Was wir schon immer übers „Social Web“ wissen wollten

Neuauflage über Praxis und Theorie des Web 2.0 – 300 Seiten Wissen und wie das Web das Leben verändert

Konstanz. Die Halbwertzeit von Wissen verringert sich in atemberaubendem Tempo. Erst Recht trifft das auf das Wissen übers Web zu. Ein Handbuch mit dem Titel „Social Web“  zu veröffentlichen, wie es Anja Ebersbach und Markus Glaser, beide sind in Konstanz promovierende Informationswissenschaftler, und der Regensburger Historiker Richard Heigl getan haben, ist riskant. Gerade erst ist die zweite völlig überarbeitete Auflage erschienen. Google Plus kommt in dem 300 Seiten dicken Werk noch nicht einmal vor. Trotzdem ist „Social Web“ eine praktische Einführung für alle, die sich über das „Social Web“, über Begrifflichkeiten, Zusammenhänge und Trends informieren möchten.

Web 2.0 Einführung

Google Plus wächst angeblich so schnell wie noch kein anderes soziales Netzwerk. Das Tempo ist rasant. Gut einen Monat nach dem Start sollen bereits 25 Millionen Menschen Google Plus nutzen. Anja Ebersbach und Markus Glaser, beide Informationswissenschaftler, und der Historiker Richard Heigl beschränken sich in ihrem Handbuch nicht auf soziale Netzwerke. Deswegen ist es keine Katastrophe, dass Facebook-Konkurrent Google Plus noch nicht vorkommt. Die Autoren bieten eine sehr anschauliche Einführung ins Social Web überhaupt. Einsteiger, die ein umfassendes Nachschlagewerk suchen, das ihnen erklärt wie Twitter funktioniert, was ein Feedreader ist, woher die Bezeichung Weblog kommt oder was Tagging meint, können sich mit Hilfe des Buches einen sehr guten ersten Überblick verschaffen. Streng genommen handelt „Social Web“ vor allem davon, wie wir das Web 2.0 nutzen, und es liefert darüber hinaus Hintergrundwissen übers Social Web.

Ausführliche Beschreibungen

Anja Ebersbach, Markus Glaser und Richard Heigl beschreiben ausführlich Praxis und Theorie des Social Web. Die technische Seite kommt im Buch zwar auch vor, die gerade einmal 20 Seiten spielen aber nur eine untergeordnete Rolle. Der Praxisteil ist rein deskriptiv. Hier berichten die Autoren wie Wikis, Blogs, Microblogs, Social Networks und Social Sharing funktionieren. Die Leser begegnen am Rande auch dem „Bildblog“, „Netzpolitik“, „Fefes Blog“ und erfahren vom Verkauf des Blogs „Basicthinking“, mit dem der Blogger Robert Basic 2009 für Aufsehen sorgte. Wer keine Anfänger ist, kann hier getrost ein paar Absätze überspringen.

Spannende Reflexionen im Theorieteil

Spannender für Fortgeschrittene ist der Theorieteil. Hier geht es um Gruppenprozesse und um die gesellschaftliche Bedeutung oder darum, was das Web 2.0 verändert und mit uns macht. Es geht um Communitys, den Unterschied zwischen „Face-to-Face“ Kommunikation und „computervermittelter“ Kommunikation, die wegen fehlender Gebärden, Mimik, Tonfall, Blicken und Körperberührungen grundsätzlich anders ist als Kommunikation im Real Life. Der Vorteil: Es gibt im Netz weniger Hürden. Die Autoren üben Kritik am „ewigen Beta“, das den Benutzern „vor die Füße geworfen“ werde. Es geht um öffentliche Meinung, Journalismus und Blogs. Das kurzfristige Auftreten der Piratenpartei und deren „kurze Blüte“ ziehen die Autoren als Beispiel dafür heran, dass das Web auch politische Bewegungen initiieren kann. Die Autoren streifen das Thema Geschäftsmodelle im Social Web, erklären den „Long Tail“, wie Werbung oder Micropayment funktionieren, und kommen auch auf juristischer Aspekte wie Urheber- und Persönlichkeitsrechte zu sprechen.

Wissen über das Web 2.0 kompakt

Die Autoren kommen nach knapp 300 Seiten zum Schluss: „Wir können davon ausgehen, dass das Web auf lange Zeit das Leitmedium ist, über das sich Menschen austauschen und koordinieren.“ Die historische Parallele zum Buchdruck sei offensichtlich. Flugblätter, Zeitschriften und Bücher veränderten das Leben. Die Printmedien in Kaffeehäusern, Salons und Universitäten spielten wohl einmal die Rolle, die heute das Social Web spielt – so ähnlich sagen es die Verfasser. Auch deswegen ist es wichtig, sich – notfalls auch mit Hilfe eines gedruckten Buches – Wissen über das Web 2.0 anzueignen. Das gerade neu erschienene vollkommen überarbeitete Hand- und Arbeitsbuch, das „Social Web“ mit den Fragen an den Kapitelenden auch ist, könnte ein nützlicher Coach und Guide durch die schöne neue Welt sein.

 Tipp: Anja Ebersbach, Markus Glaser, Richard Heigl, Social Web, 2., überarbeitete Auflage 2011, 316 Seiten, ISBN 978-3-8252-3065-4, Euro (D) 19,90 / Euro (A) 20,50 / SFr 28,90, lieferbar. http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783825230654

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