Vergissmeinnicht oder jenseits von Springer & Jacoby

Überlinger Werbeagentur schnappt sich die K+T und immer mehr regionale Kunden

Überlingen/Konstanz (wak) Und der Gewinner hieß „vergissmeinnicht“. Die Überlinger Werbeagentur, die von sich sagt, ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 20 Prozent gesteigert zu haben, wird in den kommenden drei Jahren das Gästemagazin der Gesundheits- und Gartenstadt Überlingen gestalten. Zu den Kunden der Überlinger Werber, die früher, bevor sie sich selbständig machten, für Schindler Parent gearbeitet haben, gehören neu auch die Stadtwerke Konstanz.

Raus aus der Krise

Es ist, als ob es in diesem Jahr die Insolvenz von Springer & Jacoby, die eine führende deutsche Werbeagentur mit Sitz in Hamburg gewesen ist, nicht gegeben hätte. Es ist sogar so, als ob bei Jung von Matt, ebenfalls eine Werbeagentur mit Hauptsitz in Hamburg, alles so weiter ginge wie früher. Doch ausgerechnet in Zeiten, in denen der Strukturwandel die Weber erreicht und in der Werbung nichts mehr wie mit Werbung früher ist und Glanz und Ruhm verblassen, hebt die Agentur „vergissmeinnicht“ ab. Die Überlinger Werbeagentur „vergissmeinnicht“ sagt von sich, sie sei in nur zwei Jahren am Bodensee zu einer der „erfolgreichsten Agenturen“ geworden. Bestätigt fühlt sich die Agentur, nachdem, sie sich gerade das Werbebudget für das „Überlinger Gästemagazin“, die Broschüren „Urlaubsideen“ und „Stadtplan“ sowie für die Internetseite der Stadt Überlingen „geschnappt“ hat.

Vier Agenturen in der Endrunde

Tanja Kranz von der Kur und Touristik GmbH Überlingen sagt, der Auftrag werde alle drei Jahre neu ausgeschrieben. Vier „gradiose Agenturen“ schafften es dieses Mal bis in die Endrunde. Darunter war auch Saupe Fouad, jene Agentur, die den Auftritt der K+T bisher gestaltet hat, sowie „land in sicht“ und „abschnitt1“ aus Konstanz. Die K-T habe vorgegeben, was sie thematisch möchte, sagt Tanja Kranz, bei der K+T fürs Marketing zuständig. Die Hauptthemen sollten sein: Ferienstadt, Gartenstadt, Gesundheit, Kunst und Kultur. Die Werbeagenturen mussten Dummys präsentieren. Sie sollten Titel- und je zwei Imageseiten gestalten. Wolfgang Gerstenhauer, Mitbegründer von „vergissmeinnicht“, sagt: „Wir gehen konzeptionell heran.“ Die Agentur befand für gut, was Saupe Fouad gemacht hatten. Gerstenhauer spricht von „positiver Kritik“. Vergissmeinnicht sah „Verbesserungspotenzial“. Eine Stärke und Schwäche des bisherigen Produkts sei es gewesen, dass Anzeigen und redaktioneller Teil nicht zu unterscheiden waren. Auch an die Texte gingen die Überlinger ran. Sie sollen in Zukunft nicht nur „Stimmungen und Atmosphärisches“ wiedergeben, sondern wertvolle Informationen für den Nutzer enthalten. Sie hätten ihr Handwerkszeug gelernt, sagt Gerstenhauer.

Fragezeichen hinter Facebook

Die Überlinger Werbeagentur „vergissmeinnicht“ wurde erst 2008 von Wolfgang Gerstenhauer, Achim Günter und Jens Schröder gegründet. Vor allem für erklärungsbedürftige, komplexe Produkte und Dienstleistungen seien sie Experten, sagen die Überlinger von sich. Von Twitter, Facebook und Youtube sei er nicht so überzeugt, sagt Gerstenhauer. Er wolle nicht auf jeden „Hype“ aufspringen. Was die Agentur mache, müsse relevant für die Zielgruppe sein. Vom Marketing in Sozialen Netzwerken hält er offenbar nicht ganz so viel. Viele Agenturen haben das Internet, verpennt. Gerstenhauer sagt, dass die Agentur Internetauftritte mache.

Agentur schnappt sich Große in der Region

Trotz Krise schaffte „vergissmeinnicht“ den Start. „Derartige Zuwachsraten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat „vergissmeinnicht“ vor allem seiner strategischen Herangehensweise und seinen kreativen Lösungen zu verdanken“, sagt Jens Schröder, einer der drei Geschäftsführer. Neu auf der „vergissmeinnicht“-Kundenliste stehen unter anderem die Markdorfer Wagner Group, das Allgäuer Unternehmen Hymer-Leichtmetallbau sowie die Stadtwerke Konstanz. Im Bereich Public Relations betreut die Agentur sogar einen Großkunden wie die Deutsche Post. Auch für Überlinger Kunden ist die Agentur tätig. So entwickelte „vergissmeinnicht“ unter anderem die Bewerbung Überlingens um die Landesgartenschau 2020, eine Imagekampagne für die Stadtwerke Überlingen und bekam einen Auftrag der Sparkasse Bodensee. Dass sich der Aufsichtsrat der Kur und Touristik Anfang Juli einstimmig für das Konzept und den Gestaltungsentwurf von „vergissmeinnicht“ entschied, freute die Werber besonders.

Fotos: „vergissmeinnicht“/Wolfgang Gerstenhauser/Screenshot Website

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