Unterwasserroboter „ROV“ taucht im Bodensee am tiefsten

Multifunktionsroboter filmt Unterwasserwelten digital und greift nach Weltkriegsgeschossen

Überlingen (wak) Er stammt aus Schweden, ist quadratisch, quietsche gelb, bekommt keinen Tiefenrausch, kann ein Greifärmchen ausfahren, zupacken und 500 Kilo heben und mit ihm sehen Forscher und Wasserschutzpolizei unter Wasser besser. Im Überlinger Yachthafen ist am Dienstag „ROV“, der neue Unterwasserroboter des Landes Baden-Württemberg, über Bord gegangen und hat erfolgreich einen Schau-Tauchgang absolviert. Satte 370.000 Euro hat „ROV“, das „Remotely Operating Vehicle“, gekostet. Der Roboter ist der erste seiner Art im Bodensee. „Es ist ein großer Tag für Baden-Württemberg“, sagte der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl in Überlingen.

Gefährliche Munition bergen

Zwei Drittel der Kosten des Roboters trägt das Regierungspräsidium Stuttgart, das für den Kampfmittelbeseitigungsdienst in Baden-Württemberg zuständig ist. Noch immer lagert Weltkriegsmunition im Bodensee, die Schwimmern und Freizeittauchern gefährlich werden kann. Wird eine Bombe oder eine Granate entdeckt, muss sie geborgen werden. Der Job, den Taucher der Wasserschutzpolizei machen, kann lebensgefährlich sein. Mit Hilfe des Unterwasserroboters lassen sich Kampfmittel im Bodensee schneller und sicherer an die Wasseroberfläche holen und entschärfen.

Fazination Unterwasserwelt

Ein weiteres Drittel der Kosten für das Unterwasserfahrzeug hat die LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz bezahlt. LUBW-Präsidentin Margareta Barth schwärmte in Überlingen von den faszinierenden Unterwasserwelten, die Wissenschaftler in den Tiefen des Sees erforschen. Im Einsatz ist „ROV“ außerdem für die Wasserschutzpolizei, wenn es darum geht, im Wasser nach Leichen oder Gegenständen zu suchen. Deswegen war auch Klaus Michael Rückert, der Karlsruher Vizeregierungspräsident, nach Überlingen gekommen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe ist für die Wasserschutzpolizei mit ihren 48 männlichen und zwei weiblichen Tauchern zuständig.

Greifarm packt Lasten

Der Unterwasserroboter dokumentiert seine Einsätze. Auf einem Computerbildschirm können – je nach Einsatz – Kampfmittelbeseitigungsdienst, Forscher oder Fahnder die Fahrt des multifunktionalen „ROV“ verfolgen. Schmalzl schwärmte von Hightech. Vor „ROV“ gab es lediglich Unterwasserkameras, für die es heute keine Ersatzteile mehr gibt und die vor allem auch keine digitalen Bilder liefern konnten. Der mit Joysticks ferngesteuerte 80 Kilo schwere Roboter schafft maximal 7 Knoten oder bewegt sich anders ausgedrückt mit etwa 13 Kilometern in der Stunde durch das Wasser. Durch ein bis zu 350 Meter langen Fiberglaskabel ist er mit einem Schiff verbunden. Mit einer Farb-Zoom-Kamera und einer SW-Weitwinkel-Kamera mit Restlichtaufheller sieht er im Wasser besser als Taucher. Mit Sonar und GPS tastet sich der Roboter durch die Unterwasserwelten. Mit seinem Greifarm kann er Gegenstände fassen. Lasten mit bis zu 500 Kilo hebt „ROV“ mit Hilfe des Chinesischen Fingers aus dem See.

Roboter als Forscher

Nicht mit Superlativen gegeizt hat in Überlingen auch Margareta Barth. Sie erzählte von Fischarten, die „ROV“ in Tiefen von mehr als 200 Metern beobachtet, und von Sedimentproben aus Canyons, die für Taucher unerreichbar sind. „Der Bodensee birgt noch viele Geheimnisse“, sagte die LUBW-Präsidentin. Sie berichtete von eingewanderten Krebsen und Garnelen, die sich den Lebensraum Bodensee erobert haben – so wie die Schwebgarnele aus dem Schwarzen Meer. Der neue „Mitarbeiter“ des Seenforschungsinstituts in Langenargen spürt außerdem Methanausbrüche auf oder erkundet für Archäologen Pfahlfelder im See.

Verunglückte Taucher bergen

Zum Einsatz kommen wird „ROV“ auch, wenn es darum geht, einen auf 60 Meter abgestürzten Taucher zu bergen. Tiefer als 40 bis 50 Meter können die Taucher der Wasserschutzpolizei nicht nach unten gehen. Wenn „ROV“ von der Wasserschutzpolizei zu einem Notfalleinsatz gerufen wird, müssen die Forscher warten. Kampfmittelbeseitigung und Objektsuche haben Vorrang vor Gewässerökologie und Archäologie.

Blubbern im Bodensee

Fünf Beamten der Wasserschutzpolizei und zwei Mitarbeiter des Instituts für Seenforschung sind als Piloten für „ROV“ geschult worden. Stationiert ist der Unterwasserroboter bei der Wasserschutzpolizei in Überlingen. Wenn es demnächst neben einem Schwimmer blubbert, könnte es auch der gerade auftauchende „ROV“ sein.

Fotos: wak

Ein Kommentar to “Unterwasserroboter „ROV“ taucht im Bodensee am tiefsten”

  1. Ute
    20. Juli 2010 at 18:10 #

    Hm, schade! Ich hatte mir so eine Art Nummer 5 erhofft, aber immerhin viele Bildle und quietschgelber Robi. :)

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