Wahlwatching im Kreis Konstanz: Warum sollen wir diese Kandidaten wählen?

Lehmann und Hoffmann punkteten für Opposition und Regierung – Desaster für SPD-Kandidatin

Konstanz. Mit einem enttäuschenden Auftritt hat die SPD-Landtagskandidatin Zahide Sarikas am Montagabend in Konstanz mögliche SPD-Wähler verprellt. Kopfschüttelnd verließen Sympathisanten nach zwei Stunden den Wolkensteinsaal.

Von Gewinnern und einer Verliererin

Gepunktet hatten vor den rund 200 Zuhörern die beiden Landtagsabgeordneten Siegfried Lehmann (Bündnis90/Grüne) und Andreas Hoffmann (CDU). Und auch Tatjana Wolf (FDP), die genauso wie Zahide Sarikas als Politik-Amateurin antritt, zeigte, dass sie mindestens zwei Ligen über der SPD-Landtagskandidatin spielt.

Frontalunterricht statt Talk in Loungesesseln

Sie heißen Maischberger, Plasberg, Will, Jauch oder auch Bücklein. Ihre Gäste sitzen in bequemen Loungesesseln, reden, streiten und fallen sich gelegentlich auch ins Wort. Manchmal heißen sie aber auch Christoph Bauer und die Gäste Andreas Hoffmann (CDU), Zahide Sarikas (SPD), Tatjana Wolf (FDP) und Siegfried Lehmann (Bündnis90/Grüne). Sie nehmen dann auf harten Stühlen an einem langen Tisch Platz, der frontal vor den Zuhörern steht.

Kandidatenmonologe machen müde

Das Wort Podiumsdiskussion ist sperrig. Es hat 17 Buchstaben. Zwei Stunden sind lang, wenn eben nicht gestritten und miteinander geredet wird und es keine witzigen oder spontanen Zwischenrufe, sondern ellenlange Monologe gibt. Christoph Bauer, Vorsitzender des Ortsvereins der Freien Wähler Gemeinschaft, bemühte sich. Er ließ aber zu, dass die Kandidaten viel zu ausufernd redeten. So waberten Sätze durch den Raum, die sich wieder verflüchtigten und deren Halbwertzeit kürzer war als die Redezeit des Kandidaten.

Blutleere rote Opposition

Während Andreas Hoffmann und Siegfried Lehmann klare, wenn auch Antworten in Überlänge gaben und mit Wissen punkteten, fiel Zahide Sarikas im Laufe des Abends immer weiter zurück. Es war nicht nur ein Sprachproblem. Sie beschrieb wortreich Zustände, redete von Hoffnungen, versäumte es aber, ihren persönlichen Standpunkt klar zu machen oder Perspektiven aufzuzeigen. Während Andreas Hoffmann zum Beispiel begründete, weshalb er persönlich kein Befürworter der Homoehe ist und Siegfried Lehmann über die Notwendigkeit von Volksbegehren sprach, hatte die SPD-Kandidatin nur Phrasen zu bieten – und die auch noch schlecht vorgetragen.

Kandidaten ohne Kanten

Er wisse noch immer nicht, wenn er wählen sollte, sagte ein Zuhörer fast am Ende des Podiumsgesprächs. Später wollte eine Zuhörerin dann von jedem Einzelnen wissen, weshalb sie ausgerechnet Hoffmann, Sarikas, Wolf oder Lehmann wählen sollte. Auch da blieb die SPD-Kandidatin blass. Hoffmann verwies auf die Arbeit, die er in zehn Jahren für den Wahlkreis geleistet hat, Lehmann sagte, dass es nach 57 Jahren Zeit für einen Wechsel und eine andere Politik sei und Wolf empfahl sich als problem- und lösungsorientiert arbeitende Politikerin.

Wissen und Glaubwürdigkeit

Später bei einem Bier im Wessenberg sagte ein parteipolitisch unabhängiger Zuhörer im Nachgespräch, es sei doch klar, dass die Landtagsabgeordneten bei einer Podiumsdiskussion im Vorteil seien, da sie über mehr Wissen verfügten. B 33 und die Gäubahn seien die besten Beispiele. Entscheidend aber wäre der Wissensvorsprung im Wolkensteinsaal nicht gewesen. Bei einer Podiumsdiskussion geht es um Glaubwürdigkeit und darum, wie sich ein Kandidat oder eine Kandidatin präsentiert. Trauen ihm oder ihr die Wähler zu, dass er ihre Interessen vertritt oder vermasselt er es?

