Zwei Architekten, keine Öffentlichkeit

2010 fällt Entscheidung über Konstanzer Konzert- und Kongresshaus

luftbild Konstanz2Konstanz (wak) Wer soll das Konzert- und Kongresshaus in Konstanz bauen? Noch zwei Entwürfe sind im Rennen. Über die Namen der Architekten und auch darüber wie sie sich ein Konzert- und Kongresshaus in Konstanz vorstellen, kann aber weiterhin nur spekuliert werden. Eine Debatte über die sehr unterschiedlichen Entwürfe findet nicht statt. Die Öffentlichkeit muss draußen bleiben. Das liege am Verfahren, sagte der Pressesprecher der Stadt, Walter Rügert.

Noch zwei Entwürfe für Klein Venedig

Im neuen Jahr, 2010, fällt dann aber die Entscheidung, ob ein Konzert- und Kongresshaus auf dem Areal Klein Venedig gebaut wird und wie es aussieht. Derzeit rechnen sich noch zwei Bietergemeinschaften Chancen aus. Beide haben Pläne vorgelegt und möchten den Konstanzern ein ansehnliches Konzert- und Kongresshaus für insgesamt 48 Millionen Euro bauen. Die Entwürfe stammen von renommierten Architekten aus dem In- und Ausland. Auch Betreiber für ein Hotel, das ebenfalls entstehen soll, haben die Bietergemeinschaften mitgebracht.

Öffentlichkeit muss draußen bleiben

Anders als bei Architektenwettbewerben wird es aber keinen ersten und zweiten Sieger geben. Denn selbst der Gemeinderat wird in seiner Sitzung am 28. Januar nur einen einzigen Entwurf zu Gesicht bekommen. Die Namen jener Architekten und Bietergemeinschaften, die nicht zum Zuge kommen, bleiben auch dann unter Verschluss. „Es ist ein kombinierter Architekten- und Realisierungswettbewerb“, sagte Walter Rügert. Weil die Bewerber nicht nur Entwürfe, sondern auch wirtschaftliche Konzepte vorlegen, ist das Verfahren eben nicht-öffentlich. Die Stadt habe sich, um Kostensicherheit zu erreichen, für den Weg, der das Konzert- und Kongresshaus zur Verschlusssache macht, entschieden.

Namen der Bieter und Planer bleiben geheim

Der Preis für die Kostensicherheit könnte am Ende aber hoch sein. Sollten Namen doch vorzeitig öffentlich werden, könnte nach Aussage Rügerts noch das ganze Verfahren platzen oder die Stadt mit Schadenersatzforderungen konfrontiert werden. Die Stadt muss deswegen  ganz anders verfahren als zum Beispiel bei der Begegnungszone Bahnhof, bei der schon im November zwei Büros ihre Ideen öffentlich präsentiert haben.

Bürgerentscheid voraussichtlich im März 2010

Ob die Öffentlichkeit mit dem Verfahren unter Ausschluss der Bürgerinnen und Bürger einverstanden ist, dürfte sich spätestens im März 2010 zeigen. Dann soll ein Bürgerentscheid stattfinden. Wie er ausgeht, dürfte auch von der Fragestellung abhängen, um die es im neuen Jahr deswegen noch ein Gezerre geben könnte. Da für Bürgerentscheide Quoren gelten, bedarf es, wenn wie in Konstanz das Instrument der direkten Demokratie bei der Frage Konzerthaus ja oder nein zum Einsatz kommt, deswegen nicht nur der einfachen Mehrheit der Abstimmenden, sondern zusätzlich der Zustimmung von 25 Prozent aller Wahlberechtigten.

OB darf Wahlvolk nicht verärgern

Im Klartext: Sollten die Konstanzer keine Lust mehr haben über ein Konzert- und Kongresshaus abzustimmen, nachdem ihre Meinung die Architektur betreffend schon nicht gefragt war, könnte das ganze Projekt je nach Fragestellung kippen. Doch nicht nur, wenn Bürgerentscheid ist und keiner hin ginge, würde es eng. Sollte sich gar ein Viertel der Wahlberechtigten und gleichzeitig die Mehrheit der Abstimmenden gegen ein Konzert- und Kongresshaus aussprechen, wäre Oberbürgermeister Horst Frank mit seinem Lieblingsprojekt ebenfalls gescheitert.

Keine Billigarchitektur auf Klein Venedig

Dass eine qualitativ schlechte Architektur auf dem Gelände Klein-Venedig entsteht, dürfte – obwohl es keinen klassischen Architektenwettbewerb gibt – eher unwahrscheinlich sein. Billigarchitektur wird es auf dem prominenten Platz direkt am See nicht geben – dafür stehen die Namen der Architekten, die aber nur die Beurteilungskommission kennt. Ein Hingucker soll das neue Konzert- und Kongresshaus in jedem Fall sein, heißt es. Auch wäre es in beiden Fällen – also egal welche Bietergemeinschaft den Zuschlag erhält – nicht die erste Mehrzweckhalle, die die Planer entwerfen.

Zwei Profis, zwei unterschiedliche Stile

Einer der Entwürfe könnte von einem Planungsbüro in Deutschland stammen, das schon mehrere anspruchsvolle Veranstaltungsstätten im In- und Ausland gebaut und genauso Erfahrung mit multifunktionalen Messe- und Veranstaltungszentren hat wie mit Großsportanlagen oder Wasserwelten. Der zweite Entwurf, der noch Chancen hat, in Konstanz verwirklicht zu werden, dürfte dagegen eine andere Architektursprache sprechen und würde ebenfalls einen Akzent setzen. Der Entwurf könnte an zeitgenössische Bauten von Architekten aus Vorarlberg erinnern, die mit ihren klaren Linien, hellen, leichten Konstruktionen und präzise geformten Baukörpern in den vergangenen Jahrzehnten internationale Anerkennung erlangten.

Bei 48 Millionen Euro ist Schluss

Was die Finanzierung des Konzert- und Kongresshauses angeht, hat die Stadt Zahlen auf den Tisch gelegt. Die Bietergemeinschaft, die zum Zuge kommt, muss mit Gesamtkosten von 48 Millionen Euro auskommen. Den Großteil der Investitionssumme, 35 Millionen Euro, will die Stadt über einen Kredit finanzieren. Für Zins und Tilgung müsste sie in der Folge geschätzt jährlich 2,3 Millionen Euro aufbringen. Den Betriebskostenzuschuss beziffert die Verwaltung mit weiteren 300.000 Euro jährlich, so dass die Stadt jedes Jahr 2,6 Millionen Euro für das Konzert- und Kongresshaus ausgeben müsste. Andererseits rechnet sie damit, dass Gäste auch 18 Millionen Euro zusätzlich in Konstanz ausgeben würden. (Foto: pixelio.de, Matthias Lohse)

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