Widerstand gegen unsägliche Verkehrsführung in Überlingen

Offener Brief an Oberbürgermeisterin Sabine Becker und den Gemeinderat – Bürger empören sich

Überlingen. Die Wut über die Verkehrsbelastung und die Untätigkeit der Stadtverwaltung in den ist groß. Die Situation ist grotesk. Oberbürgermeisterin Sabine Becker steht in der Kritik. Seit Jahren kämpfen Anwohner gegen eine Hauptausfallstraße mitten durch ein Neubaugebiet.

Bürgerinitiative bekommt Zuwachs

Zuletzt hat sich eine neue Untergruppe der Bürgerinitiative „WOGE ZaNeLi – WOGE Schättlisberg“ zu Wort gemeldet. Die Mitglieder der Initiative möchten es nicht mehr länger hinnehmen, dass eine reine Wohnstraße durch ein Neubaugebiet zu einer Hauptausfallstraße in Überlingen geworden ist. Die betroffenen Anwohner haben jetzt erneut einen Brief an Oberbürgermeisterin Sabine Becker und den Gemeinderat geschrieben.

Immissionen zu hoch

Das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG), genauer gesagt, die zur Auslegung dieses Gesetzes erlassene Rechtsvorschrift „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA-Lärm), definiert „Lärm“ so: „Lärm ist Schall (Geräusch), der Nachbarn oder Dritte stören (gefährden, erheblich benachteiligen oder erheblich belästigen) kann oder stören würde.” In reinen Wohngebieten gelten Immissionsrichtwerte von 50 dB am Tage. In der Zahnstraße, wo 68 dB gemessen worden sind, wird dieser Richtwert überschritten. „Die gesamte Erschließung des Schättlisberges durch die von dem seinerzeitigen OB Weber zu verantwortende Herstellung der neuen Straße ist eine einzige lokalpolitische Posse. Im Rheinland würde man vom ,kölschen Klüngel‘ sprechen“, schreibt ein Anwohner des Hildegardrings.

Vorwürfe prallen im Rathaus ab

Die Oberbürgermeisterin kommt immer mehr unter Druck. Vor ihrer Wahl hatte sie noch versprochen, das Überlinger Verkehrsproblem zur Chefinnensache zu machen. An der Oberbürgermeisterin scheinen die Vorwürfe, Kritik, Appelle und Bitten ihrer Bürger aber regelrecht abzuprallen. Nicht nur Alexander Kuntz  und Sigrid Hall, die für die Anwohner sprechen, sind empört. Weil Empörung alleine aber nicht hilft, haben sie wieder einmal einen Brief ans Rathaus geschickt.

Keine Ausfallstraße durchs Wohngebiet

In dem Brief heißt es: „Der Fokus der neuen Gruppe liegt auf Verkehrsberuhigung, Geschwindigkeits- und Lärmreduzierung sowie auf mehr Sicherheit für die Bewohner am Schättlisberg.“ Im Bebauungsplan „Schättlisberg“ sei von einer Erschließungsstraße die Rede, deren Gestaltung und Ausbaustandard so beschaffen sein soll, dass die Straße mit „Tempo 30“ ausgewiesen werden könne.

Straße ersetzt Landesstraße

Da der Verkehr inzwischen aber stadtauswärts massiv durch das Neubaugebiet am Schättlisberg geleitet werde, handele es sich um keine Erschließungsstraße, sondern um eine Hauptausfallstraße, die eindeutig die Funktion der Landesstraße L200 übernommen hat und somit für eine extreme Entlastung der Aufkircher Straße sorgte. Die Kosten für die „angebliche“ Erschließungsstraße mit der Funktion einer Landesstraße seien dennoch auf die Anwohner umgelegt worden.

