Zehn Fragen an fünf Konstanzer OB-Kandidaten: Benno Buchczyk

Ein Teamleiter bei einem Finanzdienstleister will auf den OB-Sessel – Pirat schiebt das Fahrrad durch die Fußgängerzone

Name: Benno Buchczyk 

Alter: 41 

aktuell ausgeübter Beruf: Teamleiter bei einem Finanzdienstleistungsunternehmen 

Parteizugehörigkeit: Piratenpartei

Benno Buchczyk antwortet

See-Online: Stellen Sie sich vor, Sie wären OB in Konstanz und Bildhauer Peter Lenk würde in einer dunklen Nacht heimlich mit seinem Flaschenzug die mächtige Papst-Figur wieder in die Mobilitätszentrale im Konstanzer Bahnhofsgebäude hieven. Was würden Sie tun? Dürfte der Gaukler sitzen bleiben oder bekäme das Päpstlein erneut Hausverbot?

Antwort: Die Papst-Figur ist in erster Linie Kunst für mich. Mit dem Aufstellen der Figur würde Kunst auch das tun, wofür sie gedacht ist: Bewusstsein schaffen, Dinge thematisieren, die für uns schon so alltäglich und normal sind, dass wir sie nicht mal mehr in Frage stellen. Deshalb: wenn Menschen sich an Kunst abarbeiten und darüber diskutieren, hat sie schon viel von ihrem Auftrag erfüllt. Im übrigen halte ich 600 Jahre für ausreichend Zeit, um sich auch mal etwas distanziert und ironisch mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen. Ich muss hier nicht an die mittlerweile zum Wahrzeichen von Konstanz gewordene Imperia im Hafen erinnern. Da wir uns zu einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung in unserem Staat bekennen, müssen Menschen, die das eventuell anstößig finden, auch aushalten!

See-Online: Stellen Sie sich vor, Sie gewinnen die Oberbürgermeisterwahl. Wie möchten Sie in Zukunft in Konstanz wohnen?

Antwort: Ich möchte in einer offenen Stadt leben, in der Grenzen keine Rolle spielen: Grenzen zwischen den Generationen, Staaten, Gemeinden, den Gesellschaftsschichten. Grenzenlos denken, ohne aber die einzigartige Identität eines jeden einzelnen aufzugeben. Ich möchte in einer kundenorientierten Stadt leben, die leistungsfähig und ambitioniert ihre Aufgaben erledigt. Eine gute Stadtverwaltung ist wie ein guter Schiedsrichter in einem Fussballspiel. Im Grunde merkt man überhaupt nicht, dass er da ist….

See-Online: Sie haben einen Termin im Juze in der Jägerkaserne, verlassen gerade Ihren Schreibtisch in der Kanzleistraße und haben noch eine viertel Stunde Zeit. Anschließend haben Sie einen Termin beim Konstanzer Yachtclub. Wie legen Sie die Strecken zurück?

Antwort: Mit dem Fahrrad. Also nicht ganz. Zunächst das Fahrrad über die Fussgängerzone zur Paradiesstrasse schieben, jetzt erst aufs Fahrrad, über die Laube, den Lutherplatz, rechts in die Schottenstrasse und dann immer geradeaus. Über die Fahrradbrücke und die Petershauserstrasse bis zum Bahnübergang (hoffen, dass kein Zug kommt!. Nach dem Bahnübergang links abbiegen in die Gustav-Schwab-Strasse. und schon bin ich am Juze angekommen. Zum Konstanzer Yachtclub geht es dann wieder zurück zur Bahnschranke, über die Moltkestrasse und den Gebhard-Platz, die Säntisstrasse bis zur Seestrasse. Von dort am See entlang zum Yachtclub.

See-Online: Sind Sie für einen echten Livestream aus Gemeinderatssitzungen? Halten Sie es für eine gute Idee, dass der Südkurier überträgt – oder wäre es besser, die Stadt würde den Livestream selbst ins Internet stellen? Wie mutig sind Sie? Würden Sie notfalls trotz datenschutzrechtlicher Bedenken Gemeinderatssitzungen ins Web übertragen und es auf eine gerichtliche Klärung ankommen lassen?

Antwort: Folgenden Kommentar habe ich bereits gegeben: http://www.aktuelles-bodensee.de/34380/vermasselt-datenschutz-internet-ubertragung-von-konstanzer-gemeinderatssitzungen/comment-page-1/#comment-3347 Die Übertragung sollte durch die Stadt durchgeführt, bzw. beauftragt werden, so ist es sichergestellt, dass es nahezu objektiv ist. Die gerichtliche Klärung ist für mich die Ultima Ratio. Viel wichtiger finde ich den Dialog auf der Kommunal- und Landesebene, um es da zunächst zu klären, da die Livestreamdebatte in verschiedenen Gemeinden bereits das Thema ist.

