Vorarlberg sehen und ja sagen

Helmut Dietrich und Much Untertrifaller wecken Erwartungen

Konstanz (wak) Das Land, die Leute, die Architektur. Die zeitgenössische Baukunst in Vorarlberg hat sich einen hervorragenden Namen gemacht. So schnörkellos wie die traditionellen Stuben im Bregenzerwald aussehen, so innovativ und gradlinig präsentiert sich die moderne Baukunst in Vorarlberg. Helmut Dietrich und Much Untertrifaller sind zwei Repräsentanten dieser international anerkannten Vorarlberger Architekten-Szene. In Konstanz werden sie voraussichtlich das neue Konzert- und Kongresshaus bauen. Nur noch eine Hürde muss das Konzert- und Kongresshaus allerdings nehmen: den Bürgerentscheid.

Entscheidung über Termin für Bürgerentscheid fällt

Bisher passierte in Konstanz alles in nicht-öffentlichen Sitzungen. Auch am kommenden Donnerstag, 28. Januar, berät der Konstanzer Gemeinderat noch einmal zwei Stunden lang unter Ausschluss der Öffentlichkeit, bevor der Tagesordnungspunkt „Entscheidung Konzert- und Kongresshaus“ endlich in öffentlicher Sitzung diskutiert wird, sofern nach der nicht-öffentlichen Sitzung überhaupt noch diskutiert wird. Dem einen oder anderen Stadtrat kamen da in der vergangenen Woche so seine Zweifel. Entscheiden wird der Konstanzer Gemeinderat am Donnerstag in jedem Fall über den Termin, an dem der Bürgerentscheid stattfinden soll und auch über die Fragestellung.

Noch nicht einmal Architektennamen öffentlich bekannt

Das von der Stadt gewählte nicht-öffentliche Verfahren, macht es selbst Befürwortern des Konzert- und Kongresshauses auf dem Gelände Klein Venedig schwer, Begeisterung für das Projekt zu empfinden, was sicherlich ein Fehler ist. Ausgerechnet über das Aussehen und die Architektur wissen die Konstanzer noch nicht Bescheid. Selbst die Namen von Helmut Dietrich und Much Untertrifaller, die 2006 das neue Festspielhaus in Bregenz umgebaut und es mit viel Glas und Putz transparent und einladend gemacht haben, sind von der Stadt bisher nicht öffentlich genannt worden.

Eine Reise nach Vorarlberg

Wer sich für das neue Konzert- und Kongresshaus begeistern möchte, hat vorerst nur zwei Möglichkeiten, um sich der zeitgenössischen Baukunst der Vorarlberger anzunähern: Der Architekturfan druckt sich im Internet zum Beispiel die von Vorarlberg Tourismus und dem Vorarlberger Architekturinstitut herausgegebene Broschüre „architektur land vorarlberg – zeitgenössisches Bauen“ unter http://homes.tiscover.com/scms/media.php/7462/architekturland.464260.pdf aus und verschafft sich so einen Zugang zum Land Vorarlberg, seinen Menschen, Bauten und indirekt auch zur Architektur des neuen Konzert- und Kongresshauses in Konstanz. Oder er fährt noch besser selbst einmal nach Vorarlberg. Mehr Infos über das Reiseland Vorarlberg gibt es unter http://www.vorarlberg.travel/.

Vorarlberger Satellit in Konstanz

Das Konzert- und Kongresshaus könnte, was den Baustil angeht, ein Satellit oder ein Vorposten der modernen hoch gelobten Vorarlberger Architektur werden und somit perfekt auf den Bauplatz Klein Venedig passen. Würde sich der See am Horizont nicht krümmen, könnten die Konstanzer sowieso nach Bregenz schauen und umgekehrt die Bregenzer ans andere westliche Ende des Sees. So gesehen scheint es insgesamt stimmig, dass der Entwurf von Helmut Dietrich und Much Untertrifaller in Konstanz gefallen hat. Ein Fremdkörper in der Landschaft wäre das Zitat der Vorarlberger Baukunst nicht.

Freier Blick auf faszinierende Bauwerke

Am besten sollten sich die Konstanzer, um ein Gefühl für die international anerkannte Architektur der Vorarlberger zu bekommen, aber einfach einmal Richtung Osten und Österreich aufmachen. Sie könnten einen kleinen Ausflug unternehmen, um die Landschaften, Berge, Städte, Dörfer, Bewohner, Traditionen, Gastlichkeit, und Lebensweise kennenzulernen, die das Bild von Vorarlberg genauso prägen wie seit einigen Jahren eben auch die experimentierfreudige moderne Architektur.

Spannende Einzelbauten bis hinauf in die Berge

Die zeitgenössischen Bauten mit ihrer einfachen und klaren Formensprache entdecken aufmerksame Reisende bis hinauf in die Berge – oder manchmal auch weiter unten wie im von den Architekten Kaufmann geplanten Weinkeller in der Post in Bezau im Bregenzerwald. Längst sind es auch private Einzelbauten und nicht nur das Festspiel-& Kongresshaus oder das vom Schweizer Architekten Peter Zumthor gebaute Kunsthaus Bregenz, die als moderne „Sehenswürdigkeiten“ Architekturinteressierte nach Vorarlberg locken. Die zeitgenössischen Bauten im Nachbarland bestechen durch Holz, Glas, leichte Konstruktionen, klare Linien und raffinierte Einfachheit.

Für Gegner wird’s mit besserer Architektur schwerer

Dass zwei Vorarlberger Baukünstler in Konstanz bauen dürfen, sofern der Bürgerentscheid, der voraussichtlich im März stattfindet, das Projekt nicht verhindert, lässt hoffen. Gegnern macht die Aussicht, dass es doch keine 0/8-15-Architektur werden könnte, schwerer, weiterhin Widerstand zu leisten.

Fotos: Marco Mathis/Archiv Vorarlberg Tourismus (Festspiel-& Kongresshaus Bregenz), wak (Gelände Klein Venedig)

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