Konkrete Verbesserungsvorschläge

Parallel zu den zähen Verkehrs-Beteiligungsprozessen, deren Fokus leider nur noch auf die Innenstadt ausgerichtet sei, fordern die Anwohner mehrere Verbesserungen. Sie möchten eine Umwandlung der Hauptausfallstraße in eine Anliegerstraße, die Entfernung der Schilder, wie zum Beispiel „Alle Richtungen“, die den Verkehr durch das Wohngebiet Schättlisberg leiten, die Einführung von verkehrsberuhigten Zonen in den Bereichen Diakonie, Kindergarten, Spielplatz Zahnstraße und Wiestorschule, die Platzierung von mehreren Blumenkübel mit dem Ziel der Geschwindigkeitsverringerung sowie die „permanente Überwachung des Anliegerverkehrs“ sowie temporäre Geschwindigkeitsmessung auch nachts.

Hier geht’s zum Brief im Original Offener_Brief_21092011

10 Kommentare to “Widerstand gegen unsägliche Verkehrsführung in Überlingen”

  1. Brigitte
    26. September 2011 at 18:12 #

    Wir werden solange keine Ruhe geben, bis der Gemeinderat zur Vernunft kommt !!!
    Die Zeit des Abwartens ist vorbei !!!

  2. St. Pauli
    26. September 2011 at 18:17 #

    Die Zeit ist reif!!
    Fassen wir mal zusammen: über 1500 Unterschriften, eine Demonstration, zig Einwände und Widersprüche, eine Petition an den Landtag, eine Bürgerbeteiligung die von Anfang an vom Rat abgelehnt wurde usw. Jahre sind ins Land gegangen und vielleicht müssen andere Maßnahmen angedacht werden. Ein Argument der Woge zur Verkehrsberuhigung war immer:“Wer nicht in die Stadt reinkommt, muß auch nicht hinaus“. Vielleicht sollte man diesen guten Vorschlag mal umdrehen. “ Wer unbedingt in die Stadt hinein will kommt über die Zahnstraße und den Schättlisberg bestimmt nicht mehr hinaus. Sitzblockaden sind keine Nötigung. Darauf reiten doch die alten grünen Kader in unserer neuen Landesregierung seit Jahrzehnten herum. Mein altes Auto hat auch dauernd Macken und bleibt ganz plötzlich stehen. Ich würde schon mal gerne mit anderen „Altautobesitzern“ über die Macken von deren Autos sprechen. Vielleicht am Spielplatz Zahnstraße? Die Zeit ist reif. Bitten und betteln war gestern.

  3. eikju
    26. September 2011 at 18:40 #

    alle wege führen nach rom (bzw.überlingen)

    das scheint der leitgedanke von ob becker zu sein. denn sind die leute erst mal in der stadt drin, lassen sie auch ihr geld hier. wie sie dann wieder rauskommen, ist den stadtoberen sch….egal. es gibt ja genügend straßen durch die wohngebiete, die von den bürgern und besuchern mit krach und gestank benutzt werden können. spricht man das thema an, heißt es lapidar : das wurde schon 1988 so beschlossen. seither hat sich also wenig in den köpfen geändert. moral ??? ein fremdwort, wie schreibt man das ?

  4. Wilfried
    26. September 2011 at 19:42 #

    Genauso dringend ist die Beruhigung der Jakob-Kessenring-Strasse.Diese muss dringend für den Druchgangsverkehr gesperrt werden

  5. Heinz
    26. September 2011 at 21:37 #

    Ich bin sehr gespannt, was erst passieren wird, wenn der komplette Schättlisberg einmal bewohnt ist.
    Der Widerstand und auch das Verkehrsaufkommen wächst mit jedem neuen Anwohner dort. Zusätzlich wird die komplette Weststadt über den Zubringer durch ein Neubaugebiet, aufgrund der Einbahnregelung in der Aufkircher Straße, versorgt.
    Es ist eine Schande, wie untätig sich die Stadtverwaltung und der Gemeinderat in dieser Sache verhalten. Wen wundert`s, schließlich wohnt keiner von denen dort.

