Wahlcheck Landtagswahl: So hat die Konstanzer SPD abgeschnitten

SPD erreichte ihre Wähler in ihren Hochburgen nicht und liegt in Konstanz nur noch bei 21,7 Prozent

Konstanz. Für die Konstanzer SPD ging die Landtagswahl 2011 schlecht aus. Die Ausrede, dass Konstanz eine Unistadt ist, zählt nicht. Denn in Freiburg oder Tübingen schnitt die alte Volkspartei vergleichsweise besser ab. In Konstanz hat nicht nur die Altstadt grün gewählt. Die SPD hatte ausgerechnet in ihren traditionell besten Bezirken ein Mobilisierungsproblem. Sie hat die Menschen nicht mehr erreicht.  Jetzt hat sie bis zur OB-Wahl 2012 und der Bundestagswahl 2013 Zeit, dass sich was dreht.

Wahlanalyse der Stadt Konstanz

Die Wahlanalyse der Stadt Konstanz zur Landtagswahl 2011 zeigt, in welchen Teilen der Stadt die Wählerinnen und Wähler der jeweiligen Parteien leben und ob und wo die Parteien Stimmen gewonnen oder verloren haben. Sie gibt Antworten auf die Frage: Welche Parteien haben in welchen Wahlkreisen in Konstanz ihre Hochburgen? Wie hat die eigentlich die einst stolze Volkspartei SPD in Konstanz abgeschnitten und wie hat sie im Vergleich zu anderen Städten abgeschnitten?

SPD im Städtevergleich

Der Städtevergleich zeigt, dass die SPD 21,7 Prozent der Stimmen holte und damit weniger als die SPD in anderen Unistädten wie Heidelberg, Tübingen oder Freiburg. Besser als die SPD in Konstanz schnitt die SPD auch in der 80.000 Einwohnerstadt Villingen-Schwenningen oder in der zweit größten Stadt am Bodensee, in Friedrichshafen, ab. Die Konstanzer SPD war aber besser als die SPD in der Landeshauptstadt. In Stuttgart kam die SPD mit 20,4 Prozent auf einen noch geringeren Stimmenanteil als in Konstanz. Trotzdem fühlt sie sich nun in Konstanz und im Land als Gewinnerin.

Wahlbeteiligung knapp unter Landesschnitt

Im Wahlkreis 56 Konstanz standen bei der Wahl am 27. März die Namen von neun Bewerberinnen und Bewerbern von CDU, SPD, Grünen, FDP, Linker, Rep, NPD, ÖDP und Piraten auf dem Stimmzettel. Die Wahlbeteiligung lag bei 65, 8 Prozent und damit knapp unter dem Landesschnitt. Auch die SPD schaffte es nicht, ihre Wähler zu mobilisieren. Liegen könnte das am Landestrebd, an Gesichtern und an Themen. Das Direktmandat in Konstanz holte im Wahlkreis Siegfried Lehmann (Grüne).

Grüne und rote Bezirke

Nicht punkten konnte die SPD im linksrheinischen Konstanz. Hier liegen die Grünen vorn. Die mit Abstand meisten Wähler der Grünen wohnen in der Altstadt. Hier holte die grüne Partei 46 Prozent der Stimmen – die SPD schaffte es in der Altstadt mit 20,2 Prozent dagegen auf nicht einmal halb so viele Stimmen. In keinem einzigen Konstanzer Bezirk lag die SPD vor den Grünen. Am stärksten war die SPD in Konstanz im Bezirk Fürstenberg, wo sie auf 24,9 Prozent der Stimmen kam. Gegenüber der Landtagswahl von 2006 verlor sie in Konstanz insgesamt 1,2 Prozentpunkte. Die SPD gewann aber trotzdem 2000 Stimmen hinzu, was aber auf eine höhere Wahlbeteiligung als bei der letzten Landtagswahl zurückzuführen ist. Die Grünen haben viel mehr Stimmen gewonnen.

