Ausschuss zum Ergebnis, dass erhebliche Teile der Arbeit Plagiate darstellen.

Doktorarbeit über „Regulierung im Mobilfunk“

Nachdem die Frist für das Einholen von Stellungnahmen abgelaufen war, kam der Promotionsausschuss des Fachbereichs in dieser Woche erneut zusammen. Die Uni erklärte: Die Überprüfung der Doktorarbeit „Regulierung im Mobilfunk“ von Veronica Saß sei eingeleitet worden, nachdem die Universität Konstanz am 14. Februar Kenntnis von entsprechenden Vorwürfen erhalten hatte. Die Stoiber-Tochter sollte, so der Vorwurf, Teile ihrer wissenschaftlichen Arbeit aus anderen Texten abgeschrieben haben.

Plagiatsvorwurf geprüft

„Die Prüfung erfolgte nach dem an der Universität Konstanz bei Plagiatsvorwürfen üblichen Vorgehen“, so Uni-Sprecherin Julia Wandt. Der Fachbereich Rechtswissenschaft, an dem die Dissertation verfasst wurde, wurde unverzüglich informiert und der Promotionsausschuss des Fachbereichs sei einberufen worden. Er leitete daraufhin sofort ein Prüfverfahren ein. Der Ablauf des Prüfverfahrens habe sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz für das Land Baden-Württemberg (LvwVfG) gerichtet. Dadurch seien Abläufe, wie zum Beispiel angemessene Fristen und das Recht zur Stellungnahme, vorgegeben. Darüber hinaus sei die universitäre Kommission „Verantwortung in der Wissenschaft“ vollumfänglich über den Verlauf des Prüfverfahrens informiert gewesen.Veronica Saß sei im Verfahren angemessen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden. Dazu zählte laut Uni auch das Angebot einer persönlichen Anhörung vor dem Promotionsausschuss. Dieses Angebot habe Frau Saß nicht angenommen. „Es gab stattdessen eine umfassende schriftliche Stellungnahme der Anwälte von Frau Saß“, so Uni-Sprecherin Julia Wandt. Anscheinend ist die Stoiber-Tochter schwanger. „Die Schwangerschaft von Frau Saß ist der Universität Konstanz bekannt und wurde im Rahmen des Prüfverfahrens unter anderem durch die wiederholte Verlängerung der Äußerungsfrist berücksichtigt“, teilte die Konstanzer Uni weiter mit.

Verstoß gegen wissenschaftliche Redlichkeit

„Der Doktorgrad wurde entzogen, da seinerzeit die rechtlichen Voraussetzungen für seine Verleihung nicht vorlagen“, kommentierte Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz. Er verwies auf die Regeln wissenschaftlicher Redlichkeit und die Entscheidung des Promotionsausschusses. Wissenschaftliche Redlichkeit bedeute im Fall einer Promotion, dass die Doktorarbeit der eigenständige wissenschaftliche Beitrag zum Fortschritt eines Faches ist. „An der Universität Konstanz erklärt jeder Doktorand bei Abgabe der Dissertation, dass die Arbeit selbst verfasst und fremde Literatur als solche gekennzeichnet ist. Wird diese Grundregel wissenschaftlicher Redlichkeit nachweislich verletzt, ist es an der Universität, ihr wieder Geltung zu verschaffen“, so Rüdiger weiter.

Uni bestätigte Name der Doktorandin

Die Universität Konstanz bestätigte den Namen der Autorin sowie Detailinformationen über die Dissertation in der Vergangenheit nicht, da Veronica Saß keine Person öffentlichen Interesses ist. An diesem Status ihrer Person habe sich nichts geändert. Allerdings sei in den vergangenen Wochen unter großem öffentlichen Interesse allgemein publik geworden, dass die von ihr verfasste Dissertation, die Gegenstand ihres Promotionsverfahrens an der Universität Konstanz war, Plagiatsvorwürfen ausgesetzt war, teilte die Uni mit.

Die Juristin Veronica Saß ist Tochter von Edmund Stoiber, dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten.

Foto: Jochen Staudacher Uni Konstanz

4 Kommentare to “Universität Konstanz entzieht Veronica Saß den Doktorgrad”

  1. Bolle Knallquist
    11. Mai 2011 at 09:33 #

    Ähm … und was hat jetzt ihr Vater damit zu tun? Ach so: Sippenhaft.

  2. Dr. med. Holzwig
    11. Mai 2011 at 10:53 #

    Nö, keine Sippenhaft. Stoibers Tochter hat vorsätzlichen Betrug begangen.
    Vergleicht man den Fall Guttenberg und Stoibertochter, so finden sich eindeutige Parallelen.
    Wie hieß der Typ, in 10 Minuten zum Dr., nochmal, der Guttenberg als Überflieger der CSU verkaufte? System?

  3. Frieder Hannspeter
    11. Mai 2011 at 11:27 #

    Der Stoiber-Vater hat damit gar nichts zu tun, ebenso wenig die Väter von Guttenberg und der FDP-Frau, es sei denn, sie wären Mitwisser oder Helfershelfer gewesen.

    Außerdem geht es hier nicht um „Sippenhaft“, da ja niemand in Haft ist, sondern, wenn es denn zutreffen würde, um „Sippenhaftung“! Also, Nr.1: Wieder mal einen Rückzieher machen.

  4. Hinterwäldler
    12. Mai 2011 at 10:50 #

    Der Vorwurf „Sippenhaft“ kommt aus den Reihen derer, für die ein Abweichen von der schwarz-gelben Mittellinie automatisch extrem links/rechts bedeutet. Völlig missachtend, das der eine oder andere selbstständig seinen eigenen Verstand benutzt.

    Zutreffend ist eher der Vorwurf einer miserablen Kinderstube, einer schlechten Erziehung sowie der vorgelebte moralische Verfall, verbunden mit Selbstüberschätzung. Eventuell haben die sg. Eliteschulen entscheidend beigetragen.

    Bedenke: Wissen ist kein genetisches Erbgut! Wir dürfen aber auch nicht das schöne deutsche Sprichwort vergessen: „Dor Äppl fällt ni weid vom Schtam.“

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