Wahlwatching in Konstanz: Mehrwertsteuer an Bärlauchsüppchen

FDP wahlkämpft mit Staatssekretär Ernst Burgbacher bei Konstanzer Gastronomen

Konstanz. Gastronomen werben um Nachwuchs. Kochen ist Krieg – eine Ausbildung in der Gastronomie kann aber auch eine Berufsperspektive für junge, motivierte Menschen unterschiedlicher Nationalitäten sein. Von den Liberalen fühlen sich die Gastronomen besonders verstanden. Und das ist gut so. Der FDP verdankt die Branche zum Beispiel den verminderten Mehrwertsteuersatz für das Hotelgewerbe.

Persönlicher Austausch statt Podium

Wahlkampf findet nicht immer in Sälen und vor Publikum statt. Manchmal setzen sich Wahlkämpfer auch an eine schön gedeckte Tafel. Bei Bärlauchsüppchen, Apfel-Lauch-Salat mit gemischtem Blattsalat, Böhmischem Rinderbraten vom Hinterwälder Biorind und Dessert lässt es sich in angenehmer Atmosphäre ins Gespräch kommen. Der persönliche Austausch und das Zuhören stehen bei solchen Wahlkampfterminen im Vordergrund.

Mehrwertsteuersatz zu hoch

Natürlich hätten die Gastronomen und Freizeitdienstleister auch noch den einen oder anderen Wunsch, den ihnen die Politik bisher nicht erfüllt hat: Wer der Gastronomie helfen und sie als Wähler gewinnen möchte, sollte zum Beispiel zu aller erst den Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent senken und Gastronomen nicht mit noch mehr starren Vorschriften und Bürokratie belasten. Das sind in etwa die wichtigsten Botschaften, die Konstanzer Wirte im Wahlkampf Landtagskandidatin Tatjana Wolf und Staatssekretär Ernst Burgbacher, beide FDP, in der Konzilgaststätte mit auf den Weg gegeben haben.

Drei Wirte – zwei Politiker

Die FDP hatte nicht zufällig zum Treff mit Konstanzer Gastronomen geladen. Die Wirte Manfred Hölzl (Konzilgaststätten), Dieter Wäschle (Petershof) und Florian Miehle (Barbarossa) nutzten das Gespräch um mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Mittelstand und Tourismus, dem Paralmentarischen Staatssekretär Ernst Burgbacher, über all das zu reden, was den deutsche Hotel- und Gaststättenverband, DEHOGA, so umtreibt.

Vom Arlberg an den Bodensee

Auch die Gastronomen bewegt der angekündigte Mangel an Fachkräften. Die Gastronomen stehen mit Handwerk und Industrie in Konkurrenz und werben um Auszubildende. Junge Menschen mit Hauptschulabschluss hätten in der Gastronomie genauso eine Chance wie Schüler mit dem Mittleren Bildungsabschluss oder sogar mit Abitur. 2300 Gästebetten gibt es in Konstanz, sagt Manfred Hölzl. Im Februar fuhren die Konstanzer nach Zürs zu einer Mitarbeiter-Börse. An einem Nachmittag kamen sie mit 50 qualifizierten Bewerbungen im Gepäck wieder zurück. Wenn am Arlberg Schluss ist mit der Saison, fängt sie am Bodensee an.

Kreative Arbeitszeitmodelle

Andere Gastronomiemitarbeiter kamen mit Hilfe von Zeitarbeitsmodellen und Restprovisionen durch den Winter. Sie hatten vier Monate Pause und waren dennoch durchbeschäftigt. Dafür müssen sie im Sommer flexibel sein, freie Tage schieben und auch zehn statt acht Stunden arbeiten. So sagt es Manfred Hölzl. Dieter Wäschle redet über Zukunftsperspektiven und davon, dass es Beschäftigte in der Gastronomie eher mit den „schönen Dingen des Lebens“ zu tun hätten. Wäschle spricht von der Leidenschaft, dem Feuer und dem Spaß beim Arbeiten in der Gastronomie.

Klage über Mehrwertsteuersatz

Die wichtigste Forderung die Gastronomen an die Politik haben, ist klar der nach einem Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent statt 19 Prozent. Gegenüber Gastronomen in anderen Staaten seien die deutschen benachteiligt. Der Konstanzer Bäderchef Georg Geiger schließt sich dem Wunsch nach einem niedrigen Mehrwertsteuersatz an und sagt, dass die Preise für einen Thermenbesuch merklich steigen würden, sollte der Merhwertsteuersatz von aktuell 7 Prozent auf 19 Prozent erhöht werden.

Gastronomen kalkulieren knallhart

Manfred Hölz spricht die Lohnnebenkosten an. Sozialversicherungsbeiträge dürften nicht weiter steigen. Dasselbe gelte für Energiekosten. Auch immer neue Auflagen tun den Gastronomen weh. Wäschle sagt es deutlich: Manche könnten ihrer Betriebe nur halten, weil sie selbst praktisch rund um die Uhr im Betrieb stehen. Florian Miehle hat sich noch den Blick von außen bewahrt. In anderen Ländern sei vieles wesentlich einfacher. Der Kündigungsschutz zu Beispiel sei so eine Sache. In seiner Zeit in New York sei das einfacher gewesen. Burgbacher dürften solche Wünsche nicht fremd sein und auch nicht gegen den Strich gehen. So wie es aussieht sind die Vorschläge der Gastronomen und das Parteiprogramm der FDP kompatibel.

Tatjana Wolf über Verbraucherschutz

Würde die FDP in Konstanz bei der Wahl am 27. März genauso gut abschneiden wie bei der letzten Landtagswahl, würde es Tatjana Wolf sogar in den Landtag schaffen. Denn am 27. März zählt nicht mehr die absolute Stimmenzahl, sondern der prozentuale Anteil der Stimmen in einem Wahlkreis oder das Direktmandat, weshalb Kandidaten im kleinen Konstanzer Wahlkreis plötzlich bessere Chancen haben. Tatjana Wolf erklärt spontan, sie möchte weniger Vorschriften. Sie sagt: „Ich weiß nicht, ob das jetzt FDP-Meinung ist.“ Von zu vielen Kennzeichnungspflichten, die auch noch aushängen müssten, halte sie nichts. „Wir leben in einer Wissensgesellschaft und sind mündige Bürger.“ Auf Nachfrage sollten die Verbraucher Auskunft bekommen – nicht aber in Kleingedrucktem und zu vielen Informationen sozusagen untergehen.

Fotos: wak

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