  6. Loewe
    26. September 2011 at 22:15 #

    Die Stadtverwaltung sucht die Lösung der neuen und selbstgemachten Probleme am Schättlisberg zu verdrängen und beschäftigt sich lieber erst einmal mit zähen und theoretischen Lösungsansätzen des schon immer vorhandenen Innenstadtverkehrs. Die etlichen Anwohner in den nördlichen Wohngebieten werden wohl als „Reigschmeckte“ 2. Klasse eingestuft, die froh sein sollen, hier wohnen zu dürfen.

  7. Stefan
    26. September 2011 at 22:26 #

    @St. Pauli:
    der alte grüne Kader in Überlingen nennt sich LBU. Von denen ist keinerlei Unterstützung zu erwarten.
    Die kümmern sich LEIDER ausschließlich um die Probleme der Innenstadt. Die feiern vermutlich sogar, wenn anhand einer Innenstadt-Sperrung das Verkehrsaufkommen am Schättlisberg nochmals ansteigt. Dies liegt aber vermutlich eher an den Eigeninteressen einiger Mitglieder.

  8. Konstanzer
    26. September 2011 at 23:15 #

    Auch ich wurde schon durch Euer Neubaugebiet mit der sehr engen Straße geleitet und dachte ich hätte mich verfahren. Ein Anwohner erklärte mir dann, dass dies der richtige Weg sei und klagte mir dann sehr ausführlich sein Leid. Diese Situation hat mich sehr mitgenommen. Seit dieser Zeit verfolge ich die Presseberichte über Euer Wohngebiet.
    Ihr Überlinger könnt einem wirklich leidtun. Ich bin froh in Konstanz zu wohnen, obwohl wir ja auch Probleme haben, aber solch eine Fehlplanung würde selbst der Konstanzer-Stadtrat in kürzester Zeit revidieren.

  9. St. Pauli
    27. September 2011 at 08:12 #

    Ich lese gerade im Südkurier, dass die informellen Führer der Überlinger Innenstadt am 30.10 und neuerdings auch am 11.12. ( 3. Advent) einen verkaufsoffenen Sonntag „angeordnet“ haben. Wie die Autofahrer wohl nach dem Einkauf wieder aus der Stadt raus kommen wollen, bei dem Verkehr und den sehr engen Wohnstraßen?
    http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/ueberlingen/Wirtschaftsverbund-plant-dritten-Verkaufssonntag;art372495,5132981

  10. Ilse Laufer
    20. Juni 2012 at 18:59 #

    Ich bin in Überlingen aufgewachsen. Damals gab es keine verkehrsberuhigten Zonen, keine 30er-Zonen, und nicht jeder Quarameter Fläche war bewirtschaftet. Wir haben es prima überlebt. Heute? Wenn ich meine alte Heimat per Auto besuchen will, komme ich erstmal gar ncht da hin, wo ich hinwill, sondern muss einen Extraschlenker durch die Gassen über winziges, völlig überlastetes Kreiselchen einlegen. Dadurch staut sich der Verkehr in allen Richtungen, ich möchte nicht dort wohnen müssen. Wenn ich in der City mein Auto abstellen will, brauche ich schon riesiges Glück und einen großen Geldbeutel – wo immer ein Auto hinpasst, ist 1. alles voll und 2. wird Geld velangt. Dazu kommt eben, daß man viele skurrile Umwege fahren muss. P&R-Parkplätze sind viel zu teuer, die Buslinien unzureichend ausgebaut. Und was will man auch in der City? Die sogenannten Fußgängerzonen gehören in Wahheit Horden von rücksichtslosen Frezeitsportlern auf Fahrrädern. Fußgänger müssen sowieso das schmale Trottoir benutzen. Was zusätzlich erschwert wird durch allgegenwärtige Warenständer und die Bestuhlungen der Restaurants. Wenn ich die Stadt wieder verlassen will, muß ich durch ein neues Wohngebiet schleichen. -All das wirkt extrem ungastlich. Als würde die Stadt mir zurufen: Hau ab, dich wollen wir hier nicht. Ob das so beabsichtigt ist? Nicht alle Menschen können per Bahn oder Drahtesel anreisen, Autofahrer sind auch zahlungskräftige Gäste.

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