Verkehrsführung im Fokus: Überlinger Altstadt bald autofrei?

Verkehrsdialog endet vor Weihnachten mit Vorstellung von Planungsfällen – Wende wäre möglich

Überlingen. Die Stadt Überlingen wird in den kommenden Wochen entscheiden, ob die Altstadt autofrei wird oder vielleicht alles doch wieder bleibt wie es heute ist. Bei ihrem Amtsantritt 2009 hatte Oberbürgermeisterin Sabine Becker versprochen, das Verkehrsproblem anzupacken. Das Ringen dauerte lang. Jetzt liegen mehrere konkrete Lösungsvorschläge auf dem Tisch. Am Mittwoch, 21. Dezember, informiert die Stadt ihre Bürger ab 17.30 Uhr in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung in der Feuerwache über die Planungsfälle.

Autos in der Altstadt

Fußgänger drängen sich auf viel zu schmalen Gehsteigen. Manchmal versperren zusätzlich halb auf dem Gehweg haltende Autos den Durchgang, weil sie nicht auf der schmalen Fahrbahn stoppen können. Parkplätze gibt es am Straßenrand nicht. Der Verkehr rollt trotzdem mitten durch die Stadt und durch Straßen, die nie für Autoverkehr geplant worden sind. Dieses Problem haben viele Altstädte. Manche Städte haben deshalb unter ihrer City Tunnels gebaut – oder leistungsstarke Altstadtringe und Umgehungsstraßen. Über einen Tunnel ist in Überlingen auch schon einmal diskutiert worden. Zu finanzieren wäre er aber nicht – und ein Tunnelportal im Stadtgarten war auch kaum vorstellbar. Die Tunnelpläne sind seither begraben. Auch ein Altstadtring ist keine Alternative. Im Süden grenzt die historische Altstadt an den See – Platz für einen Ring ist da nicht.

Zwei Jahre Verkehrsdialog

Fast zwei Jahre dauerte ein intensiver Verkehrsdialog, bei dem sich die Bürgerinnen und Bürger in Arbeitsgruppen einbringen konnten. Im Mai 2010 fand eine Bürgerversammlung statt, die Auftakt zum moderierten Bürgerbeteiligungsprozess war. Sieben Arbeitsgruppen trafen sich. Im November 2010 präsentierten die Gruppen Ergebnisse bei einem Forum. Im Januar 2011 beschloss der Gemeinderat – neben den von Bürgern erarbeiteten Varianten – auch noch einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich, eine Tempo-20-Zone, genauer untersuchen zu lassen. Zuletzt hat das Büro Modus Consult verschiedene Vorschläge geprüft.

Entscheid spätestens Februar 2012

Erstmals liegen aussagefähige Belastungszahlen über verschiedenen Planfälle vor. Aus den Plänen geht hervor, wie die Altstadt und Wohngebiete belastet würden und wie viel Verkehr aus der Stadt herausgehalten werden könnte. Der Gemeinderat wird am Mittwoch in öffentlicher Sitzung über die Varianten diskutieren und sie beurteilen. Rederecht haben in der öffentlichen Gemeinderatssitzung auch die Bürgergruppen. Eine Entscheidung, welche Variante Überlingen realisiert, fällt voraussichtlich im Januar oder Februar. Die Oberbürgermeisterin wollte ursprünglich schon eine Entscheidung in der Sitzung vor Weihnachten. Der Gemeinderat hatte sich aber eine längere Bedenkzeit erbeten. Sollte sich der Gemeinderat nicht zu einem neuen Verkehrskonzept und einer Verkehrsberuhigung der Altstadt durchringen können, bliebe den Bürgern noch ein Bürgerentscheid. Schon einmal – noch in der Amtszeit von Oberbürgermeister Volkmar Weber – hatte der Stadtrat über eine autofreie Innenstadt und eine Variante abgestimmt, bei der die Christophstraße zur Fußgängerzone geworden wäre. Die Mehrheit sagte damals mit der Stimme des Oberbürgermeisters nein zu einer Veränderung. Oberbürgermeisterin Sabine Becker hingegen hat mehrfach öffentlich gesagt, dass sie eine Lösung möchte und anscheinend meint sie damit nicht den Status Quo.

4 Kommentare to “Verkehrsführung im Fokus: Überlinger Altstadt bald autofrei?”

  1. sparring
    20. Dezember 2011 at 11:00 #

    als ob es nur in den zwei altstadtstraßen verkehrsprobleme gäbe ? mir kommen die tränen, wenn ich sehe, wie die alten und neuen
    wohngebiete immer mehr vom verkehr überschwemmt werden.

    in der altstadt wird gutes geld damit verdient, daß die käufer anreisen. in den wohngebieten verschwindet mit der massiven verkehrskonzentration die letzte lebens-und schlafqualität, speziell schulkinder leben hochgefährdet. das weiß frau becker seit 2008 (vor Ort) und der famose gemeinderat schon seit anfang 2004.

  2. Herbi
    20. Dezember 2011 at 22:27 #

    und täglich grüßt das Murmeltier!

    wie oft soll eigentlich ein Sperrung der Innenstadt noch abgelehnt werden?
    Als erstes sollten die nördlichen Wohngebiete beruhigt und für die Sicherheit der Kinder gesorgt werden.
    Schließlich wurde mit der Sperrung des Aufkircher Tors der Verkehr in ein neues Wohngebiet verlagert.

    Die Innenstadt mit den vielen Geschäften möchte mit Sicherheit auch weiterhin für Kunden erreichbar sein.

  3. Wilfried
    21. Dezember 2011 at 10:34 #

    Die Jakob-Kessenring-Straße muß Priorität haben und
    schnellstens Fußgängerzone werden,Ausnahmen nur
    Busse und Anlieger.
    Eine Sackgassenlösung wäre ideal.
    Die Cristophstrasse führt den Verkehr aus der Stadt
    raus, die Jakob-Kessenring-Strasse aber rein……

  4. dk
    21. Dezember 2011 at 13:36 #

    Eigentlich kann man den Überlingern/innen nur die Daumen drücken, dass in naher Zukunft alle glücklich und zufrieden sind.

    Heute mittag habe ich erfahren, dass eine junge Russin ein „soziales Jahr“ in KN macht, um danach zu studieren (sicher in Russland). Von Verwandten in KN wurde sie zu Weihnachten eingeladen, da ihr das Geld für eine Heimfahrt zur Familie fehlt.

    Wahrscheinlich werde ich genauso wenig reden, wie ich im nächsten Jahr böde Blog-Kommentare schreiben werde. Bei evtl. zukünftigen Reisen nach Osteuropa und Russland wird optimistisch unterstellt, dass der Umgang trotz deutschen Reisepass neutral möglich ist, so dass sich der Reisende selbst oberflächle Eindrücke zu Land und Gesellschaft verschaffen kann.
    Es gibt genügend tonangebende Einrichtungen und Informations-Möglichkeiten im Bodenseeraum über eine christlich-ökologische-soziale Gesellschaft (nach A-Z-Reihenfolge ohne Wertung), so dass man ohne schlechtes Gewissen träge und faul sein darf. Der Tip zum Besuch d es „Überlinger Weihnachtsmarkt“ erscheint nach einem Artikel hier allerdings obligatorisch.

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