Beste Bezirke der SPD

Am besten abgeschnitten hat die SPD in Fürstenberg (24, 9 Prozent), in Wollmatingen und Petershausen West (jeweils 24,4 Prozent). In Fürstenberg und Petershausen West gibt es viele Wohnungen im Geschosswohnungsbau und die Bezirke sind durch eine hohe Verdichtung gekennzeichnet. Wollmatingen ist ein Zuzugsstadtteil, in dem sich auch viele junge Familien niedergelassen haben, sagt die SPD. Vielleicht ist es aber auch anders. Denn, wie die Wahlanalyse des Statistischen Landesamtes zeigt, verlor die SPD in allen Altersgruppen – außer bei den über 60-Jährigen. Bei den Wählerinnen im Alter von 35 bis 44 Jahren hatte die SPD mit lediglich 18,2 Prozent  insgesamt sogar den geringsten Rückhalt – was gegen die These vom Erfolg bei jungen Familien spricht. Wo die SPD wie in Petershausen West und Fürstenberg gut abgeschnitten hat, holte übrigens auch die Linke überproportional viele Stimmen. Auch sie wurde häufig von alten Männern gewählt.

Schwächste Bezirke der SPD

Am schwächsten war die SPD in Dingelsdorf (17,3 Prozent), in Wallhausen (17, 7 Prozent) und in Staad (18,6 Prozent). In diesen Bezirken wohnen Wähler mit einem hohen Bildungsstand und hohem Einkommen. Die Siedlungsstruktur ist durch einen hohen Teil freistehender Einfamilienhäuser und viel privatem Grün gekennzeichnet. Staad war traditionell schwarz-gelb und wählte dieses Mal auch grün. Die Grünen holten 33,8 Prozent der Stimmen und schlossen fast zur CDU mit ihren 35,2 Prozent auf. Traditionell schwach ist die SPD auch in Petershausen Ost, dem „Musikerviertel“, wo sie auf 18,9 Prozent der Stimmen kam. In Petershausen Ost liegen jetzt die Grünen mit 37 Prozent vor der CDU mit 31,5 Prozent.  Die SPD hat von Wählerwanderungen nicht profitiert.

SPD hatte Mobilisierungsproblem

Ausgerechnet in den Bezirken, in denen die SPD stark ist, also in Petershausen West und Wollmatingen war die Wahlbeteiligung niedriger als in anderen Teilen der Stadt. Das könnte bedeuten, dass es die SPD nicht ganz so gut geschafft hat, ihre Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Liegen könnte das auch an den Themen Atomausstieg und Energiepolitik, die zum Schluss die dominierenden Wahlkampfthemen waren. Ein Nachteil war aus Sicht der SPD auch der Ausfall der SPD-Landtagskandidatin, weshalb geplante Hausbesuche mit der Kandidatin nicht stattfinden konnten.

Botschaften des Wahlergebnisses

Für die SPD bedeutet das Wahlergebnis, dass sie in Zukunft gezielt Wahlkampf in den Quartieren machen muss, wo sie die höchste Zahl ihrer Stammwähler erreicht und es das größte Potenzial an Wechselwählern geben dürfte. Die Frage ist, wie es die SPD in Konstanz schafft, ihre Wählerinnen und Wähler anzusprechen. Gerade im Geschosswohnungsbau gibt es viele Einwurfverbote. Was für Werbung gilt, gilt auch für Kandidatenflyer. Gleichzeitig lesen immer weniger Menschen die lokale Tageszeitung. Im Internet ist es via Facebook und Twitter schwer, neue Menschen anzusprechen, die nicht sowieso schon zur Gruppe der Follower und Freunde gehören. Eine Alternative wäre es, die Sichtbarkeit im öffentlichen Raum zu verbessern. Plakate und offene Veranstaltungsformen könnten wieder wichtiger werden. Entscheidend dürfte die dauerhafte Präsenz der Partei – nicht nur vor Wahlen – sein. Es kommt darauf an, möglichst frühzeitig Unterstützer und Sympathisanten zu gewinnen. Zeit, dass sich bei der SPD etwas dreht.

Die komplette Wahlanalyse der Stadt Konstanz gibt es als PDF zum Download. Das Statistische Landesamt analysierte die Wahl landesweit.

 

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