Warnung vor Stress-Test

Rote Karte für Scientologen

(wak) Wenn Scientologen in Innenstädten stehen, beäugt der Konstanzer Journalist Holger Reile die Menschenfischer misstrauisch. Der Autor sieht in den Aktivitäten der Scientologen, die sich selbst als Religionsgemeinschaft bezeichnen, eine Gefahr. Leichtgläubige und Labile könnten schnell zu Opfern werden. „Scientology hat nichts mit Kirche oder Glauben zu tun“, sagt Reile. Obwohl die Scientology-Bewegung sich als Kirche bezeichnet und sich auf christliche Inhalte beruft, ist sie auch nach Ansicht der evangelischen und katholischen Kirche nicht als christliche Gemeinschaft zu betrachten.

Verbot nicht durchsetzbar

Der Journalist redet davon, dass die Organisation ihre Mitglieder „psychisch deformiert“ und „finanziell ausbeutet“. Ginge es nach Reile, sollten Städte dem geschulten Personal der Scientologen möglichst wenig öffentlichen Raum überlassen. Ganz verbieten dürfen die Ordnungsämter die Auftritte aber nicht – denn die Orgnaisation ist genauso wenig wie die NPD verboten.

Weißer Fleck Überlingen

Wenn Städte die Sondernutzungen in öffentlichen Straßen und Fußgängerzonen neu regeln, könnten sie den Scientologen aber das Leben schwerer als bisher machen, hofft Reile. In Konstanz, der größten Stadt am See, hat die Verwaltung nach Angaben von Hans-Rudi Fischer vom Bürgeramt in diesem Jahr fünf Stände genehmigt. Es habe verschiedene einschränkende Nebenbestimmungen gegeben, so Fischer. Die Stadt Überlingen dagegen haben die Scientologen bei ihren Aktionen offenbar noch ausgelassen. Was Stände in der Fußgängerzone angeht, ist sie ein weißer Fleck. Eine Anfrage gab es nach Auskunft des Ordnungsamts bisher noch nicht.

Vorbild Rendsburg

Dass Städte mit Auflagen den Scientologen tatsächlich das Leben schwer machen könnten, hätten Hamburg und Rendsburg bewiesen, sagt der Konstanzer Journalist. Dasselbe Verhalten erhofft sich Reile, der die Zahl der Scientologen bundesweit auf 6000 bis 8000 schätzt, in Zukunft von den Städten am Bodensee.

Stress-Test am E-Meter

Ein ganz normaler Einkaufssamstag in Konstanz. Menschenmassen strömen über die Konstanzer Marktstätte. In Höhe des Sparkassen-Gebäudes sprechen einige Frauen und Männer einzelne Passanten an. Sie wollen die Unbeteiligten zu einem kostenlosen Stress-Test bewegen. Wer sich auf den Test einlässt, hat schnell zwei Metallröhren in der Hand. „Sie sehen aus wie Cola-Dosen“, sagt Reile über das Gerät, das die Scientologen E-Meter nennen. Passanten, die empfänglich sind und sich leicht manipulieren lassen, beginnen damit, ihr Innerstes nach außen zu kehren. Leichtgläubige lassen sich schnell verführen – weiß Reile. Auch die Scientologen wissen es. Dasselbe Szenario wäre – ohne viel Fantasie – auch in Überlingen vorstellbar. Die Scientologen stünden dann vielleicht in der Münsterstraße gegenüber des historischen Rathauses.

Adresse abgefragt

Passanten, die am Stand nicht aufpassen, begeben sich immer weiter in die Fänge des geschulten Scientology-Personals. Die Mitglieder empfehlen den verunsicherten und für die Botschaft der Organisation empfänglichen Passanten nach dem Stress-Test das Buch von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard. Verkaufen dürfen es die Mitglieder an ihrem Stand in Konstanz aber nicht. Wer seine Adresse angibt, bekommt es zugeschickt und dazu auch gleich noch einige Kursangebote, berichtet der Journalist. Holger Reile. Er vermutet, dass die Aktion in Konstanz von Stuttgart und Zürich aus gesteuert wird. Reile hat den Selbstversuch gemacht und vorgegeben, sich für das Buch zu interessieren. Die Scientologen beschimpften ihn später als so genannte „unterdrückerische Person“.

Reile will sensibilisieren

Reiles Anliegen ist die Sensibilisierung der Menschen im Bodenseeraum. Er warnt auch, weil er weiß, dass in der Organisation eine strenge hierarchische, fast militärische Disziplin herrscht. Die Kontrolle ist total. Mitglieder dürften keinen Kontakt zu Kritikern der Lehre, so genannten Suppressive Persons oder Unterdrückern haben. Die Konsequenz sei oft die Trennung von der Familie und Freunden. Wer sich nicht unterwirft und Mitglied ist, wird selbst als so genannte Potential Trouble Source (PTS, Ärgernisverursacher) bestraft.

Info

Mehr über Scientology gibt’s im Internet zum Beispiel bei Spiegel Wissen unter http://wissen.spiegel.de/wissen/resultset.html?suchbegriff=scientology.

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