Widerstand gegen Fracking formiert sich in Bodenseeregion

Unkonventionelle Förderung von Erdgas im Bodenseebereich – Bürger schlagen Alarm

Konstanz/Bodenseekreis. Zuerst formierte sich der Widerstand in Konstanz, jetzt sind auch Bürger auf der anderen Seite des Bodensees alarmiert. Sie, allen voran der Überlinger Verein Bürgersinn, fordern Politiker auf, sich gegen Fracking zu positionieren. Der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank hat es bereits getan. Da bei der unkonventionellen Erdgasförderung Fracking Chemikalien in den Boden gelangen, könnte vom Fracking eine Gefährung des Trinkwassers ausgehen. Der Bürgersinn schrieb: „Briefe haben wir geschrieben an die Städte Überlingen und Friedrichshafen und diese aufgefordert, so wie auch Konstanz, sich in einer Erklärung gegen Gasbohrungen zu stellen.“

Bürgerinitiative schlägt Alarm

Weitere Briefe haben erhalten haben am Freitag vergangener Woche die Bundestagsabgeordneten Riebsamen und Gerster, die Regierungspräsidien Tübingen und Freiburg, die Landratsänter Bodenseekreis und Konstanz, die Landtagsabgeordneten Hahn und Müller und das Institut für Seeforschung. „Hierin haben wir diese Stellen aufgefordert, sich für eine Änderung des überholten Bergrechtes einzusetzen“, schreibt Vereinsvorsitzender Henning von Jagow. Den Konstanzer Landtagsabgeordneten Siegfried Lehmann (Grüne) hat die Bürgerinitiative nur über ihre Aktion nur informiert, weil er sich von Anfang an gegen Gasbohren ausgesprochen hatte.

Gegen Beschädigung der Bodenseelandschaft

In einem Brief an die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker, den der Bürgersinn mitschickte, heißt es: „Wie Ihnen bekannt ist, sind wir ein kommunalpolitischer Verein in Überlingen mit zurzeit 235 Mitgliedern. Wir setzen uns u. a. dafür ein, dass die Bodenseelandschaft nicht weiter beschädigt wird. So haben wir in der Vergangenheit mehrfach die fortschreitende Bebauung der Uferzonen kritisiert und Abhilfe gefordert, was allerdings bis heute nicht zufrieden stellend geregelt ist.“

Erdgasbohrungen bewegen Bürger

Weiter heißt es: „Seit einigen Monaten befassen wir uns mit dem Thema Erdgasbohrungen. Hierzu haben wir eine öffentliche Informationsveranstaltung mit mehr als 100 interessierten Bürgern durchgeführt. In Baden-Württemberg werden Lagerstätten von unkonventionellem Erdgas vermutet. Sowohl in der Oberrheinebene als auch im Bereich des Bodensees sind entsprechende Konzessionsgebiete an verschiedene Firmen zugeteilt worden (www.lgrb.uni-freiburg.de). Dies bereitet uns große Sorgen. Das bergrechtliche Genehmigungsverfahren schreibt mehrere Schritte vor, die jeweils einzeln zu beantragen sind. Laufen diese Konzessionen (Erlaubnis zum Aufsuchen der Bodenschätze) aus, sind nur die ersten Schritte abgeschlossen, weitere Konzessionen oder Genehmigungen von Betriebsplänen können beantragt und bei ausreichenden Voraussetzungen der Antragsteller auch seitens der Bergbaubehörde erteilt werden. Eine Öffentlichkeitsbeteiligung bzw. eine weitreichende Transparenz ist hierbei nicht vorgesehen.“

Warnung vor Fracking

Die Bürger informieren: „Zur Gewinnung des unkonventionellen Erdgases soll im Raum Bodensee/Oberschwaben u.a. auch das Fracking-Verfahren eingesetzt werden, das schon anderorts zu erheblichen Schäden im Grundwasser geführt hat. Aber auch Bohren ohne Fracking beinhaltet ein hohes Risiko. Fachleute weisen darauf hin, dass die meisten Probleme hier aufgetreten sind durch Missachtung von Vorschriften und durch unprofessionelles Arbeiten.“

Problem Bergbaurecht

Weiter heißt es: „Das Bundesbergbaurecht enthält nur bedingt Bestimmungen zum Umweltschutz; die Länder und Kommunen haben hier fast keine Möglichkeiten zur Einflussnahme, da beispielsweise Umweltverträglichkeitsprüfungen nur bei Bedingungen vorgesehen sind, die bei Anwendung des Fracking-Verfahrens in der Realität nie erreicht werden (Fördervolumen > 500.000 m3/d).“

Foto: BSB

Hier geht es zu dem Film Gasland

httpv://www.youtube.com/watch?v=QxS5uv5t12M

4 Kommentare to “Widerstand gegen Fracking formiert sich in Bodenseeregion”

  1. Fafnir
    19. März 2012 at 09:56 #

    Was heisst schon „unkonventionell“? Wenn auf eine andere Art Erdgas gefördert wird, als bisher üblich, nenne ich das „technischen Fortschritt“. Es wird Zeit, daß wir uns endlich wieder zu Technikfreunden entwickeln und uns nicht mehr von ein paar weltbewegten und dauerbetrübten Philosophen ins Bockshorn jagen lassen, die zwar wenig wissen, aber ganz viel fühlen. Statt Initiativen gegen Alles, wären mehr solcher Initiativen wünschenswert: http://www.buerger-fuer-technik.de/

  2. Musikus
    19. März 2012 at 14:27 #

    Wie bei Tschernobyl und Fukushima?? Viel Spaß bei der Technik. Die Mehrheit der Menschen will lieber in einer gesunden und intakten Umwelt leben.

  3. Fafnir
    19. März 2012 at 20:37 #

    Eine gesunde und intakte Umwelt gibt es auch im Einklang mit Technik. Und was die Natur anbelangt: Blümchenwiesen und ständiger Sonnenschein sind reine Fantasiegebilde. Die Natur hat es noch nie gut mit den Menschen gemeint und seit es den Menschen gibt, hat er sich gegen sie behaupten müssen. Sonst könnten wir all unsere angenehmen Dinge heute nicht genießen.

    Was meinen Sie eigentlich mit Fukushima? Die Null Strahlentoten oder die 20.000 Tsunamitoten? Oder die trotz aller Zerstörung funktionierenden Maßnahmen? Oder meinen Sie damit, daß fast alle Evakuierten mittlerweil wieder zurückgekehrt sind? Und was für eine Bedeutung hat Tschernobyl? Außer Panik in manchen Köpfen. Und wenn Sie mit „der Mehrheit der Menschen“ kommen: Natürlich will jeder in einer angenehem Umgebung leben. Aber nicht alle sind gegen den Fortschritt. Auch wenn das unsere Qualitätsmedien im Gleichschritt mit der grünen Verbotspartei ständig behaupten.

  4. Buddy
    19. März 2012 at 22:48 #

    Die Meinung von Fafnir kann ich nur bedingt teilen. Durch technischen Fortschritt wird kommt es zwangsweise zu Umwelt- und Gesundheitsschäden kommen. Wird eine Technologie als zu risikohaft und unverantwortlich identifiziert, dann muss sie weichen, bzw. verboten werden! Ich bin für eine Energiegewinnung von der keine grundlegenden Gefehren, wie von Atomkraft und Fracking ausgehen. Dazu zählen für mich Wasserkraft, Windkraft und Solarthermie. Wer trotzdem noch für Atomkraft und Fracking ist, der muss sicherlich nicht unmittelbar mit solch einer Gefahr leben, denn dann würde er nicht so überzeugt dafür sprechen!

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