Wirre Aussagen sind kein Verbrechen

Kampusch-Seite im Internet keine strafbare Handlung

Konstanz (wak) Auch nachdem die österreichischen Ermittler den Fall Kampusch abgeschlossen haben, darf ein angebliche Zeuge aus dem Kreis Konstanz seine Internetseite zum Fall Kampusch weiterhin im Netz lassen und seine Behauptungen verbreiten. Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt nicht wegen wirrer Aussagen. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, Christoph Hettenbach, See-Online.info. Auch der Betreuer des Mannes, der Konstanzer Rechtsanwalt Klaus Frank, sagte, er sei nicht dafür zuständig, welche Seiten der Mann aus dem Kreis Konstanz ins Internet stellt und was er verbreite.

Informant legte falsche Spur

Eine Spur in dem Kriminalfall Kampusch schien eine Zeit lang in den Kreis Konstanz zu führen. Ein angeblicher Informant hatte deutschlandweit, in Österreich und auch in anderen europäischen Ländern Interviews zu angeblich brisantem Material gegeben, das er in Zusammenhang mit dem Fall Kampusch angeblich im Internet gefunden hätte. Darunter sollte auch Hinweise auf einen Mitwisser im Entführungsfall sein, die der Mann aus dem Kreis Konstanz angeblich im Internet entdeckte. Mittlerweile kamen die österreichischen Ermittler aber zu dem Schluss, dass an den Behauptungen nichts dran ist. Die Akte Kampusch wurde geschlossen.

Beweise fanden die Österreicher nicht

Wie berichtete, investierten die österreichischen Ermittler noch einmal viele tausend Arbeitsstunden und gingen, wie die Wiener Zeitung berichtete, „selbst den skurrilsten und krausesten Theorien und Hinweisen“ nach. So überprüften die Österreicher mit Hilfe ihrer deutschen Kollegen auch jenen Mann, der angeblich Beweise im Fall Kampusch im Internet fand und seinerseits mehrere Seiten zum Thema ins Internet eingestellt hatte. Er behauptete, er verfüge über einschlägige Videos, auf denen Natascha Kampusch zu sehen sei. Beweise für die Behauptungen des angeblichen Zeugen fanden die österreichische Polizei und Staatsanwaltschaft aber nicht.

Kein Fall für den deutschen Staatsanwalt

Trotzdem steht die Seite mit Behauptungen des Mannes aus dem Kreis Konstanz, auf der auch von „Verliespornos“ die Rede ist, weiterhin im Internet. Christoph Hettenbach, Sprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, sagte, er selbst kenne die Seite nicht und die Staatsanwaltschaft Konstanz sei mit dem Fall auch nicht befasst. Streng genommen gibt es gar keinen Fall. Einschreiten könnte die Staatsanwaltschaft nur, wenn es sich bei den Inhalten der Seite um strafbare Kundgebungen handeln würde, wenn Personen verunglimpft oder Ermittlungsbehörden absichtlich getäuscht werden sollten. Wenn der Mann aber selbst an den Inhalt, den er verbreitet, glaubt, ist das nicht einmal unbedingt der Fall. Eine Rolle spiele zum Beispiel, was der Mann mit seinen Behauptungen erreichen möchte.

Löschung nach Zivilklage möglich

Die Seite bleibt deswegen im Netz. Erfolgversprechend sein könnte – solange der Mann strafrechtlich nicht greifbar ist – wohl nur eine zivilrechtliche Klage von Betroffenen. Sie könnten auf Löschung der Seite klagen. „Unsinn zu schreiben, ist nicht strafbar“, sagte Staatsanwalt Hettenbach. Es müsste schon der Vorsatz erkennbar sein, dass der Mann aus dem Kreis Konstanz zum Beispiel die österreichischen Behörden täuschen wollte. Das wollte er aber wohl gar nicht, da er ja an die Wahrheit, die er verbreitet möglicherweise selbst glaubt und nur öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte.

Betreuer des Mannes ist nicht sein Vormund

Auch, dass der Mann unter Betreuung steht, steht den Aktivitäten im Internet nicht im Weg. Betreuer des Mannes ist der Konstanzer Rechtsanwalt Klaus Frank. Eine Betreuung sei aber keine Entmündigung, so Hettenbach und Frank übereinstimmend. Zuständig ist der Betreuer in diesem Fall dafür, dass der Mann sein tägliches Leben meistert, sagte Rechtsanwalt Frank. Es gehe darum, dass betreute Personen ihre Termine einhalten oder beispielsweise Hartz IV beziehen, so Klaus Frank weiter. Ansonsten könnten die betreuten Personen – auch der Mann aus dem Kreis Konstanz – machen, was sie wollten. „Ich bin nicht sein Vormund“, sagte Klaus Frank. Die Kampusch-Seite habe bereits im Internet gestanden, als der Anwalt Betreuer des Mannes wurde. Dass sich der Mann aus dem Kreis Konstanz Domains sichere und versuche, sie zu verkaufen, sei ihm bekannt. Für den Anwalt ist der Fall aber ganz klar: Die, die sich auf den Mann einlassen, seien selbst schuld, sagte Klaus Frank. Die Liste von Personen, die dem angeblichen Informanten, der auch schon einmal einen falschen Picasso versteigern wollte, auf dem Leim gingen, wird offenbar aber immer länger: Auch der Redakteur der Regionalzeitung war auf ihn hereingefallen und hatte darauf in eine Zeitungsente in die Welt gesetzt.

Foto: pixelio.de/Peter Kirchhoff

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