Vorbildlich: „U18 Jugendwahl“ in Überlingen

Überlinger Schülern missfällt Verbot von Parteien an Infotagen – Piraten und Linke müssen draußen bleiben

Überlingen. Die Politik AG der Constantin-Vanotti-Schule lädt am Montag, 28. Februar, zu einem „Politischen Informationstag“ zur Landtagswahlen 2011 ein. Außerdem plant die Stadt Überlingen zusammen mit der Politik-AG der Constantin-Vanotti Schule eine „U18-Jugendwahl“. Schüler, die noch nicht 18 Jahre alt sind und deswegen noch nicht wählen dürfen, können abstimmen. Schülern und Lehrern missfällt offenbar aber, dass bei den „Wahlveranstaltungen“ an Schulen nur die im Landtag vertretenen Parteien teilnehmen dürfen.

Ausschluss von wählbaren Parteien

„Zu unserem ausdrücklichen Missfallen war es uns nicht gestattet alle anderen, zur Wahl zugelassenen, Parteien beziehungsweise deren Vertreter einzuladen“, so Cornelius C. Veithen, Pressereferent der Jungen Union Überlingen und zweiter Vorsitzender der Politik AG der Constantin-Vanotti-Schule. Andreas Glöser, Lehrer an der Constantin-Vanotti Schule, sagte: „Wir dürfen nicht.“ Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren sei es noch nicht so gewesen.

Vier Parteien informieren in Schule

Beim Infotag am Montag, 28. Februar, werden in der Zeit von 8 bis 13 Uhr wegen der Anweisung aus Stuttgart auch nur die Landtagskandidaten der CDU, der FDP, der Grünen und der SPD für den Wahlkreis Bodensee den Schülergruppen in der Aula der Constantin-Vanotti-Schule Rede und Antwort stehen. Die amtliche Mitteilung aus dem Kultusministerium hatte bereits vor einigen Wochen zu heftigem Protest von Linken und Piraten und zu einer Anfrage der Piratenpartei beim Kultusministerium geführt.

OB: Eine Stimme für Jugendliche

Bei der „U18-Jugendwahl“ werden aber – so wie auf den Originalstimmzetteln am 27. März – alle Parteien stehen, die zur Wahl zugelassen sind. Das ist landesweit und auch in Überlingen so. „Wir wollen jungen Menschen die Themen Politik und Wahlen näher bringen“, sagte die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker (CDU), deren Lebensgefährte Martin Hahn im Bodenseekreis Landtagskandidat von Bündnis90/Die Grünen ist. Weiter sagte die Oberbürgermeisterin, die „U 18-Jugendwahl“ solle die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, dass Kinder und Jugendliche „eine Stimme haben, die gehört werden sollte“.

Schüler lernen Politik verstehen

Andreas Glöser, Lehrer an der Constantin-Vanotti Schule und Ansprechpartner für die Politik-AG, sagte, dass es Ziel sei, junge Menschen dabei zu unterstützen, Politik zu verstehen und Unterschiede in den Partei- und Wahlprogrammen zu erkennen. Jugendliche sollten lernen, Versprechen von Politikerinnen und Politikern zu hinterfragen.

Wählen dürfen auch Schüler ohne deutschen Pass

Die Politik-AG der Constantin-Vanotti-Schule besteht aus engagierten Schülern, die sich aktiv mit aktuellen und grundsätzlichen Themen der Gesellschaft auseinandersetzen und gleichzeitig die politische Bildung junger Menschen durch Information und Partizipation voranbringen möchten. Max Radzanowski und Michael Löffler von der Politik-AG sagten, bei der U18-Jugendwahl dürfen alle Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufen 8 bis 11 wählen, unabhängig von ihrer Nationalität.

Selbstverständnis der Politik-AG

Die Wahl selbst sei aber nur der Höhepunkt einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit Politik. In den Wochen vor der Wahl, könnten die jugendlichen Wähler im Unterricht und an den Informationsständen der jugendpoltischen Gruppen erfahren, wie Demokratie funktioniert und was politisches Engagement bedeutet, so Michael Löffler. Der Politik-AG gehe es nicht darum, den Schülern und Schülerinnen eine Wahlempfehlung zu geben, sondern den interessierten Jugendlichen die bestmögliche Information zu den Wahlprogrammen.

Auszählung der „U18-Wahl“ am 27. März

Die eigentlichen „U18-Jugendwahl“ wird es dann in der Woche vor den Landtagswahlen vom 21.bis 25. März stattfinden, so Jugendreferentin Daniela Joos. Die abgegebenen Stimmen werden am eigentlichen Wahltag, dem 27. März, ausgezählt.

Foto: Gerd Altmann, Carlsberg1988 PIXELIO www.pixelio.de

2 Kommentare to “Vorbildlich: „U18 Jugendwahl“ in Überlingen”

  1. Steuerzahler
    27. Februar 2011 at 09:29 #

    Wahlrecht nur für Steuerzahler!

  2. Lothar Herzog
    28. Februar 2011 at 11:12 #

    Es zeigt ein sehr seltsames Demokratieverständnis wenn sich
    die anderen Parteien / Gruppierungen nicht den Jungen Leuten
    vorstellen durften.
    Ich denke das die Jugend heute reif genug ist zwischen Leuten
    die es ehrlich meinen und sogenannten Rattenfängern zu
    unterscheiden.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.