Vermüllung des Konstanzer Ufers nervt Badende

Unterschriftensammlung für Glasverbot am Konstanzer Seerhein – Immer mehr Scherben am Ufer

Konstanz. Bewohner der Stadt am Seerhein fordern zu Beginn der Badesaison ein Glasverbot. 134 Unterschriften haben sie bereits gesammelt. „Scherben stellen eine erhebliche Gefährdung da“, heißt es auf den Unterschriftenlisten, auf denen bisher vor allem Bewohner unterschrieben haben. In Scherben treten aber nicht nur Anwohner, sondern auch alle anderen Parknutzer. Die rücksichtslose Vermüllung des Ufers stört deshalb immer mehr Parkbesucher. Nach dem vergangenen Wochenende und mit Beginn der Badesaison dürfte die Zahl derer, die unterschreiben, deshalb noch größer werden.

Graffiti und Müll

Am Samstag meldete sich ein Anwohner der Stadt am Seerhein. Er sagte, jetzt seien auch noch Wände in der Stadt am Seerhein besprüht worden. Neben Graffiti („Besetzt die Welt“), Lärm und Rücksichtslosigkeit stört die Bewohner der Stadt am Seerhein und die Nutzer des Heroséparks zunehmend auch die Vermüllung. Zerschlagene Flaschen am Ufer werden zu Beginn der Badesaison erst zu einem Problem. Verletzungen würden „provoziert“, sagen Anwohner.

Verletzungsriskiko durch Scherben

Auf der Unterschriftenliste für ein Glasverbot heißt es: „Das Areal wird von der im Umkreis wohnenden Bevölkerung wieder sehr gut angenommen und es lagern sehr viele Erholungssuchende auf dem von der Stadt gut gepflegten Areal. Allerdings werden wieder vermehrt Glasflaschen zerschlagen und auch in den Rhein geworfen.“ Eine EU-Richtlinie besage, dass ein Alkohol- und Glasverbot erforderlich sei, wenn die Qualität des Badegwässers beeinträchtigt werde und eine Gefahr für die Gesundheit der Badenden bestehe. Das steht zumindest so auf der Unterschriftensammlungsliste.

Mehrheit für Glasverbot

Wie es am vergangenen Samstagmorgen gegen 7:30 Uhr im Herosépark ausgesehen hat, hat ein Anwohner fotografiert. 47 Prozent derer, die auf den Listen schon unterschrieben hätten, seien nicht nur für ein Glas-, sondern auch für ein Alkoholverbot, teilten die Unterschriftensammler mit. Das ist die Minderheit. Die Mehrzahl will nur keine zerschlagenen Flaschen mehr. Vor allem geht es um die Vermüllung des Ufers. Die seit einer Woche von den Nachtwanderern verteilten Papiertragetaschen hätten das Problem nicht gelöst. Ein Alkoholverbot, das anscheinend nur eine Minderheit befürwortet, dürfte auch kaum durchsetzbar sein: Es würde die Freiheitsrechte zu vieler Parknutzer zu sehr einschränken und ist nach einem Verwaltungsgerichtsurteil auch rechtlich problematisch.

Konstanz kein Einzelfall

Der Ton wird rauer. Von Aggressions- und Gewaltbereitschaft ist die Rede. In Einzelgesprächen sei fast jeder zugänglich, heißt es in einem Schreiben an die Stadt. In der Menge ändere sich das Verhalten aber. Dass solche Probleme lösbar sind, zeigt der Blick auf die Kleinstadt Überlingen. Dort eskalierte vor Jahren die Situation am Landungsplatz, der zum Treffpunkt Jugendlicher aus dem ganzen Umland geworden war. In Folge der Saufgelage gab es auch immer mehr Straftaten wie Sachbeschädigungen und Körperverletzungen. Karl-Heinz Wolfsturm, Chef der Polizeidirektion Friedrichshafen, reagierte damals mit Präsenz. 2009 leistete die Polizei im Kneippheilbad 4000 zusätzliche Einsatzstunden. Die Straftaten im Vergleich zum Jahr Vorjahr gingen im beschaulichen Überlingen daraufhin um 20,5 Prozent zurück.

Vorreiter auf der anderen Seeseite

Stadt und Polizei setzten in der Stadt am Überlinger See auf eine Doppel-Strategie: Auf der einen Seite konsequentes Handeln des Ordnungsamtes und auf der anderen Seite das Zugehen auf die Jugendlichen. Während ein Streetworker in Überlingen Jugendliche am Landungsplatz „abholte“, sprach das Ordnungsamt gegen Einzelne, die auffällig geworden waren, kurzfristige Betretungsverbote von einem Tag oder einer Woche aus oder erteilte Platzverweise. Um einen Platzverweis aussprechen zu können, musste allerdings eine Straftat voran gegangen sein. Aus Sicht der Polizei, so Wolfsturm damals, sei Überlingen „Vorreiter“ und Vorbild für andere Kommunen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: privat

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