Zwischenruf! O – Eine Stadt sucht einen Oberbürgermeister

Von Waltraud Kässer

„M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. 1931 drehte Fritz Lang den Tonfilm. Die Premiere war am 11. Mai 1931 in Berlin im Ufa-Palast am Zoo. Heute heißt es „O – Eine Stadt sucht einen Oberbürgermeister“. Aufgeführt werden Beiträge, die alle diesen Titel tragen könnten, in überregionalen Zeitungen und auch auf einem lokalen Blog.

Wie peinlich ist das denn? Nur weil Journalisten gern von einander abschreiben und sich in einer nachrichtenarmen Zeit an Ostern auf alles stürzen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, scheint „O – Eine Stadt sucht einen Oberbürgermeister“ zu einem medialen Dauerbrenner zu werden. Der Stoff, aus dem solche Beiträge sind, ist die Ahnungslosigkeit. Dass sich da am Ostersamstag auch ein geschätzter Kollege dazu hinreißen ließ, statt einer Nachricht ein abstruses Gerücht zu verbreiten, hat uns doch sehr erstaunt. Gratulation, Herr G.! Wir ziehen es angesichts solcher Turbulenzen vor, wenigstens über Ostern in einen viertägigen Dornröschen-Schlaf zu verfallen.

Merke, die Stelle der Oberbürgermeisters oder der Oberbürgermeisterin ausschreiben wird die Stadt Konstanz erst Ende April. Vorher wäre es gar nicht möglich, eine Bewerbung abzugeben. Die Bewerbungsfrist endet am 4. Juni. Wahltag ist am 1. Juli.

Wer nachfragt, erfährt, dass Parteien und Gruppierungen durchaus im Gespräch mit Interessenten sind. Aufgrund der ausufernden Berichterstattung hat auch die Zahl der Glücksritter, die sich gemeldet haben, sprunghaft zugenommen. Wir wissen zum Beispiel, dass sich bei der Partei X sogar ein Frühpensionär, aber auch Bürgermeister berufen fühlten, ihre Hand zu heben. Ein Termin am Gründonnerstag wurde leider kurzfristig gecancelt, so dass wir die Fortsetzung noch nicht kennen. Bei der Gruppierung Y steht womöglich in der kommenden Woche ein recht interessantes, vielversprechendes  Gespräch auf der Tagesordnung. Die Partei Z plane bereits an einem schon feststehenden Termin, ihre Mitglieder zu informieren.

Wir möchten hier selbstverständlich keine Namen – weder von Gruppierungen noch von Bewerbern – nennen, aber doch wenigstens einen groben Abriss geben, um die Konstanzer ein bisschen zu beruhigen. Möglicherweise können wir den einen oder anderen Leser heute auch vor einer Panikreaktion bewahren und davon abhalten, sich vorzeitig zu outen. Es wäre immer noch zu früh. Oder haben Sie ein viertel Jahr Urlaub, um ab sofort bis in den Juli hinein Wahlkampf zu machen?

Ein entspanntes Wochenende!

2 Kommentare to “Zwischenruf! O – Eine Stadt sucht einen Oberbürgermeister”

  1. Fritz
    8. April 2012 at 20:56 #

    Bitte bitte keinen grünen OB mehr, den man vor (n)irgendwo her aus dem Hut zaubert um dann erschreckt festzustellen: er taugt nix und macht den alten Stiefel einfach so weiter.

    Dann lieber gleich wie früher einen kohlrabenschwarzen Konservativen, von dem man weiß, der tut sowieso nichts vom sinnvollen. Da werden die Bürger wenigstens aktiv anstatt sich einlullen zu lassen von grüner Tünche.

    • wak
      9. April 2012 at 11:03 #

      @Fritz Man kann über Grüne oder Horst Frank denken, was man will. Die Konstanzer Verwaltung ist auf dem Laufenden, sagen Leute, die es wissen sollten. Eickmeyer war Freier Wähler. es gibt konservative Grüne wie Kretschmann und grüne Konservative wie Töpfer oder, was die Windkraft angeht, Andreas Jung. Ich wünsche mir die beste Persönlichkeit für Konstanz.

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