Vernichtendes Urteil bei Twitter

Auf Twitter war noch während der Podiumsdiskussion zu lesen: „Sorry liebe SPD, eure Kandidatin geht mal gar nicht. #Kandidatin#Konstanz Fachwissen Fehlanzeige“ oder „Die Frau von der SPD ist so ziemlich lasch, flache Meinung, wenig Fachwissen #Konstanz #kandidaten“.

Foto: Dieter Schütz PIXELIO www.pixelio.de/wak

6 Kommentare to “Wahlwatching im Kreis Konstanz: Warum sollen wir diese Kandidaten wählen?”

  1. heinzkamke
    22. Februar 2011 at 10:34 #

    Oh, ungewöhnlich deutliches Urteil. Empfinde ich als wohltuend (unabhängig von politischer Couleur).

    Noch ein kurzer Hinweis: der erste Satz im Abschnitt „Kandidaten ohne Kanten“ ließe sich noch optimieren.

  2. Bruno Neidhart
    22. Februar 2011 at 12:58 #

    Abgeordnete Platzhirsche haben es bekanntlich immer leichter, sich in solchen Arenen zu profilieren. Es geht bei diesen Veranstaltungen aber auch weniger um Realisiertes, sondern um weitere politisch relevante Projektionen. Beim Letzteren kann man schon auch mal etwas im Un-Verbindlichen stecken bleiben, wie es die SPD-Bewerberin laut Bericht anscheinend anbot, sie darin gar als „blass“ bezeichnet wird. Das ist an sich politisch kein neues Gefühl! Das Verbindliche können allerdings auch andere Bewerber am Talk-Tisch nicht garantieren. Abendliche Wortgewandtheit ist gut, aber eben auch nicht alles – bei allem Fachwissen durch „zwangsläufige“ parlamentarische Erfahrung. Zwei zufällige (Negativ-) Beispiele: 1. Der unbestritten dringliche, mehrspurige Ausbau der Bundesstrasse zwischen Konstanz und Markelfingen wurde durch die jahrzehntelang stets gleiche „christlich-freidemokratisch“ dominierte Regierungsmannschaft des Landes nicht geleistet und ist erst jetzt im Anrollen. 2. Bessere, weniger belastende Verkehrsverhältnisse sind in Konstanz trotz langjährigem, grünen Oberhaupt noch längst nicht in trockenen Tüchern. Man erkennt dabei, wie bei allen guten Absichten einzelner Regionalpolitiker Politik letztlich doch recht komplex sein kann. Durchaus tüchtig herumwirbelnden Abgeordneten sind dabei nicht mal Vorwürfe zu machen. Ob man sich in eine Abgeordnetenmaterie nach einer Anlaufzeit hinein begeben kann, sogar „Blässe“ hinter sich lassend (!), muss sich früher oder später bei den Wählern widerspiegeln. Parteien müssen selbst wissen, wen sie dafür als fähig erachten. So auch die SPD.

  3. Lothar Herzog
    22. Februar 2011 at 14:45 #

    Den Kommentar zu „2“ hat Lothar Herzog nicht abgegeben.
    Lothar Herzog benutzt kein Twitter und kennt sich daher damit
    nicht aus.
    Wenn jemand meinen Namen hier benutzt ist dies nicht gut.

  4. wak
    22. Februar 2011 at 15:11 #

    @Lothar Herzig Ich habe den betreffenden Kommentar gelöscht und den Kommentator gebeten, unter einem anderen Benutzernamen zu veröffentlichen.

  5. Lothar Herzog
    22. Februar 2011 at 15:37 #

    Danke für die Richtigstellung. Merkwürdig ist es aber schon
    unter meinem Namen etwas zu schreiben.
    Sollte ich damit in Misskredit gebracht werden? Derjenige der
    den Kommentar geschrieben hat sollte sich schämen.

  6. wak
    22. Februar 2011 at 15:41 #

    @Lothar Herzog Der Kommentator wollte gerade noch einmal einen Kommentar platzieren. Er landete im Spam-Ordner. In Misskredit bringen wollte er offenbar auch mich.

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