Von leerstehenden Wohnungen und Wohnungsnot in Konstanz

„Karawane gegen Armut und Ausgrenzung“ stoppte am Bodensee

Konstanz (wak) In Konstanz konkurrieren Wohnungslose mit Studenten um günstigen Wohnraum. Die Wohnungsnot ist größer als in vielen anderen Städten. Am Mittwoch zog die „Karawane gegen Armut und Ausgrenzung“ durch die Stadt. Sie machte auch auf fehlenden Wohnraum für sozial Benachteiligte in Konstanz aufmerksam. Leerstehende Wohnungen – so wie die sich in Bundesbesitz befindenden früheren Franzosenwohnungen in der Gottfried-Keller-Straße – sind für viele ein Ärgernis. Herbert Weber, Vorsitzender des Deutschen Mieterbunds Bodensee, sieht es allerdings etwas anders. Er sagte, er sei froh, dass der Bund die abgewohnten Blöcke nun sanieren wolle und die Gebäude nicht an Heuschrecken verkauft habe.

Gottfried-Keller-Straße seit Jahresbeginn unbewohnt

In den Fokus geraten sind die Blocks, in denen noch bis Ende vergangenen Jahres fast 300 Studenten wohnten, angesichts des Mangels an günstigem Wohnraum. Am 31. Dezember war das Studentenwerk aus den sanierungsbedürftigen Gebäuden in der Gottfried-Keller-Straße ausgezogen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat die mittlerweile herunter gekommenen Blocks Anfang des Jahres zurückbekommen. Seither stehen die Häuser leer. Der Bund möchte sie nun behalten und sanieren, so die Auskunft.

Sanierung beginnt frühestens Ende des Jahre

Der Sanierungsbedarf in den abgewohnten Gebäuden ist hoch. Für die Bauplanung zuständig ist das Staatliche Hochbauamt Freiburg. Demnächst soll ausgeschrieben werden. Sobald die Gebote da sind, vergibt der Bund die Aufträge. Dass es mit der Sanierung einer Bundesimmobilie länger dauert als bei einem privaten Immobilienbesitzer, liege auch daran, dass der Bund verpflichtet sei, auszuschreiben, so die Auskunft der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Frühestens Ende diesen aber spätestens Anfang kommenden Jahres soll die Sanierung aber beginnen. Wie viel Geld der Bund in die Häuser investiert, war in Freiburg vom stellvertretenden Dienststellungsleiter Günther Danziger nicht zu erfahren. Nach der Sanierung sollen die Wohnungen zur ortsüblichen Miete auf den Konstanzer Wohnungsmarkt kommen.

Heuschrecke wäre für Mieterbund Bodensee schlimmer

Bis dahin stehen die Gebäude möglicherweise aber ein ganzes Jahr lang leer. Anstoss daran hat zum Beispiel die Piratenpartei genommen. Den Konstanzer Piraten sind leerstehende öffentliche Gebäude angesichts des fehlenden günstigen Wohnraums in der Stadt ein Dorn im Auge. Herbert Weber, Vorsitzender des Deutschen Mieterbunds Bodensee, sieht das – zumindest, was die Blöcke  in der Gottfried-Keller-Straße angeht – aber etwas anders. Es sei zwar richtig, dass die Gebäude im Moment leer stehen, aber das sei das kleinere Übel. Viel wichtiger sei es, dass der Bund die Häuser saniere und anschließend 60 neue Wohnungen auf den Markt kommen, so Weber. Wären die Wohnungen an einen „Hai“ verkauft worden, erklärte Weber, wären sie nach der Sanierung mit hoher Wahrscheinlichkeit als Eigentumswohnungen verkauft worden. „Jede Wohnung, die renoviert ist und auf den Markt kommt, ist eine gute Wohnung“, sagte Weber, der auch für SPD im Konstanzer Gemeinderat sitzt. Dass die Mietwohnungen nach der Sanierung wegen des hohen Sanierungsaufwands zu teuer vermietet werden, fürchtet er nicht. „Das gibt der Markt nicht her“, so Weber.

Ganz unten noch größere Probleme

Die AGJ, Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e.V. , und ihre Wohnungslosenhilfe in Konstanz hat es mit Menschen zu tun, die es auf dem Konstanzer Wohnungsmarkt sogar noch schwerer haben als alle anderen, die eine bezahlbare Mietwohnung suchen. Immer mehr junge Frauen und Männer in Konstanz sind wohnungslos. Darauf machte am Mittwoch auch eine Demonstration Betroffener aufmerksam. Die „Karawane gegen Armut und Ausgrenzung“ forderte, bevor sie weiter in Richtung Weil am Rhein, Lörrach und Basel zog, mehr Sozialwohnungen und vor allem bezahlbare Wohnungen für sozial schlecht Gestellte. Das Problem Wohnungsloser: Die meisten leben von Hartz IV. Es gibt eine klare Grenze wie viel Miete das Job Center bezahlt. Sind die Mieten wie in Konstanz hoch, haben diese Menschen ein Problem eine Wohnung zu finden und sie bezahlen zu können. „Insbesondere in Konstanz ist es schwierig, weil sie in der Stadt auch noch mit Studenten konkurrieren“, sagte Susanne Graf, die zusammen mit Jörg Fröhlich die AGJ Wohnungslosenhilfe im Kreis Konstanz leitet.

Vom Elternhaus auf die Straße

Nicht mehr die typischen Obdachlosen sind die Klientel der AGJ. Viele junge Wohnungslose kommen direkt aus ihrem Elternhaus oder aus der Jugendhilfe. Vielleicht kommen sie noch kurzzeitig bei Bekannten unter, dann aber stehen sie auf der Straße. Unter den Betroffenen sind auch immer mehr Frauen, die ihre Wohnungen verlassen, weil der Partner gewalttätig ist. „Die AGJ betreut im Kreis Konstanz täglich etwa 200 Personen“, sagte Graf. Im vergangenen Jahr kümmerte sich die AGJ um insgesamt 612 einzelne Menschen. In Konstanz, Singen und Radolfzell gibt es Beratungsstellen der AGJ. In Konstanz sei es für Wohnungslose sehr mühsam. „Sie dürfen sich von Absagen nicht entmutigen lassen“, sagte Graf.

„Karawane gegen Armut und Ausgrenzung“

Zentrales Thema der „Karawane gegen Armut und Ausgrenzung“ in Konstanz war denn auch fehlender Wohnraum für Obdachlose. Mit der Karawane im Südwesten unterwegs sind neben vielen anderen einige Personen aus Konstanz. Die „Karawane gegen Armut und Ausgrenzung“ informiert im Rahmen des Europäischen Armutsjahres. Sie ist ein Projekt der AGJ der Caritas Freiburg sowie von Gewerkschaften, Hilfsorganisationen und anderen Mitakteuren.

Fotos: wak

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