Wer in Konstanz für die staufreie Stadt zahlt

Stadtmarketing-Chef Hilmar Woernle fordert Zwischenlösung – Beschluss des Mobilitätskonzepts erst 2013

Konstanz. Konstanz kann staufreie Innenstadt. Das haben die vier Adventssamstage des vergangenen Jahres gezeigt. Satte 58.000 Euro hatte die Stadt an den Einkaufssamstagen in eine bessere Verkehrsführung und Lenkung investiert. Die Autofahrer wurden zu P+R Parkplätzen geleitet und die Akteure hatten massiv für den Umstieg auf dem ÖPNV geworben. Jetzt steht Konstanz wieder vor einem hektischen Einkaufswochenende mit einem Einkaufssamstag und zusätzlich einem verkaufsoffenen Sonntag zum Frühlingsanfang. An Ostern startet dann auch noch die Fremdenverkehrssaison. Die Verkehrsengel sind nach Weihnachten aber genauso wieder aus dem Stadtbild verschwunden wie die Leihfahrräder an P+R Plätzen oder kleine Give aways unter den Sitzen der Stadtbusse.

Politische Entscheidung über Verkehr

In der kommenden Woche steht das Thema Verkehrsführung und ein Rückblick auf die Adventssamstage auf der Tagesordnung des Konstanzer Gemeinderats. Vollkommen unklar ist, ob es eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte geben wird. Da das Handlungskonzept Mobilität vom Gemeinderat erst Ende des Jahres 2013 beschlossen werden soll, braucht es eine Zwischenlösung, fordert der Konstanzer Stadtmarketing-Chef Hilmar Wörnle.

Liga der attraktiven Städte

Wörnle kommt richtig ins Schwärmen. Er sagt: „In Venedig gibt es 14 Millionen Tagesgäste und in Heidelberg sechs Millionen – wie viel sind es in Konstanz?“ Die richtige Antwort laute sieben Millionen. Die Quelle, sagt Wörnle, falle ihm gerade nicht ein. Die Zahlen waren aber so beeindruckend, dass sie sich der Stadtmarketing-Chef einfach so gemerkt hat.

Profiteure sollen zahlen

Wenn Wörnle zurück auf die Adventssamstage blickt,  die so gut gelaufen sind,  fällt ihm spontan eine Frage ein. „Wer hat profitiert?“ – diese Frage  wirft Wörnle in den Raum. Er ist sich sicher: „Nicht nur der Handel.“ Dann zählt er auf: Es gab praktisch keinen Park-Such-Verkehr im Paradies und auch aus Stadelhofen sei der Verkehr draußen gehalten worden. Das war gut für die Bewohner. Zu den Gewinnern gezählt hätten auch die Konstanzer Stadtwerke mit ihren Bussen. Die seien nämlich pünktlich angekommen, da sie nicht an den Adventssamstagen im Stau standen. Auch wenn es Wörnle nicht so direkt sagt: Ihm schwebt die Fortsetzung des Projekts Verkehrsleitung vor und er hielte eine Mischfinanzierung für gerecht.

Treffpunkt Konstanz bietet Gratisbusfahrten

Am kommenden verkaufsoffenen Sonntag geht der Treffpunkt Konstanz schon einmal mit gutem Beispiel voran. Der Stadtverkehr ist von 12 bis 20 Uhr gratis. Auf diese Weise will der Handel möglichst viele Kunden stressfrei in die Stadt und wieder aus ihr heraus bringen. Mit einem Plakat bewerben die Initiatoren ihren kostenlosen ÖPNV Tag.  (Hier geht es zum  Plakat.)

