Wetzel: Alle Sextäter zum Psychiater

Rückfallquote bei Sexualstraftätern in Schweiz geringer

Bodenseekreis (red) Entlassene Sexualstraftäter wird die Polizei in Baden-Württemberg ab September stärker überwachen. Der FDP-Landtagsabgeordnete Hans-Peter-Wetzel geht aber noch einen Schritt weiter: „Wir müssen Sexualstraftäter nicht nur nach ihrer Haftentlassung besser im Auge behalten, sondern von vorneherein alles Menschenmögliche tun, damit sie hoffentlich nicht mehr straffällig werden.“ Deshalb wiederholt Wetzel nun seine Forderung nach einer obligatorischen psychiatrischen Begutachtung von Sexualstraftätern – und zwar bereits wenn sie vor Gericht stehen.

Nur 15 Prozent der Ersttäter wird psychiatrisch untersucht

Deutsche Gerichte jedoch nutzten diese Möglichkeit „erschreckend wenig“, sagt Wetzel, Strafvollzugsbeauftragter und Rechtspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag. Nur 15 Prozent aller Ersttäter, so Wetzel, würden psychiatrisch auf ihre Rückfallgefahr hin untersucht und selbst bei den einschlägig Vorbestraften seien es gerade mal 33 Prozent. „Das bedeutet: Zwei Drittel aller Wiederholungstäter landen ohne psychiatrische Begutachtung und spätere Betreuung im regulären Gefängnis statt im so genannten Maßregelvollzug.“ Es liege allein im Ermessen des Richters, ob er ein Gutachten beantrage oder nicht. Eine zwingende Untersuchung sei nur vorgesehen, wenn das Gericht Zweifel an der Schuldfähigkeit des Täters hat oder eine schwere psychische Störung vermutet. „Das ist ein gefährliches Glücksspiel“, warnt Wetzel. „Diese Einschätzung darf man nicht medizinischen Laien überlassen. Die Folgen müssen bei einem Rückfall Unschuldige tragen.“ Natürlich könnten sich manchmal auch Experten irren. Doch das geschehe viel seltener, als es manche Medien suggerierten. In der Schweiz jedenfalls, so Wetzel, habe man die Rückfallquote bei Sexualstraftätern durch die obligatorische psychiatrische Begutachtung von 40 auf fünf Prozent verringern können.

Foto: pixelio.de/Steffen Hellwig

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