„Verkehr hoch emotionales Thema“

Oberbürgermeisterin will Überlinger nicht bevormunden

Überlingen (wak) „Verkehr ist ein hoch emotionales Thema in Überlingen“, sagte Oberbürgermeisterin Sabine Becker See-Online.info. Sie möchte eine ganzheitliche Verkehrslösung für die Stadt und verhindern, dass Baubürgermeister Ralf Brettin „verschlissen“ wird.

Bürgerinitiativen regen sich

In Überlingen schlagen die Wogen hoch. Die Anwohner der Zahnstraße und ihre Bürgerinitiative WOGE ZaNeLi sind kurz vor Ostern aus dem winterlichen Dornröschenschlaf erwacht. Sie fordern erneut eine Verringerung des Verkehrs in ihrem Wohngebiet. Misstrauisch beäugen sie, dass die Stadt die Aufkircher- und die Wiestorstraße, beides Landesstraßen, zu Stadtstraßen machen und die derzeitige Verteilung des Verkehrs zementieren will. Auch in der Altstadt regen sich Betroffene. Schon vor Wochen hatte Apotheker Josef Fuchs eine Liste mit rund 50 Unterschriften im Rathaus abgegeben und die „Entschleunigung“ des Verkehrs in der Innenstadt gefordert. Lieber heute als morgen möchten offenbar auch Gewerbetreibende den Verkehr in den stark belasteten Einkaufsstraßen verringern.

Ralf Brettin soll nicht zum Buhmann werden

Oberbürgermeisterin Sabine Becker hat zwar sehr wohl vernommen, dass immer mehr Überlinger Bürger immer lauter eine Lösung des Verkehrsproblems von der Verwaltung verlangen. Überstürzt handeln wolle sie aber nicht, sagte Sabine Becker See-Online.info. Sie möchte eine Bürgerbeteiligung, beim Verkehr noch einmal bei null anfangen und die Lösung des Problems erneut Ergebnis offen diskutieren. Möglich sei das nur mit Hilfe eines Moderators, glaubt die OB. „Es wäre nicht gut, wenn es Bürgermeister Brettin machen würde“, sagte Becker. Sie habe Angst, dass der Bürgermeister andernfalls „verschlissen“ werden könnte. Sabine Becker fürchtet, Ralf Brettin könnte es ergehen wie Thomas Nöken, der bei der Diskussion in den vergangenen Jahren zu unrecht zum Buhmann gemacht worden sei.

OB lehnt Basta-Politik strikt ab

Die Stadt plant nach Aussage von Sabine Becker zwei Bürgerveranstaltungen. Neben einer Bürgerinformation solle es auch einen Workshop geben. „Es geht nicht nur um die WOGE ZaNeLi, sondern auch um die Altstadt“, stellt die Oberbürgermeisterin klar. Aus ihrer Sicht wäre es ausgeschlossen, über die Köpfe der Menschen hinweg, zum Beipiel im Gemeinderat eine Begegnungszone zu beschließen oder aus der Altstadt einen Shared Space zu machen. „Ein Weg, bei dem sich die Bürger bevormundet fühlen, ist nicht gangbar“, sagte Sabine Becker. Von Basta-Politik hält sie nichts. Dass T-Modell sei allerdings endgültig begraben – weil politisch nicht durchsetzbar.

Sabine Becker verspricht nichts

Ziel der Stadt sei es, noch in diesem Jahr zu einem Ergebnis zu kommen. Wann die Ideen zu einer neuen Verkehrsführung, Entlastung von Wohngebieten und Erhöhung der Aufenthaltsqualität in der Stadt umgesetzt werden, ist aber noch vollkommen unklar. Außer auf den politischen Willen, wird es auch auf die Haushaltslage der Stadt ankommen. Gegenüber See-Online.info machte Sabine Becker keinerlei Hoffnung, dass das Ergebnis bereits im kommenden Jahr umgesetzt werden könnte. Sie wollte sich nicht einmal darauf festlegen, dass mit der Umgestaltung der Altstadt 2012 oder 2013 begonnen werden könnte. Einen Schritt weiter ist da Konstanz. Die Stadt zum See will ihren Bahnhofsplatz ebenfalls umgestalten und zu einer nicht autofreien Begegnungszone machen, in der alle Verkehrteilnehmer gleichberechtigt sind. Züricher Planer haben überzeugende Entwürfe gemacht. Das Projekt gilt als „Schlüsselprojekt“ für die Stadtentwicklung. Für den Umbau des Bahnhofsplatzes – zwischen Lago und Fischmarkt – sind in Konstanz 2,5 Millionen Euro in den Haushaltsjahren 2010 und 2011 vorgesehen. In Überlingen steht 2010 noch kein Geld zur Verfügung.

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