Zehn Fragen an fünf Konstanzer OB-Kandidaten: Sven Zylla

Regierungsdirektor will auf den OB-Sessel – Im Anzug fährt er nicht Fahrrad

Name: Sven Zylla

Alter: 44

aktuell ausgeübter Beruf: Regierungsdirektor, Büroleiter der Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales, Manuela Schwesig

Parteizugehörigkeit: SPD

 

Sven Zylla antwortet

See-Online: Stellen Sie sich vor, Sie wären OB in Konstanz und Bildhauer Peter Lenk würde in einer dunklen Nacht heimlich mit seinem Flaschenzug die mächtige Papst-Figur wieder in die Mobilitätszentrale im Konstanzer Bahnhofsgebäude hieven. Was würden Sie tun? Dürfte der Gaukler sitzen bleiben oder bekäme das Päpstlein erneut Hausverbot?

Antwort: Die Papst-Figur kann bleiben. Ich finde die Konzilstadt Konstanz kann gerade wegen des anstehenden 600-jährigen Jubiläums eine spielerisch-künstlerische Distanz zu der einzigen Papstwahl auf deutschen Boden ertragen.

See-Online: Stellen Sie sich vor, Sie gewinnen die Oberbürgermeisterwahl. Wie möchten Sie in Zukunft in Konstanz wohnen?

Antwort: Dann würde ich mit meiner Frau Dilbar in Konstanz nach einem gemütlichen Heim suchen. Wir haben noch keine Präferenz für einen Stadtteil bzw. Ortsteil.

See-Online: Sie haben einen Termin im Juze in der Jägerkaserne, verlassen gerade Ihren Schreibtisch in der Kanzleistraße und haben noch eine viertel Stunde Zeit. Anschließend haben Sie einen Termin beim Konstanzer Yachtclub. Wie legen Sie die Strecken zurück?

Antwort: Je nach Wetterlage und Arbeit, die auf dem Weg anliegt, mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Bus. Ich fahre im Anzug kein Fahrrad.

See-Online: Sind Sie für einen echten Livestream aus Gemeinderatssitzungen? Halten Sie es für eine gute Idee, dass der Südkurier überträgt – oder wäre es besser, die Stadt würde den Livestream selbst ins Internet stellen? Wie mutig sind Sie? Würden Sie notfalls trotz datenschutzrechtlicher Bedenken Gemeinderatssitzungen ins Web übertragen und es auf eine gerichtliche Klärung ankommen lassen?

Antwort: Ja, ich bin für einen Livestream der Gemeinderatssitzungen. Solange es noch keine geänderte Rechtsgrundlage in punkto Datenschutz gibt ist das Streaming über den Südkurier eine gute Übergangslösung. Aber um es ganz klar zu sagen: Die Stadt Konstanz sollte es wagen und einen eigenen Livestream anbieten – das kenne ich auch von anderen Parlamenten schon länger. Ich scheue die gerichtliche Auseinandersetzung nicht, weil ich überzeugt bin, dass die Bürgerinnen und Bürger ein Anrecht haben die Gemeinderatssitzungen – mit wenigen Ausnahmen – live im Internet verfolgen zu können.

See-Online: Wie möchten Sie die Bürgerinnen und Bürger in Zukunft über die Stadtpolitik informieren und mit den Menschen kommunizieren? Mit Hilfe der gedruckten Tageszeitung? Über die Website der Stadt, über Facebook oder über ihr persönliches Blog?

Antwort: Als Oberbürgermeister möchte ich alle Kanäle, von den Printmedien über Radio bis hin zu ‚social media’, nutzen. Ich persönlich finde die Einrichtung einer Online-Bürgersprechstunde, sei es über twitter, Skype oder Google+ Hangout, sehr interessant. Denn: Viele Menschen, gerade jüngeren Alters, sind häufig unterwegs und möchten trotzdem ihre Anliegen vortragen. Dort könnte ein Online-Angebot die Teilhabe erleichtern. Selbstverständlich bedeutet dies nicht ein Verzicht auf die bisherige Sprechstunde von Angesicht zu Angesicht.

See-Online: Nennen sie ein Argument für und ein Argument gegen einen Bürgerhaushalt?

Antwort: Das Hauptargument für einen Bürgerhaushalt ist meines Erachtens das zu aktivierende Potenzial der Konstanzerinnen und Konstanzer zu nutzen. Dies fängt bei der Einreichung von eigenen Vorschlägen im Rahmen eines Bürgerhaushalts an und hört bei der Umsetzung der Ergebnisse auf. Viele Bürgerhaushalte haben gezeigt, die Bürgerinnen und Bürger wissen selbst nicht nur am besten wo weniger manchmal mehr ist, sondern auch wie man bereits bestehende Leistungen effizienter bereitstellen kann.