Szenarien für Spitzentage

„Was wäre die Alternative?“, fragt der Mann, der in Konstanz zwar nicht für den Verkehr, aber fürs Stadtmarketing zuständig ist. Es brauche eine Zwischenlösung, bis der neue Masterplan Mobilität greife. Wieder kennt Wörnle die Antworten auf die drängende Frage nach den Möglichkeiten selbst am besten. Wörnle sagt, Konstanz könnte Parkhäuser bauen oder die Stadt versinke an Spitzentagen wieder im Chaos. Wörnle fragt: „Wie gehen wir mit dem Phänomen um?“

Verdrängen geht nicht

Ein Notfallszenario könnte es sein, am Zoll bei Klein-Venedig die Schranke zu öffnen und Autos an Spitzentagen zum Parken auf die Festwiese zu leiten. Im Sommer ist dies aber wohl kaum vorstellbar. Das weiß auch Wörnle. Zudem ist der Vorschlag nicht neu, und der Detailhandel in der Schweiz will davon nichts wissen. Trotzdem müsse Konstanz die „Spitzen brechen“. Die Zahl der Übernachtungen sei zuletzt um neun Prozent gestiegen. Solange der Frankenkurs hoch bleibt, werden auch die Schweizer Einkäufer weiter gern nach Konstanz kommen. Konstanz sei heute eine attraktive Einkaufsstadt. Zum Glück sei die Zeit vorbei, in der  die Konstanzer noch zum Einkaufen nach Singen gefahren sind. Die Stadt könne das Problem mit dem Verkehr nicht verdrängen.

Ein Kommentar to “Wer in Konstanz für die staufreie Stadt zahlt”

  1. SMK
    23. März 2012 at 15:10 #

    Liebe Frau Kässer,
    schön, daß Sie sich des Themas annehmen. Jedoch „fordern“ kann das SMK nichts. Insbesondere nicht bei einem so komplexen Thema wie dem Verkehr. Wir sind froh, vom Gemeinderat und Verwaltung die Möglichkeit bekommen zu haben, Verkehrsleitung auch mal so auszuprobieren. Alle Beteiligten von der Stadtverwaltung, der Polizei und den Stadtwerken waren mit dem Ergebnis und dem guten Zusammenspiel zufrieden. Und ob Konstanz Parkhäuser braucht oder nicht, fällt nicht in das Resort des SMK. So wichtig sind wir nicht. Diese komplexe Frage wird auf vielen Ebenen besprochen, abgewägt und letztlich vom Gemeinderat entschieden. Wir können nur festhalten, der Verkehrsservice im Advent hat funktioniert. Oder mir den Worten eines Busfahrers im Advent zu sagen: „He, so g…l war mein Job noch nie an Weihnachten- super!“.
    Natürlich sollten wir auch festhalten, daß wir hier eine ganz spezielle Herausforderung haben. Ich kenne viele Städte und Stadtmarketingkollegen, die unser Problem gerne hätten: viele, viele Gäste und Besucher. Ungern möchte ich dieses Phänomen exportieren, sondern lieber mithelfen die Folgen dieser gestiegenen Attraktivität unserer Stadt zu lösen. Der Verkehrsservice ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss – aber er funktioniert. Auch möchte ich nicht die Augen verschließen vor den Summen, die hier im Raum stehen. Doch kenne ich auch die Kosten, die man aufwenden muss, um ein negatives Image wieder loszuwerden. Und ungern möchte ich darüber nachdenken müssen, wie wir den möglichen Ruf einer Ewig-Stau-Stadt wieder revidiere. Das man über die Verteilung dieser Kosten nachdenken muss oder nachzusinnen wo Optimierungspotential steckt, ist doch nur natürlich. Für mich bleibt nach den Erfahrungen des Winters die positive Erkenntnis und Respekt vor dem Gemeinderat, dass er den Mut hatte es auszuprobieren, vor den Kollegen der Stadtverwaltung, die es prima eingeleitet und vor meinen Kollegen beim SMK die es ausgeführt haben. Und das war gut so. Alles andere, wird sich zeigen.
    freundlich grüßt zum sonnigen Wochenende
    Hilmar Wörnle

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