See-Online: Wie möchten Sie die Bürgerinnen und Bürger in Zukunft über die Stadtpolitik informieren und mit den Menschen kommunizieren? Mit Hilfe der gedruckten Tageszeitung? Über die Website der Stadt, über Facebook oder über ihr persönliches Blog?

Antwort:

1. gedruckte Tageszeitung: ja (ein Amtsblatt vielleicht besser, welches an alle Haushalte verteilt wird.)

2. Website der Stadt: ja

3: Der Bürgermeister soll eine eigene aktuelle Seite erhalten (mit all seinen Terminen, Gesprächen, Gesprächsergebnissen, usw.)

4. Facebook, twitter, G+ als Ergänzung.

5. Bürgergespräche

6. Nicht nur die Bürger suchen den Kontakt zum OB, sondern der Bürgermeister sucht den Kontakt zum Bürger (Wochenmärkte, Veranstaltungen)

See-Online: Nennen sie ein Argument für und ein Argument gegen einen Bürgerhaushalt?

Antwort: Pro: es ist ein Teil echter Bürgerbeteiligung, denn letztlich geht es eben doch immer nur ums Geld. Contra: wenn man etwas nicht will, gibt es viele Argumente dagegen. Bürgerhaushalt ist ja nichts Neues und funktioniert aber nur dann, wenn die Bürger mitmachen. Diese Möglichkeit und Notwendigkeit muss den Bürgern vermittelt werden.

See-Online: Was darf in Wahlkampfzeiten in Ihrem Kühlschrank auf keinen Fall ausgehen?

Antwort: Maultaschen, Eier, Eis.

See-Online: Haben Sie einen Lieblingsplatz im öffentlichen Raum in Konstanz?

Antwort: Ja, den Hörlepark.

See-Online: Erklären Sie kurz, was Sie unter Bürgerbeteiligung konkret verstehen? Sollen wir in Zukunft unsere Wochenenden in Foren verbringen?

Antwort: Es wird keine Beteiligungspflicht geben. Wer sich einbringen möchte, kann das tun und sollte dazu die Möglichkeit bekommen. Grundsatz: wer konstruktiv mitarbeitet darf auch mitreden. Trotzdem bleibt das natürlich alles mit Vorschlag-Charakter. Das letzte Wort hat das gewählte und dadurch demokratisch legitimierte Gremium, der Gemeinderat.

Bürgerbeteiligung heißt also nicht, Teilnahme ist nur per Internet möglich. Man muss definitiv unterschiedliche Kanäle für die Beteiligung anbieten, allerdings hätte der von den Piraten propagierte Ansatz des „liquid feedback“ sicherlich auch auf kommunaler Ebene ein großes Potential.

See-Online: Werden Sie die Kosten ihres Wahlkampfes transparent machen? Wenn ja, wann und wo?

Antwort: Wenn Sie mich so nett fragen: Die genauen Kosten kann ich noch nicht beziffern, da ich noch einige Rechnungen nicht erhalten habe. Das Budget wird aber 400,00 € nicht übersteigen. Das Geld kommt hauptsächlich von mir, und vielleicht ein wenig von einigen Freunden.

50 große Plakate

100 kleine Plakate

1 Presse-Handy

100 Trägerplatten

Druck 5000 Flyer

Sonstiges Material (Kabelbinder, Klebstoff)

(auf Anfrage nachgereicht)

Banner bei Südkurier online

Banner bei See-Online

Ein Kommentar to “Zehn Fragen an fünf Konstanzer OB-Kandidaten: Benno Buchczyk”

  1. Lutz E. Krause
    27. Juni 2012 at 10:27 #

    Nachdem Benno Buchczyk am Dienstag im Konzil als Alleinstellungsmerkmal für sich die Piraten ala Solche und als Programm überhaupt betont hat, darf deren Freiheitsbegriff einmal hinterfragt werden, dessen ausgeprägte Eigenschaft es zu sein scheint, ständig Freiheit mit Beliebigkeit zu verwechseln.

    Lieber Herr Buchczyk, was bedeutet denn nun dieser Freiheitsbegriff ganz konkret? Ist Freiheit für die Piraten 365TageDauerparty einschließlich Karfreitag wie in Köln (als Beispiel)? Worin unterscheidet sich dann dieser Freiheitsbegriff von der 70er-Jahr-Formel Freie Fahrt für Freie Bürger oder von neoliberaler Forderung nach völliger Freiheit der int. Finanzmärkte?

    Wer das Wort Freiheit als Programm ständig mit sich führt, sollte hier einmal klarstellen, für was die Piraten eigentlich unterwegs sind.

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