Auf der anderen Seite, und dies ist meiner Meinung nach die größte Gefahr, kann ein Bürgerhaushalt Partikularinteressen anheim fallen. Es gibt gesellschaftliche Gruppen, die können ihre -sicherlich berechtigten- Interessen lautstärker artikulieren, weil sie eine bessere Organisationsstruktur haben. Wiederum anderen Gruppen, häufig sozial Benachteiligte, fehlt es an einer solchen ‚Lobby’. Dieses müsste grundsätzlich bei allen Instrumenten der Bürgerbeteiligung besser berücksichtigt werden.

See-Online: Was darf in Wahlkampfzeiten in Ihrem Kühlschrank auf keinen Fall ausgehen?

Antwort: Süßigkeiten, insbesondere die leckeren Schweizer Prügeli und für den Feierabend ein kühler Rosé für eine Weinschorle. Das kühle Leistungswasser kommt aus dem Wasserhahn.

See-Online: Haben Sie einen Lieblingsplatz im öffentlichen Raum in Konstanz?

Antwort: Parkbank im Stadtgarten mit Blick auf Seestraße, See und Hafen.

See-Online: Erklären Sie kurz, was Sie unter Bürgerbeteiligung konkret verstehen? Sollen wir in Zukunft unsere Wochenenden in Foren verbringen?

Antwort: Bürgerforen auch zu ungewöhnlichen Zeiten sind sicher eine Möglichkeit der Bürgerbeteiligung, wie z.B. jüngst im Rahmen des Masterplans Mobilität angewandt. Wie ich oben –Stichwort: Online-Bürgersprechstunde – angedeutet habe, sehe ich im Internet ein geeignetes Werkzeug mehr Menschen am Gemeinwesen zu beteiligen. Wichtig ist mir, dass Bürgerbeteiligung nicht zu einer Alibiveranstaltung verkommt, um schon feststehende Entscheidungen nachträglich zu legitimieren. Deswegen zwei Regeln, die für mich bei der Bürgerbeteiligung handlungsleitend sind: Erstens, Beteiligung so früh wie möglich, zu Beginn des Entscheidungsprozesses. Zweitens, so inklusiv wie möglich. Ich möchte, dass alle gesellschaftlichen Gruppen repräsentiert sind. Deshalb müssen wir auch darüber nachdenken, wie schaffen wir nicht nur eine Beteiligung der „üblichen Verdächtigen“, sondern auch derjenigen, die sich bisher nicht beteiligen wollen oder können. Darüber hinaus möchte ich einen Mix verschiedener Beteiligungsinstrumente – Zukunftsforen, E-Participation, Spurgruppen u.v.m. – je nach Thema und Ressourcen zur Anwendung bringen.

Ich stehe neben mehr Bürgerbeteiligung aber auch klar zur repräsentativen Demokratie. Das heißt auch Gemeinderätinnen und Gemeinderäte müssen frühzeitig in Planungsprozesse mit eingebunden sein und es bleibt bei ihrem Entscheidungsrecht.

See-Online: Werden Sie die Kosten ihres Wahlkampfes transparent machen? Wenn ja, wann und wo?

Antwort: Insgesamt gehe ich von Wahlkampfkosten in Höhe von etwa 35.000 EUR aus. Bisher habe ich etwa 20.000 EUR ausgegeben, größte Ausgabenblöcke sind Druck und Verteilung der Kandidatenprospekte, Druck der Plakate und der EM-Spielplaner, sowie die Gestaltung aller Materialien.

Etwa die Hälfte des Wahlkampfbudgets bekomme ich als Zuschuss von der SPD (Ortsvereine Konstanz und Dettingen, Kreisverband Konstanz und Landesverband Baden-Württemberg). Die andere Hälfte wird durch einen Eigenbeitrag und vor allem durch Spenden finanziert, wobei mich viele Konstanzerinnen und Konstanzer, aber auch Familie, Freunde und politische Weggefährten unterstützen.

Ein Kommentar to “Zehn Fragen an fünf Konstanzer OB-Kandidaten: Sven Zylla”

  1. dk
    26. Juni 2012 at 23:15 #

    Die folgende Frage an Hr. Zylla betrifft nicht direkt Konstanz: im hiesigen Landkreis wird seit einer Zeit ein Zusammenschluss von Krankenhäusern zu einer Holding vorbereitet, um wirtschaftliche Kennzahlen zu verbessern.
    Da die SPD in M-Vorpommern, S-Anhalt und Brandenburg an der Regierungsbeteiligung ist, würde mich interessieren, welche Lösungsansätze es in einem Flächenland mit sehr niedriger Bevölkerungsdichte und grossen Entfernungen gibt?

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