Wissenschaftler: Niedrigwasser des Bodensees durch Klimawandel verursacht

Arbeitsgruppe Bodenseeufer über Auswirkungen des niedrigen Wasserstands auf Tiere und Pflanzen

Konstanz. Zuletzt ist der Pegel Konstanz wieder gestiegen. Von 279,5 Zentimeter stieg er um fast 20 Zentimeter auf 297,7. Die Arbeitsgruppe Bodenseeufer e.V. schlägt trotzdem Alarm. Dipl.-Biologe Michael Dienst und seine Kollegen sehen eine Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und dem Wasserstand des Bodensees. Ist wenig Wasser im See, gibt es Gewinner und Verlierer.

Wissenschaftler melden sich zu Wort

Zu den derzeitigen Tiefstwasserständen am Bodensee hat die Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) e. V. in einer Pressemitteilung Stellung genommen. Sie macht hierfür hauptsächlich den Klimawandel verantwortlich.

Zum dritten Mal extremes Niedrigwasser

Zum dritten Mal innerhalb von 15 Jahren gibt es am Bodensee einen ungewöhnlich trockenen Frühsommer mit extrem niedrigen Wasserständen, so die Arbeitsgruppe Bodenseeufer. Ähnliche Situationen erlebten die Bewohner der See-Region bereits in 1996 und 2003. Nur wenige Zentimeter fehlten kürzlich für eine historische Mai-Niedrigmarke seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1817. Der ungewöhnliche Niedrigwasserstand wird in erster Linie durch fehlende Niederschläge und die geringe Schneedecke in den Alpen verursacht. „Ob zusätzlich die Energiekonzerne ihre Wasserspeicher im Alpenrhein-Gebiet auffüllen, lässt sich derzeit nicht klären“, sagt Wolfgang Ostendorp, Biologe am Limnologischen Institut der Universität Konstanz. Diese Informationen würden von den Betreibern unter Verschluss gehalten.

Parallelen zum Hitzesommer 2003

Noch gut in Erinnerung ist der Hitzesommer von 2003, als von Mai bis September das Bodenseeufer trocken lag. Die Segler saßen auf dem Trockenen. Die Badegäste litten unter Ausschlag, weil sich die „Entenflöhe“ (Badedermatitis-Zerkarien) im warmen Wasser vermehrten. Und zentnerweise tote Äschen und Aale trieben im Untersee und am Ausfluss des Bodensees. Die Fische hatte der Hitzetod ereilt, da zu wenig Sauerstoff im Wasser war.

Große Schiffe verursachen Probleme

Auch dieses Jahr sieht der Biologe Michael Dienst die Trockenheit als Folge des Klimawandels. Das Niedrigwasser beeinträchtige auf vielfältige Weise das Bodenseeufer. Wenn große Schiffe wenig Wasser unterm Kiel haben, wirke sich ihr Wellenschlag besonders negativ aus. Viel Sediment wird aufgewirbelt und beeinträchtige den Fischlaich. „Durch Wellen verursachte Erosion zerstörte bereits in den letzten Jahren verstärkt archäologische Schätze im Seeufer“, so Michael Dienst.

Schilfbestände profitieren

Der extrem niedrige Pegel ist aber nicht nur von Nachteil: Die Schilfbestände können sich dann ausdehnen. Nachdem das Jahrhunderthochwasser 1999 riesige Röhrichtflächen zum Absterben brachte, können diese sich nun regenerieren. Die seltenen Strandrasen mit dem Bodensee-Vergissmeinnicht profitierten ebenfalls in den letzten Jahren. „Aber nur zunächst“, so Michael Dienst. Denn das werde in Zukunft nicht so bleiben, sagt Michael Dienst. „Die Strandrasen leben genau in dem Uferabschnitt, der im Winter trocken fällt und im Sommer überschwemmt wird.“ Doch da der jährliche Bodenseewasserstand immer weniger schwanke, sei dieser Lebensraum schmaler geworden. Und bei schönem Wetter ziehe es den Menschen genau dort ans Ufer. „Die Erholungssuchenden grillen und lagern und zerstören dabei unwissentlich eine europäisch geschützte Pflanzengesellschaft, die es nur am Bodensee gibt“, sagt der Biologe.

Schwarzhalstaucher kann nicht brüten

Auch die Wasservögel leiden, da sie nur brüten können, wenn Wasser im Schilfröhricht steht. Für den besonders seltenen Schwarzhalstaucher fällt sogar die ganze Fortpflanzungs-Saison aus, denn er kann nur im Frühjahr brüten. In den trockenen Jahren 2003 bis 2007 ging sein Brutbestand stark zurück, wie der Naturschutzbund im Wollmatinger Ried festgestellt hat. Ähnliche Probleme haben einige Entenarten. Der Haubentaucher dagegen ist flexibler. Hunderte von Haubentaucher-Paaren warten zurzeit vor den Röhrichten auf höhere Wasserstände. Diese Vögel sind in der Lage, auch bis in den Spätsommer zu brüten.

Jungfischen fehlt Nahrung

„Den Fischen fehlen durch den niedrigen Wasserstand weite Bereiche der Flachwasserzone, die sie zum Laichen, als Nahrungsgrund und als Lebensraum vor allem für Jungfische dringend brauchen.“, so Ingo Kramer, Fischereibiologe der AGBU.

Naturschutz kontra Wassersport

Die AGBU sieht bei tiefen Wasserständen im Sommer die Gefahr, dass vermehrt Häfen und Hafeneinfahrten ausgebaggert sowie Stege verlängert werden sollen. Nach ihrer Ansicht müsste eine Strategie entwickelt werden, die Vielzahl an kleinen Stegen zurückzubauen und zu Sammelstegen zusammenzufassen. „Der Klimawandel darf nicht zu einer „Ausuferung“ der Uferbauten führen.“

Foto: wak

Ein Kommentar to “Wissenschaftler: Niedrigwasser des Bodensees durch Klimawandel verursacht”

  1. Bolle Knallquist
    17. Mai 2011 at 11:19 #

    Natürlich. Der „Klimawandel“ wird mal wieder bemüht. Dabei ist ständiger Wandel eigentlich der Normalzustand in der Natur. Die Natur hält übrigens viel mehr aus, als sogenannte „Wissenschaftler“ uns weiß machen wollen.

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