Von wegen finsteres Mittelalter!

„Im Gespräch“ über „das Mittelalter“ mit Prof. Dr. Dorothea Weltecke

Konstanz (red) Der Begriff „Finsteres Mittelalter“ ist für sie Schnee von vorgestern. Doch damit nicht genug: Am liebsten würde sich Dorothea Weltecke, die die Professur für Geschichte der Religionen und des Religiösen in Europa an der Universität Konstanz innehat, ganz vom Begriff „Mittelalter“ verabschieden, „der mir je länger ich mich damit beschäftige, desto weniger gefällt“.

Faszinierendes Mittelalter

Ob sie sich für „das Mittelalter“ begeistert, weiß sie gar nicht genau. „Das sind ja immerhin 1000 Jahre – von 500 bis 1500. Da gibt es natürlich vieles, was mich begeistert und vieles, was mir nicht gefällt“, sagt Prof. Weltecke. „Ich interessiere mich für historische Probleme, und es hat sich bei mir so ergeben, dass ich die vor allem in den Jahrhunderten bearbeite, die wir als das Mittelalter bezeichnen. Da gibt es vieles zu entdecken und zu forschen, und vor allem gibt es eine große Vielfalt an Kulturen und an historischem Wandel. Das allein macht eine Periode für einen Historiker schon faszinierend.“

„Finsteres“ Mittelalter Erfindung der Neuzeit

Das „finstere“ Mittelalter sei, wie „das Mittelalter“ selbst, eine Erfindung der Neuzeit, sagt die Wissenschaftlerin. „In der Hochphase der Begeisterung für die Antike seit dem 15. und 16. Jahrhundert erschien diese als das Maß aller Dinge. Die Zeit zwischen der Antike und dieser eigenen Zeit erschien als eine finstere Zwischenzeit, wo Menschen lebten, die weder Kultur noch Bildung besaßen.“ Überall in den Medien sehe man, dass man das Mittelalter vor allem dazu brauche, um Aspekte der eigenen Wirklichkeit als „mittelalterlich“ auszulagern, mit denen man sich nicht identifizieren wolle. Dorothea Weltecke: „Da wird zum Beispiel das Foltern zu einer mittelalterlichen Methode, obwohl das Mittelalter das Foltern von der Antike gelernt hat und überdies in der Neuzeit fleißig weiter gefoltert wurde und wird, zum Teil systematischer und wirksamer noch als früher.“

Wie kommt die Wissenschaftlerin darauf?

Woher genau nimmt die Wissenschaftlerin ihre Erkenntnisse, was sind ihre Quellen? Wie genau geht sie bei ihrer Arbeit vor? Braucht sie bei ihrer Arbeit manchmal einen langen Atem? Rechnet sie damit, dass noch bisher unbekannte Quellen auftauchen könnten?

Antworten auf diese Fragen und das gesamte Interview:

http://www.uni-konstanz.de/imgespraech

Foto: Uni Konstanz

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