Konstanzer Zebra Kino goes „Crowdfunding“

Zebra Kino setzt auf Crowdfunding Christian Kleinwaechter legt eine 35mm-Rolle ein_Foto Philipp GentnerKonstanz. Das Zebra Kino setzt zum ersten Mal auf Crowdfunding. Um Filme im DCI-Standard vorführen zu können, gibt es für Kinos verschiedene Mindestvorraussetzungen. Das Zebra Kino hat bereits 2011 eine kleine digitale Projektionsanlage angeschafft, die den DCI-Standard allerdings nicht erfüllt. Die schockierende Nachricht lautet: Ein Großteil der Verleiher wird das Zebra Kino in Zukunft nicht mehr beliefern – und dabei geht es nicht um Hollywood-Streifen. Die Aufrüstung der Projektion auf den DCI-Standard kostet rund 45.000 Euro. Das ist viel Geld und ein Betrag, den das nichtkommerzielle Zebra Kino nicht alleine stemmen kann.

Filmrollen sind Dinosaurier

Mehr als 100 Jahre sorgten Filmstreifen dafür, dass die bewegten Bilder in Kinos auf die Leinwand kamen. In dieser Zeit ergaben sich zwar viele Veränderungen: aus Schwarz-Weiß wurde Farbe, aus dem Stummfilm wurde der Tonfilm, aus einfachem Monoton wurde Surround Sound. Dennoch spielten sich alle technischen Revolutionen auf Filmmaterial ab: große Rollen, die in Kinos transportiert wurden und dort von kundigen Vorführern eingelegt und abgespielt wurden.

Digitalisierung des Kinos

Nun werden die Filmrollen von Festplatten und Datenträgern abgelöst, denn die digitale Revolution hat auch die Kinos erfasst. Die deutsche Kinolandschaft ist nun mittlerweile mehrheitlich digitalisiert. Viele aktuelle Filme kommen deutschlandweit nur noch digital ins Kino, die altbekannte 35mm-Kopie stirbt aus. Doch nicht nur neue Filme sind betroffen: In Zukunft werden damit auch beispielsweise Klassiker, die frisch restauriert und wiederhergestellt wurden, nur noch digital vertrieben werden.

Hürde DCI-Standard

Viele Filmproduzenten und –verleiher setzen dabei auf den sogenannten DCI-Standard. DCI steht für „Digital Cinema Initiative“ und bezeichnet sowohl das Format als auch die Projektionstechnik. Um Filme im DCI-Standard vorführen zu können, gibt es für Kinos verschiedene Mindestvorraussetzungen etwa für Kopierschutzmaßnahmen oder technische Standards in der Bild- und Tonqualität.

Kein großes Kino mehr

Das Zebra Kino hat bereits 2011 eine kleine digitale Projektionsanlage angeschafft, die den DCI-Standard allerdings nicht erfüllt. Kleinere und unabhängige Verleiher, die sich aus Kostendruck schon früh von 35mm verabschiedet haben, beliefern das Zebra Kino seitdem mit unverschlüsselten digitalen Kopien. Allerdings machen diese nur einen Bruchteil der Kinoszene aus – ein Großteil der Verleiher wird das Zebra Kino in Zukunft nicht mehr beliefern.

Katastrophe fürs Zebra Kino

„Man muss dabei nicht nur an große Hollywood-Filme denken, auch viele Independent-Produktionen kommen nur noch im DCI-Format ins Kino. Das sind die Filme, die wir bis vor ein paar Monaten noch im analogen 35mm-Format erhalten hätten und in Zukunft gar nicht mehr bekommen. Das ist für uns eine absolute Katastrophe, die uns in unserer Arbeit einschränkt. Wir wollen unsere Filmauswahl weiterhin ausschließlich nach inhaltlichen Kriterien gestalten können und nicht nur das auflesen, was übrig bleibt“, so Vorstand Fanny Zimmermann.

Für Förderung zu klein

Die Aufrüstung der Projektion auf den DCI-Standard kostet rund 45.000 Euro – ein Betrag, den das nichtkommerzielle Zebra Kino nicht alleine stemmen kann. Die Filmförderungsanstalt FFA fördert Kinodigitalisierungen zwar, allerdings ist das Zebra Kino für diese Förderkriterien zu klein, um Geld zu erhalten.

Fortschrittliche Geldvermehrung

Jetzt wagt das ehrenamtliche Team die Flucht nach vorn und versucht nun auf eigene Faust, Geld für die Umrüstung aufzutreiben: mit einer groß angelegten Spendenaktion: „Wir uns auf die Fahnen geschrieben, dem technischen Fortschritt nicht nur zuzuschauen, sondern dabei zu sein.“, so das Motto des Kinos.

Letzte Ausfahrt „Crowdfunding“

Das Zebra Kino setzt dabei auf die Unterstützung seiner Besucherinnen und Besucher – und auf sogenanntes „Crowdfunding“. Dabei wird ein Projekt von vielen Einzelpersonen und Firmen mit Spenden unterstützt – diese erhalten dafür kleine Geschenke als Gegenleistung. „Immer mehr Filme werden auf diese Art und Weise unabhängig von großen Filmstudios finanziert, um die kreative Freiheit des Regisseurs zu wahren. Wir hoffen, dass wir mit unserem Projekt das gleiche schaffen können“, so Vorstand Fanny Zimmermann. Je nach Spendenbetrag bedankt sich das Zebra Kino bei seinen Gönnern deshalb mit einem unterschiedlich großen Geschenkpaket: im Kleinen mit Freigetränken und Gutscheinen, im Großen mit Patenschaften für Kinositze und ganzen Privatvorstellungen für Spenderinnen und Spender.

Werbung in Clubs

Zusätzlich dazu plant das Zebra Kino eine Vielzahl von Veranstaltungen und Aktionen innerhalb und außerhalb des Kinosaals. Geplant ist unter anderem eine eigene Partyreihe quer durch alle Clubs in Konstanz, bei der alle Einnahmen auf das Spendenkonto fließen – der Start hierfür ist am 26. Juni in der Kantine.

Spenden ab jetzt

Auf einer speziell eingerichteten Internetseite, http://www.zebra-kino.de/dci/ , informiert das Zebra Kino ab sofort über die geplante Aufrüstung, Spendenmöglichkeiten und aktuelle Ereignisse und Entwicklungen. In einer Medienmitteilung heißt es: „Spenden sind jederzeit gerne an das eigens eingerichtete Spendenkonto sehr gerne gesehen: Konto 248 982 56, Sparkasse Bodensee (BLZ 690 500 01)“.

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  1. Kino-Open-Airs: Konstanzer Zebra Kino in freier Wildbahn | See-Online.info - 21. Juni 2013

    […] der Open Air-Saison statt. Alle Einnahmen der Feier „DER MIT DEM ZEBRA TANZT“ kommen dabei dem DCI-Projekt des Zebra Kinos zugute. Für Musik sorgen Sergeant Pfeffer und Tomoko. Infos gibt’s außerdem auf […]

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